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Arktische Luft aus Russland für langen Winter verantwortlich

Warum der Frühling spät dran ist

Der Winter hielt Schaumburg dieses Jahr lange Zeit in seinem eisigen Griff. Bis in den April regierten frostige Temperaturen, die Sommermode in der Rintelner Einkaufsstraße blieb ein Ladenhüter und nur einige wenige gönnten sich bereits ein Eis. Endlich scheint der Winter nun bezwungen und der Frühling in Schaumburg eingezogen zu sein. Wieso ließ der Frühling überhaupt so lange auf sich warten?

veröffentlicht am 17.04.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

„Ganz konkret lag das an der kalten, arktischen Luft aus dem Osten“ erklärt Gerhard Lux, Pressesprecher des Deutschen Wetterdienstes und selber diplomierter Meteorologe. „Ein Hochdruckgebiet über Skandinavien hat die frostige Luft Russlands angezapft und nach Europa geblasen.“

Unser Wetter, so erklärt der Experte, wird wesentlich beeinflusst durch das Verhältnis von Hoch- und Tiefdruckgebieten, also den Luftdruckverhältnissen. Über einer warmen Fläche erhitzt sich die Luft, steigt auf und wandert in großer Höhe in Richtung der Pole. Dadurch sinkt der Druck in Bodennähe eines Tiefdruckgebiets und kalte Luft von einem Hochdruckgebiet wird angezogen. Es entsteht ein Wind. Im Hochdruckgebiet wiederum fällt kalte Luft aus großer Höhe ab, um die abgesogene Luft zu ersetzen.

20. März: Die Stühle dieses Eiscafés in der Rintelner Innenstadt sind noch mit Schnee bedeckt. tol

Diese gewaltigen Luftbewegungen, die sich um die ganze Erde ziehen, nennt man Jetstreams.

„Hochdruckgebiete drehen sich und die umgebende Luft dabei immer im Uhrzeigersinn“, erklärt Lux, „Tiefdruckgebiete gegen den Uhrzeigersinn.“ Ein starkes und lang anhaltendes Hochdruckgebiet über Skandinavien sei daher für unseren verspäteten Frühling zuständig. Aus meteorologischer Sicht nicht ungewöhnlich. Warme Winter entstehen, so der Meteorologe, wenn die wärmere Luft des Atlantiks nach Europa gelangt.

„Wenn Sie im Dezember fragen, wie der Winter enden wird, kann Ihnen darauf niemand eine Antwort geben“, verdeutlicht der Wetterexperte die langfristige Unvorhersehbarkeit derartiger Entwicklungen. „Das Wettersystem ist relativ chaotisch. Das heißt, eine ganz kleine Ursache kann schon eine große Veränderung bewirken.“ Eine derartige Veränderung ist auch die globale Erwärmung. Sie könnte, glaubt man aktuellen Forschungen, einen wichtigen Einfluss auf den kalten Winter in Europa haben. Klimaforscher haben festgehalten, dass in den letzten 30 Jahren etwa 80 Prozent der Meereisdecke geschmolzen sind.

Dieses Symptom der Erderwärmung trage noch mal zusätzlich dazu bei, meint Gerhard Lux. „Wasser, das nicht von Eis bedeckt wird, erhitzt schneller. Dadurch verändern sich die globalen Jetstreams, also die Balance zwischen kalten und warmen Luftbewegungen. Dadurch könne es sein, dass auch in Zukunft mehr arktische Luft nach Europa gelangt. Er betont aber auch, dass es sich hierbei bisher nur um eine Theorie handle. Diese muss ihre Richtigkeit erst unter Beweis stellen. „Es kann auch eine Zufälligkeit sein, das Wetter ist chaotisch.“

Während in der klassischen Physik relativ leicht von einer Ursache auf eine Wirkung geschlossen werden könne, sei es in der Meteorologie aufgrund unzähliger entscheidender Faktoren ungleich schwieriger. Denn bereits eine kleine Veränderung kann die Dauer des Winters in Schaumburg entscheidend verändern. Daher lässt sich auch nicht einfach voraussagen, wie lange der nächste Winter wird. „Und wer meint, er kann das, der lügt“, stellt Lux klar.



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