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Nach ihrer Tour durch halb Europa macht die Hamelnerin Lea Nüsgen Karriere im Ruhrgebiet

Von der Dessert-Reise zur Chefin

Hameln. Nun ist sie Chef, genauer gesagt Chef-Patissière. Lea Nüsgen, die auf der Suche nach spannenden Desserts durch halb Europa gereist ist, kümmert sich mittlerweile um das Kaffee- und Kuchengeschäft sowie die Desserts im Restaurant Schloss Berge in Gelsenkirchen. Dabei ist es immer ihre Kreativität, die gefragt ist, vor allem bei Großveranstaltungen, wie zum Beispiel dem „Krimi-Dinner“. Und genau diese Kreativität hat Nüsgen von ihren Reisen mitgebracht.

veröffentlicht am 06.11.2013 um 06:00 Uhr

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Die 27-Jährige fällte im Mai diesen Jahres eine mutige Entscheidung, die, wie sie später sagen wird, die beste ihres Lebens gewesen sei. Gesponsert von einer Berliner Marzipanfirma, machte sie sich nach ihrer Prüfung zur Konditormeisterin rund zwei Monate ganz alleine mit ihrem kleinen roten Toyota Aygo auf den Weg, in welchem sie auch übernachtete. „Es ist ganz toll, wenn man morgens direkt am Strand aufwacht und dort frühstücken kann“, schwärmt die Hamelnerin heute.

Nach der Reise kam erst die Ernüchterung: Sie hatte eine ganze Menge Nachbereitungen zu treffen. „Es dauerte eine ganze Weile, bis ich wieder ganz angekommen war“, erklärt sie. Wieder an einer Stelle zu stehen, das sei nicht einfach gewesen. Zunächst einmal hieß es, sich wieder zu orientieren – nach so einem spannenden und erfahrungsreichen Abenteuer.

Sie sei gewachsen – persönlich wie fachlich. Mit der Sprache habe sie auf der Reise nie ein Problem gehabt. Da sei dann eben mit Händen und Füßen kommuniziert worden. „Man kann so viel voneinander lernen“, erzählt sie. Das ist auch heute noch ihr Wunsch: mehr Kommunikation zwischen den Konditoreien. Die Deutschen hätten ihren Frankfurter Kranz, von dessen Rezeptur sie meist nicht abweichen wollen, hat Nüsgen beobachtet. Auf der Reise habe sie gelernt, wie man verschiedene Verfahrensweisen kombinieren kann. Neben den Konditoreien besuchte sie auch landwirtschaftliche Betriebe, wie zum Beispiel einen von Nüssen. Sie weiß jetzt, dass eine Zitrone aus Sizilien anders schmeckt als eine aus Spanien. Sie ist flexibler geworden.

Momentan plant sie in Gelsenkirchen die Dessert-Karte für den Winter. Es wird auf jeden Fall die Cassata alla siciliana drinstehen. Sizilien hat ihr besonders viel Spaß gemacht, denn hier sei es ganz klassisch, wie sie es sich schon vorher vorgestellt hatte. Hier sehe man nur die sizilianischen Männer an den Rührschüsseln, erklärt sie amüsiert. Frankreich begeisterte sie beispielsweise mit der modernen Technik. „Die Franzosen haben es einfach drauf“, sagt sie, „die haben den absoluten Sinn für die Optik.“ In Portugal werde sehr viel mit Eiern gearbeitet. An den Rezepten könne man oft etwas über die Geschichte dahinter lernen. Eier waren beispielsweise früher in Notzeiten immer da. Aus der Not entwickelten sich Traditionen – „absolut spannend“, so Nüsgen.

Mit ihrem aktuellen Job ist sie sehr eingespannt. Doch trotzdem hat sie zu Hause noch Lust, etwas Leckeres zu zaubern. Davon hat nicht nur sie etwas, auch ihre Freunde würden von ihren Spezialitäten regelmäßig profitieren. Die Leidenschaft für ihre Arbeit wird sie so schnell nicht verlieren. „Es ist einfach mein Traumjob.“ Und? Ist eine zweite Reise geplant? „Ich würde so gerne einmal nach Osteuropa!“ Dahin würde sie allerdings nicht alleine fahren. Eine russische Freundin von ihr könne so beeindruckend gut kochen und backen. Begeistert erzählt Nüsgen etwa von dem leckeren Tannenzapfen-Honig. Bis es zu dieser Reise kommt, wird sie aber noch die Gaumen der Gäste im Ruhrgebiet verwöhnen – sei es mit den italienischen Cannoli, den französischen Macarons, der spanischen Crema Catalana oder mit österreichischen Quarkknödeln.



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