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Salzhemmendorfs „Ziegenbrunnen“ erinnert an den Beginn der Salzgewinnung im Ort

Wie das weiße Gold entdeckt wurde

Salzhemmendorf. Warum ist der Brunnen in der „Badestraße“ von Salzhemmendorf nach Ziegen benannt? Versammeln sich die Tiere dort, um ein Bad zu nehmen? Oder sind sie vielleicht das Wappentier des Ortes? Weder noch. Es steckt mehr dahinter. Ziegen waren nämlich die Entdecker des „weißen Goldes“. Ihre Neugier und ihr Feingeschmack haben den Grundstein zur Gründung des Ortes und zur Salzgewinnung gelegt.

veröffentlicht am 31.05.2013 um 06:00 Uhr

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Zumindest der Sage nach, in der berichtet wird, dass vor über 1000 Jahren ein Ziegenhirte seine kleine Herde durch das Hainholz trieb, damit es weiden konnte. Ihm fiel auf, dass die Ziegen immer wieder zu einer Quelle liefen, um das Wasser zu schlecken. Neugierig geworden, nahm auch er einen Schluck – und siehe da, es mundete ihm ganz vorzüglich, war es doch viel schmackhafter als „gemeines Wasser“, das eher süßlich schmeckte. Die Entdeckung zog Kreise. Alle wollten sich laben an dem „Ziegenwasser“, das lecker nach Salz schmeckte. Ziegen waren seitdem im weiten Umkreis hoch geachtete Haustiere.

Bei der Salzquelle siedelten sich nach und nach Menschen an, die ihren Lebensunterhalt mit der Gewinnung des „weißen Goldes“ verdienten. Die Solequellen gewannen immer mehr an Bedeutung. 1854 stellte Salzgraf Heinrich Albrecht in einem Siedehaus zwei Badewannen auf. Ein Jahr später weitere zwei. 1856 wurde ein Badehaus gebaut. Die Besucher kamen von weit her, um ihre Wehwehchen in dem heilenden Wasser zu kurieren. Seit vielen Jahren wird das Badehaus in der Badestraße von der Familie Hessing betrieben. Fitnesstraining, Massagen und Krankengymnastik gehören ebenso zu dem vielfältigen Angebot wie Stangerbäder.

Baden in warmer Schwefelsole und ein vielfältiges Therapieangebot bietet darüber hinaus die 1991 eingeweihte „Ith-Saale-Therme“, die später den Namen „Ith-Sole-Therme“ erhielt, den sie heute noch trägt.

Salz gewonnen wurde in Salzhemmendorf, einst auch „Swalenhusen“ oder „Solte“ genannt, bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts hinein. Wegen finanzieller Schwierigkeiten der Sali-nengewerkschaft wurde die Salzgewinnung schließlich eingestellt. An die langjährige Tradition erinnern die Bürger Salzhemmdorfs alle paar Jahre mit einem sogenannten „Söltjerfest“. Die Veranstaltung ist benannt nach den Salzsiedern, die damals „Söltjer“ hießen. Wie es ihnen einst gelang, aus Sole kostbares Salz zu gewinnen, demonstriert Hobby-Salzsieder Udo Baranowski bei diversen Veranstaltungen.

Zur Erinnerung an die „salzige“ Tradition und auch unter touristischen Aspekten hat die Gemeinde Salzhemmendorf Mitte der 1980er Jahre den „Ziegenbrunnen“ von einem Steinmetz errichten lassen. Im Gegensatz zu dem Solebrun-nen am Altenheim enthält der Ziegenbrunnen kein solehaltiges Wasser.

Textquellen: Flecken Salzhemmendorf und das Buch „Ithland Sagenland“. sto.

Der „Ziegenbrunnen“ erinnert an die Entdeckung der Solequelle vor 1000 Jahren (o.). Noch heute wird bei den „Söltjerfesten“ handgesiedetes Salz hergestellt (li.). sto



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