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Irgendwie ansteckend: Faszination fremde Planeten

Winde im Weltall

Unserem Hund sind Fernsehsendungen eigentlich ziemlich egal. Es soll ja Vierbeiner geben – sogar Katzen – die auf den Hinterpfoten vor der Glotze sitzen und Box- oder Kopfbewegungen machen, manche jaulen zu Musiksendungen oder drohen gar in die Flimmerkiste zu springen, weil ein Hase zu sehen ist.

veröffentlicht am 20.03.2021 um 12:00 Uhr

Kerstin Hasewinkel

Autor

Ressortleiterin zur Autorenseite

Unseren Hund lässt das alles kalt, da kann der Krimi noch so spannend sein, Artgenossen vom Einbrecher niedergestreckt werden, er schnarcht weiter. Umso überraschter war ich, als er plötzlich aus dem Tiefschlaf an meiner Seite hochschreckte und einen aufmerksamen Blick Richtung Mattscheibe warf. Dabei waren es lediglich die Nachrichten.

Genauer: der Bericht über die Landung der Marssonde. Noch genauer: das Geräusch. Da hat mein Hund wirklich Instinkt für die eigentliche Sensation in diesem Zusammenhang bewiesen. Zum ersten Mal wurden Geräusche vom Roten Planeten übermittelt – das Rauschen des Marswinds. Also, wenn sogar unser Hund das bemerkenswert findet, muss es ja stimmen.

Ich meine das durchaus ernst, denn ich bin ein Weltall-Fan. Irgendwie anziehend, in den Nachthimmel zu schauen und sich vorzustellen, was sich da Lichtjahre entfernt wohl abspielen mag. Vor nicht allzu langer Zeit hat ja unser Astro-Alex diese Leidenschaft bei vielen neu entfacht. Vielleicht steckt hinter der Sehnsucht, den Blick nach oben zu richten, ja auch einfach nur, der Erde den Rücken kehren zu wollen. Was gerade in diesen Zeiten noch nachvollziehbarer zu sein scheint als ohnehin schon.

Dabei sind wir gerade gar nicht so weit entfernt von einem Leben im All, meint jedenfalls die Astrophysikerin Suzanna Randall. Die Coronapandemie ähnelt nach ihrer Ansicht dem Leben auf einer Raumstation. Wir seien alle ein bisschen zu Astronauten geworden während der Coronazeit. Weil wir nicht rausgehen können, wie wir es gewohnt sind und auf uns selber gestellt sind. Mit Einschränkungen leben müssen. Allerdings verschweigt sie dabei, dass Astronauten ein nicht unerhebliches Jahresgehalt als Trostpflaster erhalten.

Vor kurzem dann die nächste spektakuläre Mitteilung: „Perseverance“ – was für ein Name – hat seine erste Tour auf dem Mars erfolgreich hinter sich gebracht. Ganze 6,5 Meter. In 33 Minuten. Wow! Vielleicht ist es ja auch das, was an den Nachrichten vom Roten Planeten so fasziniert: Endlich mal wieder ̓ne Nummer bescheidener. Da fangen wir eben wieder ganz von vorne an und freuen uns über die kleinsten Schritte. Auch da sehe ich Parallelen, Corona entschleunigt – vor allem aber leider beim Thema Impfen und Selbst- oder Schnelltesten, da geht es ja auch nur langsam voran.

Auf den Bildern fehlen mir manchmal Vergleichsgrößen, aber der Mars-Rover ist alles andere als ein Nasa-Spielzeug: Er soll 1000 Kilogramm schwer sein und in etwa so groß wie ein Kleinwagen, heißt es. Ich konnte das leider nicht gegenchecken – auch nicht die Angabe, dass dieser Kleinwagen etwa 2,2 Milliarden Euro gekostet hat. Da darf man dann auch schon etwas Durchhaltevermögen (das heißt Perseverance übersetzt) erwarten.

Zwei Jahre lang soll das Gefährt auf unserem Nachbarplaneten herumkurven und nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens suchen. Nun ist das bei weitem nicht die erste Sonde, die den Mars erkunden soll. Aber zum ersten Mal soll es kein One way gewesen sein. Die Proben sollen auf die Erde gebracht werden. Dauert allerdings noch ein Weilchen.

Aber was versprechen wir uns von alldem? Tatsächlich gibt es die Vorstellung, Menschen auf dem Mars ansiedeln zu lassen. Weil es weniger aufwendig ist, wenn sie gleich dort oben bleiben, als sie zurückzuholen.

Jetzt wird mir auch die Sache mit den Masken klar. Wenn man sieht, wie die Ohren sich bei manchen durch die Gummibänder verformen … Hallo, Mr. Spock?

Hoffen wir mal, dass die Menschen sich nicht aufraffen, diesen Planeten auch noch zu zerstören, nachdem sie auf der Erde ja lange genug geübt haben.

Ich frag mal meinen Hund, was der davon hält. Er brummt. Was auch immer das heißen mag. Aber es muss auch noch ungelöste Rätsel geben, finde ich.



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