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Kleine Rätsel Schaumburgs: Warum es in Rinteln mal zwei Mädchenschulen gab

Zwei Schulen im Konkurrenzkampf

Rinteln (mld). Unser Rätsel erzählt in dieser Woche von einer Zeit, als es noch Töchterschulen gab. Die erste in Rinteln wurde im Jahr 1845 von einer gewissen Luisa Brauns gegründet.

veröffentlicht am 24.09.2011 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 18.04.2013 um 10:24 Uhr

„Von der Braunschen Schule wissen wir sehr wenig“, heißt es in „Die Entwicklung des höheren Mädchenschulwesens in Rinteln“ zum Jubiläum des „Hilburg-Lyzeums“ im Jahr 1930, geschrieben von der damaligen Studienrätin Margarethe Engelhard. Nur „zufällige Bemerkungen in neuen Akten und mündliche Berichte noch lebender Schülerinnen erzählen uns davon.“

Demnach war Luisa Brauns Schwester des Rektors der Rintelner Stadtschule. „Wegen ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinns“ sei sie von ihren Schülerinnen „geehrt und geliebt“ worden, auch wenn sie ein „herbes und strenges Wesen“ gehabt haben soll. Für die Schule habe sie in dem damals Carlstaedt- schen Hause, „der jetzigen Mädchenherberge“, ein Zimmer gemietet. Später sei die Schule ins „zweite Pfarrhaus“ umgesiedelt. Zwei oder drei Jahre, berichtete Studienrätin Engelhard, seien die Mädchen noch auf die sogenannte Bürgerschule gegangen, mit acht oder neun Jahren wechselten sie dann auf die Mädchenschule. Das Schulgeld betrug damals 72 Mark jährlich. Die Schule hatte erst einen Raum, später zwei Räume, 30 bis 40 Schülerinnen kamen hierher zum Lernen.

Sie erhielt ab Oktober 1880 Konkurrenz durch die Gründung einer Töchterschule unter der Leitung von Rektor a.D. Carl Althans, die in drei Zimmern im Eckhaus der Ritter- und Schulstraße untergebracht war. Als einen „schweren Schlag“ für Luisa Brauns wird diese Gründung in der Hilburgschen Festschrift bezeichnet.

1884 habe das Schülerverhältnis zwischen Althans- und Braun-Schule bei 38 zu 25 gelegen, Weihnachten 1885 soll die Braunsche Schule gar nur noch acht Schülerinnen gehabt haben. Zu Althans’ Lebzeiten lag die Rekordanzahl der Schülerinnen an seiner Schule bei 51.

„Fräulein Brauns selbst war gealtert“, schrieb die damalige Schulrätin über die „Notwendigkeit“, dass eine neue Schule gegründet werden musste: „Sie scheint nicht mehr genug Hilfskräfte bekommen zu haben, um eine dreiklassige Schule, wie Althans sie begründete, durchführen zu können.“

Sogar die Regierung in Kassel, zu dem Rinteln damals gehörte, hat laut Engelhard auf die Vereinigung beider Schulen gedrängt, „Herr Regierungs- und Schulrat Dr. Falckenheiner“ reiste „eigens“ nach Rinteln, um sich der Sache anzunehmen. Die Schule von Luisa Brauns wurde nach einem sechsjährigen Streit schließlich aufgelöst, sodass es ab 1886 nur noch eine Töchterschule in Rinteln gab.

Laut Engelhard zog „Fräulein Brauns“ später zu ihrem Bruder nach Marburg und verstarb im Jahr 1903 – in demselben Jahr wie ihr Konkurrent Althans.

Zum 150-jährigen Bestehen des Gymnasium Ernestinum im Jahr 1967 gab die Schaumburger Zeitung eine Sonderzeitung über die Rintelner Schulen heraus. Redakteur Walter Maack schrieb darin, dass aus dieser privaten Töchterschule im Jahr 1903 eine staatlich anerkannte Mittelschule gemacht wurde. Sie erhielt im Jahr 1912 den Namen „Höhere Mädchenschule“, behielt den Charakter einer Mittelschule aber bei.

1920 wurde diese Schule in ein Lyzeum, also Gymnasium, für Mädchen umgewandelt, auf das die Schülerinnen allerdings nur bis zur zehnten Klasse gehen konnten – das Lyzeum blieb ein sogenanntes Progymnasium, ein allgemeinbildendes Gymnasium also, das nicht alle Klassenstufen umfasst. Damals war es auch, dass die Schule „Hildburg-Lyzeum“ genannt wurde, um an die Gründerin des Damenstifts des Kloster Möllenbecks zu erinnern: Äbtissin Gräfin Hildburg.

Im November 1958 entschied der Rat der Stadt Rinteln, dass die Hildburgschule nicht mehr als Progymnasium für Mädchen weitergeführt werden sollte. Schon 1960 wurde hier eine Mittelschule eingerichtet, die ab der fünften Klasse begann. Das Abstimmungsergebnis viel mit neun zu acht Stimmen äußerst knapp aus. 1964 wurde die „Mittelschule“ überall in „Realschule“ umbenannt – was die Hildburgschule heute noch ist.

Noch oft wechselte die Schule den Standort: 1885 zog die Schule in die Brennerstraße um, 1910 zog die Schule in den Neubau „nördlich der Ostertorstraße“, der auf dem „Carlstaedtischen Spargelgarten“ errichtet wurde – das Gebäude war zu klein geworden. In den folgenden Jahren wurde auch hier immer wieder an- und umgebaut, um mehr Platz zu schaffen, zum Beispiel Physik- und Zeichenräume anzuschließen. Von der Ostertorstraße ging es auch mal ins Schulzentrum an der Burgfeldsweide, gemeinsam mit dem Gymnasium. Als das Land Niedersachsen die Orientierungsstufen abschaffte, zog die Realschule an den Kollegienplatz um.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns an sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.



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