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Von der Kunst, richtig Tschüss zu sagen und warum Abschiede doof sind

Tschö mit ö

Da sitz ich nun und weiß noch nicht so richtig, was ich schreiben soll. Eine Kolumne, meine letzte für diese Zeitung, soll ja eigentlich witzig, mindestens unterhaltend sein oder wenn beides nicht klappt, wenigstens zum Nachdenken anregen. Mal gucken, ob ich zumindest eine dieser drei Kriterien erfüllen kann. Ich bin selber gespannt. Na, dann geht’s mal los.

veröffentlicht am 13.03.2021 um 12:00 Uhr

Jens-Thilo Nietsch

Autor

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Also, um ehrlich zu sein, kenne ich ja das Gefühl, das ich jetzt wieder habe. Ist das wirklich ein spannendes Thema, interessiert es irgendjemanden, dass darüber geschrieben wird? Schreibe ich witzig genug, unterhaltend genug, nachrichtlich genug, dem Anlass entsprechend?

Die Antworten darauf gibt ja bekanntlich der Leser, und ich muss sagen, mit den allermeisten Reaktionen auf mein Dahingeschriebenes bin ich wirklich zufrieden. Immerhin hatte ich nun ja auch zwei Jahre Zeit, zumindest ein kleines Gespür für das zu entwickeln, was den Leser so beschäftigt und bewegt.

Von diesem Gespür werde ich mit Sicherheit nicht Abschied nehmen, aber eben von jenen, denen das Gespür dienlich sein sollte: den Lesern. Was mich zu der Frage bringt, ob man eigentlich richtig Abschied nehmen kann. Sollte man überhaupt richtig Abschied nehmen?

An dieser Stelle verabschiede ich mich von dem Wort Abschied. Wahrscheinlich der einzig richtige Abschied. Von diesem Wort sollte man sich distanzieren, es nicht in den Mund nehmen, nicht mal daran denken. Es gibt andere Zeitpunkte im Leben, andere Situationen, in denen man dieses Wort gebrauchen kann, leider gebrauchen muss. Diese gehört, das hab ich jetzt beschlossen, nun wirklich nicht dazu.

Ich finde andere Wörter viel schöner. Wörter wie „Auf Wiedersehen“ und „Danke“. Erstere haben vor allem mit Zukunft zu tun, damit verbunden sind dann auch Wörter wie Zuversicht, Hoffnung und Beständigkeit. Dass man sich wiedersieht, wiederhört, nicht hier, aber an anderer Stelle. Ich finde, das sind doch schöne Aussichten.

Auch das Wort Danke hat was für sich. Ich finde sogar, es ist ein wunderschönes Wort. Man bedankt sich für etwas, das in der Vergangenheit liegt, für etwas Geleistetes, für etwas Schönes, für etwas, was einen erfreut hat, einen glücklich gemacht hat, mindestens zufrieden. Und das bin ich und werde es umso mehr, je länger ich an dieser Kolumne schreibe.

Mir fallen viele schöne Dinge und vor allem Momente ein, die ich bei der Dewezet erleben durfte. Viele Menschen durfte ich kennenlernen, über viele schöne Lebensgeschichten konnte und durfte ich berichten. Natürlich gibt es immer ein oder zwei Dinge, die man lieber nicht erlebt hätte, aber auch das gehört dazu. Das nennt man Leben. Im besten Falle lernt man daraus.

Aus der Vergangenheit etwas mit in die Zukunft zu nehmen. Und ich darf sagen, dass ich das nach zwei Jahren bei der Zeitung meiner Kindheit, Jugend und jetzt als Ü-Vierziger (auch über diesen geschichtsträchtigen Geburtstag durfte ich schreiben) geschafft habe. Gelerntes und Erlebtes mit in die Zeit zu nehmen, die noch vor mir liegt. Und weil mir die Wörter „Auf Wiedersehen“ und „Danke“ so gut gefallen, nehme ich auch die mit.

Und wenn ich sie miteinander verbinde, zeitlich einordne, also Vergangenheit und Zukunft zusammenbringe, dann lande ich im Hier und Jetzt. Meistens ist das der Ort, an dem man auch sein sollte. Und dieses „Jetzt“ ist dann auch gekommen, der Zeitpunkt ist da, die schönen Wörter zu gebrauchen.

Ich sage auf Wiedersehen und Danke. Ihr und euer Jens-Thilo Nietsch.



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