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Politik schränkte 2013 städtisches Angebot ein – der große Ansturm bei Gärtnereien blieb trotzdem aus

Und wer kümmert sich ums Grab?

Hameln. Ob die Politik damit den Bürgern einen Gefallen getan hat? Der Stadtrat Hameln hatte im Dezember 2013 entschieden, dass die Verwaltung keine neuen Aufträge mehr für die Durchführung der Grabpflege entgegennehmen sollte. Doch so eindeutig war das Ergebnis damals nicht: 23 Ratspolitiker stimmten dafür, 15 dagegen. So umstritten das Thema in der Politik war, so unterschiedlich fielen danach die Reaktionen der Bürger aus. Die negativen Anrufe landeten nicht selten bei der Verwaltung. „Es hat schon noch weitere Anfragen gegeben, die wir aber abschlägig beantworten mussten“, heißt es dazu aus dem Rathaus. Man habe den Menschen in solchen Fällen mitgeteilt, dass der Ratsbeschluss für die Verwaltung nun einmal bindend sei. „Die Reaktionen waren eher negativ“, so der trockene Kommentar der Verwaltung.

veröffentlicht am 18.03.2015 um 06:00 Uhr

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Doch hat die Entscheidung der Politik, aus der städtischen Grabpflege auszusteigen, zumindest für die privaten Anbieter einen Kundenschub gebracht? „Wir hatten ein bisschen Zuwachs, aber wir schreien nicht ,hurra‘“, beschreibt Uta Nolte, die Blumengeschäft und Gärtnerei betreibt, die Entwicklung. Den Wegfall des städtischen Angebots habe man aber schon gemerkt. Zumindest der große Rückgang bei Aufträgen sei ausgeblieben, so Nolte. Auch bei der Friedhofsgärtnerei Steffen spürt man eine Veränderung. „Wir haben schon einen Zuwachs“, sagt Kai-Werner Steffen. Früher habe er häufig Angebote für Kunden erstellt, die sich dann doch für das städtische Angebot entschieden hätten – einfach, weil es ein paar Hundert Euro billiger war. Um auf dem Markt dauerhaft zu bestehen, sei dies nicht die ideale Voraussetzung gewesen, blickt Steffen zurück. Dass die städtische Konkurrenz nun weg ist, sei daher eine Entlastung für ihn. Auch Stadtbaurat Hermann Aden hatte damals vermutet, dass das städtische Angebot private Anbieter verdrängt habe.

Dass wegen des Wegfalls nun aber weitere private Anbieter auf dem Grabpflege-Markt in Hameln aus dem Boden schießen, soweit geht es dann doch nicht. Denn der Trend ist klar: Die Aufträge zur Grabbepflanzung sind rückläufig. Das bestätigt auch Nolte: „Viele lassen sich anonym beerdigen“, so die Unternehmerin, „und kleine Urnengräber nehmen zu.“ Das sei möglicherweise auch einer der Gründe für die Politik gewesen, aus der städtischen Grabpflege auszusteigen, mutmaßt sie. „Die freien Flächen werden immer mehr“, sagt auch Steffen, dessen Geschäft am Friedhof Wehl liegt. Seine Kunden, wenn sie denn noch ein richtiges Erdgrab mit Bepflanzung zu betreuen haben, seien häufig höheren Alters oder Kinder, die woanders leben und das Grab der Eltern daher nicht pflegen können.



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