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Ein kleiner Stein erinnert an Liebe, Hass und Tod / Duell um eine schöne Frau

Tödlicher Schwertkampf unter Brüdern

Aerzen. Auf dem Grundstück des Autohauses Thielmann – direkt am Ortseingang von Aerzen – findet sich ein kreisrunder, stark verwitterter und nur 70 Zentimeter hoher Stein – er wird Wolfstein genannt. „Der Erzählung nach wurden zwei Brüder unter dem Wolfstein begraben, dessen Liebe zum selben Mädchen in tödlichem Hass endete“, weiß der Aerzener Fritz Meyer zu berichten und in der heimischen Märchen-, Sagen- und Legendenwelt hat sich folgende Geschichte von Generation zu Generation überliefert: Die Brüder Wolf liebten beide eine junge hübsche Magd. Weil es aber schon so lange her ist, kann sich niemand mehr an ihren Namen erinnern. Die Bruderliebe schlug in grenzenlosen Hass um und beide schworen den Tod des anderen. In einer stürmischen und sternenlosen Nacht begegneten sie sich an dem Platz, an dem ursprünglich der Wolfstein stand. Sie stürzten sich wütend aufeinander und zogen ihre Schwerter. Der neue Morgen offenbarte dann das ganze Ausmaß des Unglückes: Die Menschen liefen zusammen und sahen, dass ein Bruder dem anderen mit den Schwertern die Brust durchstoßen hatten. Noch an Ort und Stelle wurden sie begraben und liegen nun schon Jahrhunderte in einem Grab vereint. Deshalb heißt der kleine Stein, der zur Erinnerung und Mahnung gesetzt wurde, bis heute Wolfstein. Allerdings ist der Aerzener Ortseingang nicht der Ort des angeblichen Schwerterkampfes der beiden Brüder Wolf – und auch nicht ihre Grabstätte. Bereits mehrfach wechselte der runde Stein seinen Standort. Fand man ihn ursprünglich an einem Weg zwischen Aerzen und Selxen in der Nähe der alten Burg, so wurde er später unmittelbar an die heutige Bundesstraße 1 versetzt. Als diese im letzten Jahrhundert verbreitert wurde, musste der Gedenkstein wieder um einige Meter wandern.

veröffentlicht am 13.04.2012 um 06:00 Uhr

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Anfang der 1970er-Jahre holte Klaus Thielmann den Stein aus dem nahen Straßengraben und stellte ihn auf einer freien Grasfläche vor seiner Tankstelle „Am Wolfstein“ auf. 1973 habe der Aerzener Heimat- und Verschönerungsverein dann eine kleine Infotafel am Fuß des Sockels aufgestellt“, erzählt er.

Seine stählerne Einfassung büßte der Wolfstein während des Zweiten Weltkrieges ein. Heute flankieren Dutzende von Stahlkarossen, die auf dem Gelände des Autohauses auf einen neuen Besitzer warten, den sagenumwobenen Stein. Die Überreste des Staketenzauns sind noch deutlich auf der steinernen Umrandung, die den Stein auf seinen Stationen stets begleitet hat, zu erkennen – anders als die Inschrift des Steines. Lediglich das Kreuz mit der Christusfigur sowie ein Betender sind schemenhaft neben dem teilweise völlig verwitterten gotischen Schriftzug „Anno do… M“ erhalten. Der Sage nach wurde den Brüdern ein christliches Begräbnis verweigert – und so soll mancher später ein seltsames Licht vom Wolfstein aus über den Weg bis an die Kirchhofmauer, wo damals die Toten bestattet wurden, hin- und zurücklaufen sehen haben. Mit der mehrfachen Versetzung des Gedenksteins ist dieser Weg heute deutlich kürzer geworden, denn der Aerzener Friedhof befindet sich mittlerweile schräg gegenüber dem Wolfstein.

Kreisrund, verwittert und nur 70 Zentimeter hoch – der Wolfstein steht heute neben der Bundesstraße 1 am Ortseingang von Aerzen.

Foto: sbr



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