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Kleine Rätsel Schaumburgs: Wie manche Häuser ihre Geradlinigkeit verlieren

Warum so krumm und schief?

Landkreis (lsb). Es gibt sie in allen erdenklichen Höhen und Formen, in den verschiedensten Ländern und Orten dieser Welt: schiefe Gebäude. Einer der bekanntesten ist der schiefe Turm von Pisa. Doch gibt es ähnlich schiefe Bauten auch in dieser Region?

veröffentlicht am 23.07.2011 um 00:00 Uhr

In der Rintelner Bäckerstraße befindet sich eines der schiefsten Häuser der Stadt, weiß Dirk Eggers vom städtischen Bauamt: „Es sind nur wenige Zentimeter, die sich das Haus neigt, aber dennoch ist es zu erkennen.“ Das Fachwerkhaus habe diese Schräglage, weil der Untergrund in der Schaumburger Region generell recht schlecht sei, um Häuser darauf zu bauen, weil er schnell nachgebe und die Gebäude sich deshalb ungleichmäßig senken würden.

„Damit keine größeren Schäden an den betroffenen Objekten entstehen, werden sicherheitshalber die Fundamente mit entsprechenden Hölzern verstärkt“, so Eggers.

Und auch Karl-Heinz Wittenberg vom Stadthäger Bauamt kennt die Bodenprobleme des Landkreises: „Dass oftmals ausgerechnet Fachwerkhäuser an Geradlinigkeit verlieren, liegt daran, dass zu der Zeit, als sie errichtet wurden, keiner darauf geachtet hat, wie der Zustand des Bauuntergrunds ist. Die Häuser wurden einfach dort gebaut, wo Platz war.“

Doch nicht nur Fachwerkhäuser seien betroffen. „Das Setzungsproblem gibt es natürlich auch bei Steinbauten, obwohl wir heute die Möglichkeit haben, den Boden vor dem Bau zu untersuchen“, sagt Eggers. Der Untergrund mache nun einmal, was er wolle.

„In Stadthagen war einmal beinahe das Schloss vom Absacken bedroht, doch das konnten wir zum Glück noch rechtzeitig verhindern“, erinnert sich Wittenberg. Aufgrund verschiedener Bodenbestände, komme es immer wieder zu Senkungen unterschiedlichster Art. Sollte es zu Rissen im Fundament oder in den Wänden kommen, sollten diese Schäden schnellstmöglich beseitigt werden, rät er.

Statisch gesehen gäbe es laut Wittenberg jedoch keine Richtlinie für die „Schiefheit“ der Häuser: „Es gibt immer eine kleine Unebenheit von Gebäuden; in jedem Haus kann man eine Murmel auf den Boden legen und sie rollt weg. Doch das heißt nicht, dass das Haus schief ist. Minimale fünf Zentimeter sind nun wirklich nicht erwähnenswert. Und so etwas wie den schiefen Turm von Pisa gibt es in unserer Region wirklich nicht.“

Als frei stehender Glockenturm auf dem Dom war der Turm von Pisa geplant. Sein Grundstein wurde am 9. September 1173 gelegt und erst einmal wurde nur bis zur dritten Etage gebaut. Die nächsten Stockwerke wurden erst ein Jahrhundert später gebaut – schräg, um die Neigung auszugleichen. Außerdem steht der Turm auf einem Untergrund aus lehmigem Morast und Sand. „Das war der eigentliche Grund, warum sich der Turm später so senkte“, meint Wittenberg. Da die Grundsteine sich bereits gesetzt hatten und erst viele Jahre später der restliche Turm erbaut wurde, kam der Bau in die Schräglage. Heute hat der Turm von Pisa eine Neigung von 3,97 Grad und muss mit rund 900 Tonnen Bleibarren als Gegengewicht abgestützt werden.

Ebenfalls ein bekannter schräger Bau ist der Kirchturm im ostfriesischen Suurhusen. Mit seiner Neigung von 5,19 Grad, was bei dem 27,37 Meter hohen Turm einen Überhang von 2,47 Metern am Dachfirst ergibt, hat er es sogar in das „Guinnessbuch der Rekorde“ geschafft als der schiefste Turm der Welt. Der Grund für seine Schräglage liegt im Fundament: Die im Grundwasser konservierten Eichenholzstämme, auf dem das rote Backsteingebäude errichtet wurde, begannen zu modern, als die umliegenden Ländereien entwässert wurden.

Wer also ein schiefes Gebäude sichtet, braucht sich nicht zu wundern – es gibt sie überall, und das nur, weil die Erde auch mal nachgibt.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns an sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (05751) 4000-526.

Fachwerkhäuser haben gerne die Angewohnheit, aus der Form zu kommen, so wie hier ein schiefes Haus in der Rintelner Bäckerstraße. Den Grund dafür kennen die Bauämter: Der Untergrund in der Schaumburger Region gibt leicht nach.

Foto: lsb



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