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Im Herbst steigt das Risiko für Wildunfälle / Reflektoren auf Leitpfosten sollen Tiere warnen

Uhr verstellt – Wild verwirrt?

Wer morgens auf der Fahrt zur Arbeit seinen Blick über die Wiesen streifen lässt, hat jetzt besonders hohe Chancen, wilde Tiere zu entdecken. Durch die Verlagerung des Berufsverkehrs in die Dämmerungsstunden ist scheinbar auch die Zahl der am Straßenrand liegenden toten Tiere angestiegen. Hat also die Umstellung der Uhr mit einem häufigeren Wildwechsel zu tun?

veröffentlicht am 31.10.2014 um 06:00 Uhr

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Der Deutsche Tierschutzbund e.V. schätzt, dass jedes Jahr bis zu 200 000 Rehe und über 20 000 Wildschweine im Straßenverkehr getötet werden. Allein die Anzahl überfahrener Igel wird in den Hunderttausenden vermutet. „Im Landkreis Hameln-Pyrmont sind es etwa 500 Tiere, die pro Jahr polizeilich als an- oder überfahren gemeldet werden“, sagt Kreisjägermeister Jürgen Ziegler.

Aber wieso scheint es gerade im Herbst besonders häufig zu Wildunfällen zu kommen? „In den Dämmerungsstunden, in denen die meisten Wildtiere aktiv sind, wechseln sie zwischen den Orten, an denen sie Nahrung finden und den Rückzugsgebieten, die sie bei Tag aufsuchen. Bedingt durch den natürlichen Zyklus sind die Wildtierpopulationen im Herbst zudem am höchsten. Außerdem machen sich die Jungtiere von Fuchs und Dachs zu dieser Jahreszeit auf, eigene Reviere zu suchen“, erzählt Ziegler. Durch die Uhrenumstellung verschiebt sich der Berufsverkehr und wirke sich so auch auf die Zahl der Tiere aus, die beim Wechsel über die Straße überfahren werden. Das Wild verhalte sich aber deshalb nicht grundsätzlich anders.

Autofahrer haben es in der Hand, durch eine defensive und umsichtige Fahrweise diesem Problem entgegenzuwirken. „Das Tempo sollte vor allem auf Straßen in bewaldeten Gebieten gedrosselt werden“, rät Ziegler. Unfallschwerpunkte sind beispielsweise die Klütstraße in Hameln, die Ausfahrtsstraßen in Holtensen, Unsen und Hasperde oder auch in Gellersen und Aerzen, wo nachts deswegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 70 Stundenkilometer eingeführt wurde.

Um Wildunfälle zu vermeiden, werden im Landkreis zunehmend blaue Reflektoraufsätze auf den Leitpfosten montiert. Das Scheinwerferlicht der Autos wird dadurch in den Seitenraum der Straße gelenkt, was Lichtblitze erzeugt, die das Wild schon vor der Überquerung der Straße zum Zurückspringen bewegen sollen.

„Wer ein Tier mit dem Auto erwischt hat, sollte in jedem Fall die Polizei rufen“, sagt Jürgen Ziegler. Besonders dann, wenn es verletzt ist, hat der Fahrer eine ethische Verantwortung. Der Jagdrevierinhaber oder Forstbeamte muss in diesem Fall das Tier suchen und meist töten. Zum Aufspüren können auch speziell ausgebildete Fährtensuchhunde eingesetzt werden. Eine polizeiliche Strafe hat dabei niemand zu fürchten. Wer einen Wildunfall hingegen nicht meldet, der verstößt gegen das Tierschutzgesetz und kann bestraft werden. Mitgenommen und gegessen werden darf das tote Tier nicht. Das wäre Jagdwilderei – und auch nicht empfehlenswert, weil sich kein Jäger vorher das Tier lebendig angeschaut hat, um zu beurteilen, ob es gesund ist. „Besondere Vorsicht ist geboten, wenn ein einzelnes Reh oder Wildschwein die Straße überquert hat. Denn die Gefahr, dass ihm weitere folgen, ist groß“, betont der Kreisjägermeister.

„Um schädliche Überpopulationen zu vermeiden, müssen die Tiere gejagt und der Populationsstand auf den des Frühjahres zurückgeführt werden. Dabei muss mit Vernunft und Nachhaltigkeit gehandelt werden. Der heilige Hubertus hat es damals mit seiner Maßlosigkeit übertrieben,“ sagt Ziegler.

Der Überlieferung nach war Hubertus als junger Edelmann ein leidenschaftlich ausschweifender Jäger, der die Erlegung des Wildes als Selbstzweck sah. Als er an einem Feiertag auf die Jagd ging, erschien ihm ein Hirsch mit einem leuchtenden Kreuz zwischen dem Geweih. Dadurch erkannte Hubertus in allen Wesen Geschöpfe göttlichen Ursprungs und hat sich ihnen zugewandt.

Diese Grundhaltung der Achtung vor dem Geschöpf ging als Waidgerechtigkeit in die Verhaltensgrundsätze der Jägerschaft ein. Der Begriff bezeichnet Normen und Regeln, die für jeden Jäger oder Angler gelten. Sie umfasst unter anderem den Verzicht auf als grausam geltende Jagd- und Angelmethoden. Zu Ehren des heiligen Hubertus wird am Sonntag, 2. November, im Hamelner Münster ein ökumenischer Gottesdienst mit Jagdhornbläsern und herbstlicher Atmosphäre abgehalten.

Autofahrer sollten in der Dämmerung besonders vorsichtig sein: Beim Wechsel zwischen Futterplatz und Tagesrückzugsort queren Wildtiere die Fahrbahn.dpa



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