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Der Blick über die Bassinallee von Bad Pyrmont

Wasser als prägendes Element

Die Fotografie aus dem Jahre 1950 zeigt die Bassinallee bei prächtigem Sonnenschein. Der Hamburger Fotograf Richard Schüler hat im Sommer jenen Jahres im Auftrage des Staatsbades eine Reihe von bemerkenswerten Fotos gemacht, die alle für Werbezwecke eingesetzt werden sollten. Ein „Markenzeichen“ seiner Arbeiten ist der Versuch, einen neuen, meist erhöhten Standpunkt zu suchen und damit die Wahrnehmung auf ein vermeintlich vertrautes Motiv zu verändern.

veröffentlicht am 20.10.2014 um 06:00 Uhr

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So ist es auch in diesem Fall. Ob Schüler seinen Blick auf die Bassinallee von einer Leiter aus oder aber vom Dach des Brunnentempels der Pyrmonter Hauptquelle, dem Hylligen Born, aus fotografiert hat, ist nicht zu klären. Die Fotografie lenkt aber den Blick über den Augenbrunnen, der noch Teil des Pyrmonter Brunnenplatzes ist, über die noch im Anschnitt am rechten Bildrand erkennbare Wandelhalle hinüber in eine Fahrstraße, die rechts und links von hohen Pyramideneichen gesäumt ist und die merklich den Blick die Ferne, in die Hügelwelt in Höhe von Holzhausen lenkt. Lediglich der junge Baum am Rand des Brunnenplatzes, in der Nähe der Hl. Odilie, der Schutzgöttin des Augenlichts, lässt spüren, dass das Leben wieder beginnt.

Nun heißt diese Allee schon lange nicht mehr Bassinallee. Als im Jahr 1922 das ehemalige Fürstentum Pyrmont in die Verantwortung von Preußen gelangte, die Verwaltung des Bades durch die Bad Pyrmont-AG neu organisiert wurde, erfolgte auch der Beschluss, die Bassinallee in „Am Hylligen Born“ umzubenennen. Das System der Gliederung von Alleen und Straßen rund um den Brunnenplatz wies auf diese Weise darauf hin, dass die Straße „Am Hylligen Born“ eben nun auch verstärkt eine Straße mit Logiermöglichkeiten im Kurzentrum ist.

So war es ja ursprünglich nicht geplant. Im 17. Jahrhundert, besser nach 1668, war der Brunnenplatz mit seinen 5 Quellen, darunter auch zwei Badebrunnen, der Mittelpunkt des noch jungen Kurortes. Brunnenplatz und Hauptallee bildeten eine Einheit. Der Spaziergang in der Hauptallee war eine Kombination aus Heilwasser trinken und Bewegung. Die heutige Brunnenstraße, damals nur Neustadt Pyrmont genannt, verlief in östlicher Richtung vom Brunnenplatz aus und diente ausschließlich als Logierstraße, bot also im Sommer Wohnmöglichkeiten in Hotels und Pensionen. Genau in entgegengesetzter Richtung, in gleicher Länge, wurde frühestens 1767 die Bassinallee angelegt. Der Name sagt es schon – es war für die Kurgäste der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts ein Angebot eines Spazierganges, der zu einem Wasserbassin, einem künstlerisch gestalteten Wasserbecken, führte. Damals nannte man die Gestaltung rund um das Becken das „Obere Boskett“.

Der Gartenkenner C.C.L. Hirschfeld schreibt 1785 in seiner „Theorie der Gartenkunst“ Folgendes über das ovale Boskett: „Man gelangt zu einem kleinen, sehr anmuthigen, doch schmalen Lustgebüsch, das sich um ein rundes Wasserstück windet, und zum Theil aus Gruppen von schönen ausländischen Bäumen besteht, zwischen welchen sich Pfade schlängeln. Ein heiterer Platz der Freude.“

Die Planung dieser Bassinallee hatte auch damit zu tun, dass sich die Hauptallee immer mehr zu einem Treffpunkt der internationalen Badegesellschaft entwickelte. Das Empfinden, diesen Raum vor allen Dingen zu therapeutischen Zwecken, zu einem Raum, der das Naturempfinden „auf dem Lande“ ermöglichte, wurde nun mit der Bassinallee und ihrem Blick in die Natur der Felder und Wälder ebenso spürbar wie die Alleen des Dreistrahls (patte d’oie), die die Bassinallee kreuzten und den Blick freigaben auf das Kloster in Lügde, auf den Erdbeertempel und auf die Rückseite von Schloss Pyrmont. Dieses System von Alleen, zu denen dann noch Ende des 18. Jahrhunderts die Ballhausallee und der von Bäumen gesäumte Kanal zur Schlossgraft zählten, war ein Füllhorn von Möglichkeiten, mit oder ohne Heilwassergefäß auf vielen variablen Wegen zu flanieren und gleichzeitig die Schönheit der Natur in diesem Pyrmonter Tal aufzusaugen.

Mit der wachsenden Zahl von Kurgästen im 19. Jahrhundert stieg allerdings auch der Bedarf an Logismöglichkeiten. Der Altenauplatz, der Kaiserplatz und die Bebauung der Schlossstraße sind nun Erweiterungspläne wie auch die Chaussierung eines Teils der Bassinallee, die im Jahr 1824 erfolgte. So wurden nun gegenüber dem Fürstlichen Badelogierhaus, das 1777/78 am Brunnenplatz und entlang der Bassinallee erbaut worden war, auf der gegenüberliegenden Straßenseite vornehme Logishäuser errichtet, die ja heute noch den Charme dieser Straße ausmachen. Das sogenannte Goethe-Haus, wohl um 1750 erbaut, spielt dabei heute eine besondere Rolle.

Heute ist der Blick über die Allee nicht mehr gerichtet auf die Landschaft im Hintergrund. Die reaktivierte Fontäne am früheren Bassin markiert den Endpunkt, da sie mit hohen Bäumen und Buschwerk wie eine Kulisse für das Wasserspiel dient. Aber so wird auch hier symbolisiert, dass Wasser der Ursprung und das prägende Element für die Historie Pyrmonts ist.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Der Blick über die Bassinallee, Fotografie von Richard Schüler, und heute.Staatsbad/jl



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