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Das Relief an der Marktkirche sorgt bei Betrachtern für Fragezeichen

Wer ist der „Mann mit dem Schwert“?

Die Hamelner Marktkirche hat nicht nur einiges an Geschichte hinter sich, sondern beherbergt auch Kunstwerke an deren Fassade. Ein steinernes Bildnis an der Front der Kirche sorgt ab und zu für Fragezeichen bei Besuchern und Betrachtern. Links neben der Eingangspforte hängt ein „Mann mit Schwert“ über einem zugemauerten Fenster. Die Dewezet hat recherchiert, was hinter dem Mann und seinen Schwertern steckt.

veröffentlicht am 17.10.2014 um 06:00 Uhr

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Der Pastor der Marktkirche Sankt Nicolai, Thomas Risel, weiß mehr über die steinerne Abbildung: „Das Relief heißt ‚Jesus als Weltenrichter‘ und ist eine von mehreren Christusdarstellungen an der Marktkirche. Anfang des 14. Jahrhunderts war es eine alte mittelalterliche Tradition, Jesus so abzubilden. Ähnliche Darstellungen finden sich in sehr vielen Kirchen dieser Zeit. Neben der Illustration von Jesus als Richter findet man ihn in der klassischen Dreierdarstellung noch oft als Segnenden und als Lehrenden.“

Dass der Stein mit dem Bildnis Jesu direkt über einem zugemauerten Fenster platziert ist, ist kein Versehen. Das Relief ist vollständig und einer der ältesten erhaltenen Steine der Kirche, dessen Alter auf Anfang des 14. Jahrhunderts geschätzt wird. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die zerstörte Marktkirche zum großen Teil neu aufgebaut werden.

Das Relief zeigt Christus als Weltenrichter, von dessen Mund zwei Schwerter ausgehen. Die beiden Schwerter sollen die weltliche und die geistliche Gewalt symbolisieren. Jesus wird von Engeln mit Marterwerkzeugen begleitet, mit denen auch schon er selbst zu Lebzeiten gefoltert wurde.

Häufige Interpretationen für Darstellungen vom Jüngsten Gericht beziehen sich auf Jesus, der als Weltenrichter in der Mitte thronend beide Hände hochhält und seine Wundmale zeigt. In anderen Darstellungen kann er zu sehen sein, wie er mit der linken Hand die Sünder zurückweist. Ihn umgeben oft Engel mit den Leidenswerkzeugen Christi oder Posaunen sowie Maria und Johannes der Täufer, die als Fürbitter für die sündige Menschheit beten. Darunter sitzen in Abbildungen oftmals die 12 Apostel als Zeugen des Gerichts. In spätmittelalterlichen Darstellungen wird das Schwert des Gerichtes durch die Lilie der Gnade auf der anderen Seite ergänzt, statt eines zweiten Schwertes. Detailreichere Bilder stellen stets links vom Betrachter die Seligen dar, die in den Himmel auffahren und rechts die Verdammten, die zur Hölle herabstürzen, was der Ankündigung des Weltgerichts im Matthäus-Evangelium entspricht. Oft begegnet man auch dem Erzengel Michael mit Seelen-Waage und Schwert.

Das Jüngste Gericht spielte im mittelalterlichen Europa eine große Rolle. Da zu dieser Zeit die Menschen in dem Glauben lebten, es stünde als wirkliches Ereignis kurz bevor, bemühten sie sich, Gott ihre Frömmigkeit zu zeigen und somit in den Himmel aufzufahren. Nach Tod und Auferstehung wird Jesus zur Rechten Gottes sitzend zum Richter der Welt, wie es im christlichen Glauben heißt: „Er kommt zu Richten die Lebenden und die Toten.“ Der Glaube daran findet sich jedoch auch im Judentum und Islam wieder.

„Das Bildnis am Eingangsportal der Marktkirche soll mahnen, dass jeder Mensch am Ende seines Lebens einmal Rechenschaft gegenüber Gott ablegen muss. Doch durch Christus wissen die Christen auch, dass Gott die Liebe, die Gnade und die Barmherzigkeit ist“, so Pastor Risel.

Ein anderes Relief von Jesus ist am Brautportal an der Kirchenseite zu sehen mit einem segnenden Christus darüber als Schlussstein. Die Türen der Marktkirche sind jeden Tag von 12 bis 16 Uhr geöffnet. Interessierte Besucher können ihre Fragen zum Gebäude auch an die Kirchenöffner richten.



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