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Vor zehn Jahren erhielten zwölf europäische Länder eine gemeinsame Währung

„Wir hatten keinen blassen Schimmer“

An diesem 1. Januar hatte die Volksbank sogar geöffnet, man wartete auf einen Ansturm, der dann aber nicht kam: „Es war ruhig“, erinnert sich Reinhard Schreeck als Vorstandsmitglied. Nur: Im Vorfeld wusste es ja niemand, schließlich steht nicht alle Tage eine Währungsumstellung ins Haus. Und es war eine, die im berühmten Volk nicht gerade umjubelt wurde: Die Mehrheit wollte ihre D-Mark behalten, der Euro war ein eher ungeliebtes Kind, als er vor zehn Jahren für damals zwölf Länder eingeführt wurde.

veröffentlicht am 02.01.2012 um 00:00 Uhr

Heute ist er die offizielle Währung in 17 Ländern und genießt inoffiziell einen schlechten Ruf als Teuro. Zu Unrecht, meint Schreeck. Viele Teuerungen seien durch die explodierenden Preise im Energiesektor verursacht. Das liegt nicht am Euro, sondern am wirtschaftlichen Aufschwung von Ländern wie China oder Indien mit ihrem enormen Energiebedarf“, meint Schreeck.

Auch Werner Nickel von der Sparkasse beantwortet die Frage, ob der Euro eine Zukunft habe, positiv: „Ja. Ohne Einschränkung.“ Auch er verweist auf China und Indien, auf den arabischen Raum – „Europa hat dagegen nur eine wirtschaftliche Chance als Währungsunion.“ Nickel war vor zehn Jahren Projektleiter des Sparkassenteams, das für die Einführung des Euro den Weg bahnen sollte: Acht Mann gehörten zum Kernteam, schon Monate vorher habe man an einem logistischen Konzept gearbeitet. „Keiner wusste ja, was auf uns zu kam, wir hatten ja keinen blassen Schimmer“, sagt Nickel und kann sich gut erinnern an diese Zeit der Unsicherheit, als bei der damaligen Landeszentralbank das „neue“ Geld bestellt werden musste. 40 Millionen? 50? Oder doch lieber 60? Es waren dann noch ein paar Millionen mehr, die die Sparkasse für die ersten Tage des Übergangs bestellt hatte; sicher ist sicher.

Benötigt wurden sie eher nicht, denn auch bei der Sparkasse hielt sich am und ab dem 1. Januar der Andrang in überschaubaren Grenzen. „Der Umtausch lief vor allem über die Automaten“, sagt Nickel. Soll heißen: Dort gab es nur noch neues Geld, den Euro eben.

Vor zehn Jahren landete auch der auf dem 10-Mark-Schein abgebildete deutsche Mathematiker Johann Carl Friedrich Gauß samt alter Währung im Reißwolf. Foto: tol

War der Euro der Teuro? Auch Nickel widerspricht, vehement, und rechnet vor: In den zehn Jahren seit seiner Einführung habe die Preissteigerung im Schnitt bei 1,6 Prozent gelegen, in den letzten zehn Jahren der D-Mark dagegen durchschnittlich bei 2,6 Prozent.

Nickel hält es für einen Denkfehler, vom Teuro zu sprechen: Auch die D-Mark wäre ja nicht dort stehen geblieben, wo sie vor einem Jahrzehnt stand, als sie Abschied nahm. „Und wir haben keine Ahnung, wie die letzten zehn Jahre mit der D-Mark gelaufen wären“, sagt Nickel und hält einen Vergleich für nicht besonders glücklich und zielführend: „Das ist wie bei den Äpfeln und den Birnen.“ rnk



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