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Das sind die sieben Handy-Sünden

Stil-Guide für das Smartphone

Hameln. Das Smartphone genießt quasi kultische Verehrung, kein Lebensbereich, in dem es nicht eine Rolle spielt: Wir machen Fotos, schauen Videos, sind permanent online und immer verfügbar. Wir kaufen, spielen, simsen, ziehen, wischen und drücken, überbrücken Gesprächspausen mit Facebook-Einträgen und daddeln beim Fernsehen oder an der Bushaltestelle. Kurz, das Smartphone wird zur Hostie einer durchtechnisierten Welt. Klar, das man sich da auch falsch verhalten kann. Ein ironischer Blick auf die sieben Smartphone-Sünden:

veröffentlicht am 30.05.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:50 Uhr

Tomas Krause

Autor

Projektleiter digitale Transformation / Schwerpunkt Redaktion zur Autorenseite

Hochmut:

Das Festnetz ist out. Rufen doch eh nur Mutter oder nervige Callcenter-Mitarbeiter drauf an. Telefonnummer auswendig lernen, nein danke! Nummer aufschreiben, uncool! Heute teilt man sein Facebook-Profil oder kommuniziert über Whatsapp. Immerhin war die Ära-Festnetz deutlich sicherer, man lief nicht Gefahr, beim starren Blick auf das Display vom Fahrradkurier angefahren zu werden.

Geiz:

Schöne bunte Warenwelt. Viele probieren Klamotten im Laden oder testen die Wunsch-Waschmaschine im Geschäft auf Herz und Nieren, gekauft wird aber im Internet. Shoping-Apps machen den Preisvergleich spielend einfach, dem Einzelhändler um die Ecke bereiten sie Kopfschmerzen. Macht das Schule, dann werden die Innenstädte ruckizucki zu Potemkinschen Dörfern. In dieser Kulisse macht dann auch Eisessen im Straßencafé keinen Spaß mehr.

Wolllust:

Früher gab es das Klischee vom Japaner, der seinen Europa-Trip nur durch die Kamera wahrnimmt und das Gesehene erst zu Hause mit Fotos und Filmen „erlebt“. Heute ist das ein Massenphänomen. Es scheint: Was nicht aufgenommen wurde, hat auch nicht stattgefunden. Bei Konzerten hat niemand mehr die Hände zum Klatschen frei, überall blickt man in leuchtende Displays statt den Künstler zu sehen. Frisch auf der Entbindungsstation existiert das neugeborene Kind erst durch den Fotobeweis.

Zorn:

Wer das Handy wichtiger nimmt als sein Gegenüber, der erzeugt Zorn. Nichts ist unhöflicher, als im Gespräch aufs Telefon zu starren, um zu signalisieren, dass man mit den Gedanken ganz woanders ist. Schuld ist die Vergrößerung der Welt, die Angst, irgendetwas verpassen zu können. Denn die Technik erlaubt es, viel mehr parallele Ereignisse mitzubekommen. Überhaupt scheint Sprechen an Relevanz zu verlieren, in Bars und Kneipen sieht man immer mehr Gruppen, die lieber auf ihrem Handy klimpern als miteinander ins Gespräch vertieft.

Völlerei:

Einfach mal innehalten, den Moment genießen, abschalten, tief durchatmen – das ist nicht mehr drin. Auf dem Stepper im Fitness-Studio werden die Nachrichten des Tages gelesen, im Bus dröhnt Musik aus dem Handy. Maßlos wird jede kostenlose App aus dem Store geladen. Viele bekommen den Hals nicht voll von Computerspielen, Chats oder Telefonaten, die viel zu laut geführt werden und dem Nachbarn am Tisch das Essen verderben. Maßlos ist auch die Art, mit der in sozialen Netzwerken kommentiert wird – leider oft unüberlegt oder fies. Hauptsache, niemals die Finger stillhalten.

Neid:

Schöne Urlaubsfotos auf der Facebook-Pinwand eines Freundes, die Nachricht über einen Karrieresprung – positive Nachrichten von „Freunden“ in sozialen Netzwerken verstärken laut einer Untersuchung der Humboldt-Universität Berlin das Gefühl des Nicht-Gönnen-Könnes. Um das negative Gefühl zu kompensieren, reagieren User mit eigenen Erfolgsgeschichten – so dreht sich die „Neidspirale“ immer weiter.

Trägheit:

Sich etwas merken oder auswendig lernen zu müssen ist überflüssig geworden. Das schont zwar die Nerven, kommt der Gedächtnisleistung aber nicht entgegen. Wissen wir etwas nicht, wird einfach gegoogelt. Ähnlich ergeht es dem Orientierungssinn: Heute kann man ohne vorherige Planung einfach losfahren. Routenplaner, Navi und Stadtpläne stecken digital in der Hosentaschen. Verabredungen sind nur noch bedingt verlässlich. Die eigene Verpeiltheit ist mit einer kurzen SMS legitimiert: „Sorry, ist gerade was dazwischen gekommen. Vielleicht morgen oder so?“



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