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Dreieinhalb Jahre nach Bahnhofsverkauf: Verein will Tunnel sperren lassen

Statt Tunnel ebenerdig zum Bahnsteig

Rinteln (dil). Der Rintelner Bahnhof ist seit Jahren kein Aushängeschild mehr. Das stört auch den Verschönerungsverein Rinteln (VVR), doch bevor man sich an Verbesserungen machen kann, müssen erst geeignete Ansprechpartner her. Und Kenntnisse, wie viele Gleise eigentlich benötigt werden.

veröffentlicht am 30.03.2011 um 00:00 Uhr

Dass die Deutsche Bahn erwägt, wieder zweispurigen Verkehr einzurichten, um Güterzüge durchs Wesertal und damit Wohngebiete rollen zu lassen, ist bekannt. In Hameln wurde sogar schon eine Bürgerinitiative dagegen gegründet.

In Rinteln ist aber seit Kurzem offenbar wieder das zweite Gleis in Benutzung, hat Marion Steding, stellvertretende Vorsitzende des VVR, festgestellt. „Neulich stand dort ein Zug, und der Rost auf der Gleisoberfläche ist abgerieben.“ Normalerweise hält die Eurobahn nur auf der nördlichen Bahnsteigseite.

Der VVR hatte sich Gedanken darüber gemacht, wie der stinkende, mit Sprühfarbe verunstaltete Tunnel überflüssig werden könnte. Im April 1910 eröffnet, ist er nach 100 Jahren nur noch ein Schandfleck, ohne den man aber nicht zum Bahngleis kommt. Das Gleis auf der Bahnhofsseite ist nämlich stillgelegt, eine Wiederinbetriebnahme scheitert offenbar an Weichenproblemen.

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„Deshalb haben wir im Gespräch mit Bürgermeister Karl-Heinz Buchholz vorgeschlagen, eine zwei Meter breite Metallkonstruktion über die ersten beiden Gleise zu legen, um zum Bahnsteig Nord kommen“, sagt Steding. „Man könnte dafür einen Pachtvertrag über zunächst fünf Jahre mit der Bahn schließen, die andererseits den Tunnel sperren müsste, den sie sonst hin und wieder pflegen muss.“ Der VVR würde zunächst die Bahn anschreiben, bei Ablehnung notfalls eine Unterschriftensammlung nachschieben, wie sie kürzlich in einem Leserbrief von Ehrenbürgermeister Friedrich-Wilhelm Hoppe angeregt worden war.

Nun fragt sich Steding allerdings, ob die Bahn fünf Jahre auf ihr zweites Gleis verzichtet, wo sie doch Güterverkehr ins Wesertal bringen will oder zumindest den Widerstand dagegen abwartet.

Aus Kreisen von Bahnhofsanwohnern wird der Verdacht geäußert, dass der Bahnhof selbst auch wieder zum Verkauf steht. 2007 hatte die Luxemburger Firma Patron S.a.r.l. die Immobilie im Paket mit vielen anderen Bahnobjekten erworben. „Solche Firmen versuchen mit dem Weiterverkauf in Einzelteilen aus dem Paket Profit zu machen“, meint dazu Bürgermeister Buchholz.

Für die Stadt habe der Kauf keinen Sinn mehr: „Sonst hätten wir schon früher direkt von der Bahn gekauft, als sie ihn uns angeboten hat.“ Der 1978 gebaute Bahnhof war 1998 von der Deutschen Bahn an ihr Tochterunternehmen DB Station & Service AG übergeben worden.

Auf Anfragen unserer Zeitung bei der Firma Patron wurden von dort Presseauskünfte grundsätzlich verweigert.

Man kann sich aber an fünf Fingern abzählen, dass der Wert der Immobilie Bahnhof sinkt, wenn dort erst Güterzüge vorbeirattern.

Am 21. Januar 2010 berichtet unsere Zeitung über den Zustand des Rintelner Bahnhofs – und über die Schwierigkeit, Klarheit über die Besitzverhältnisse zu bekommen.



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