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So sehen die Musikarchive Hamelner Schüler heute aus

„Soll ich dir mal meine Plattensammlung zeigen?“

Hameln. Früher füllten umfassende Musikbibliotheken ganze Räume. Die penibel sortierten Schallplatten oder CDs wurden abgestaubt, ab und an gehört und nur im Notfall an Freunde verliehen. Seitdem aber das hochkomprimierte MP3-Format Ende der 1990er Jahre seinen Siegeszug begann, haben Räume voller Alben Seltenheitswert. Eine Musikbibliothek mit Zigtausenden von Titeln passt heute auf einen großen USB-Stick oder auf jede Festplatte eines herkömmlichen Laptops. Aber: Braucht man diese Masse an Daten heute überhaupt noch?

veröffentlicht am 11.04.2013 um 06:00 Uhr

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Seit gut zwei Jahren nimmt die Zahl der Musikdienste im Internet stark zu. Gegen eine überschaubare monatliche Gebühr oder gar kostenlos mit zwischengeschalteter Werbung hat der Nutzer Zugriff auf mehrere Millionen gestreamter Titel. Die Webseite Spotify wirbt damit, dass Abonnenten Zugriff auf 18 Millionen Songs haben, der deutsche Anbieter simfy wartet mit ähnlichen Zahlen auf. Für zehn Euro im Monat gibt es außerdem eine Downloadfunktion fürs Handy, um die Datenkosten gering zu halten. Etwas weniger beliebt ist Napster, das Ende der 1990er Jahre als illegale Tauschbörse sehr beliebt war, sich heute aber innerhalb der Grenzen des Urheberrechts bewegt. Diese riesige Auswahl übertrifft jedes Privatarchiv und eröffnet Nutzern ganz neue Möglichkeiten, sich diversen Musikgenres zu nähren. Einziger Schwachpunkt der neuen Technik: Die Musikdateien können nicht, wie bei Mp3s, getauscht, kopiert oder fürs Auto auf CD gebrannt werden.

Wie wird in Hameln Musik gehört? Wir haben uns auf dem Schulhof des Albert-Einstein-Gymnasiums umgehört: Die allermeisten der Schüler nutzen Spotify, viele iPhone-Nutzer greifen auf iTunes-MP3s zurück. Ob alle Tracks allerdings legal erworben wurden, ist fraglich. „Gut zwei Drittel meiner Freunde nutzen ganz legal Spotify“, sagt ein 15-Jähriger. Ähnlich sieht es auch die 16-jährige Than Thuy Le: „In letzter Zeit hören viele Spotify. Normales Radio wird eigentlich kaum noch gehört, außer man sitzt im Auto.“ Auch wer ein iPhone habe, nutze vermehrt die Abo-dienste Spotify oder Simfy. Normale MP3-Player gebe es kaum noch unter den Jugendlichen, das Smartphone ist auf dem Vormarsch.

Geht es bei den Bezahldiensten eigentlich legal zu? Ja, sagen Betreiber und Kontrollorgane. Für jeden bereitgestellten Titel gibt es einen Vertrag mit der Plattenfirma, die den Song verlegt. Je nach Zahl der Klicks werden Plattenfirma und Künstler von den Betreibern der Musikdienste dann entlohnt.

Alle Dienste bieten kostenlose Probeabos. Ein Blick in die Tiefen der Archive ist lohnenswert, da sich dort auch viele Nischenkünstler finden lassen, die anderswo nicht auffindbar sind. Die Portale bieten auch die Möglichkeit, Playlisten zu erstellen oder einen Radiosender aus den privaten Lieblingskünstlern zu erstellen.

Der Zugang zu Millionen von Titeln kann zwar sicherlich beeindrucken, aber kann er den Anblick eines liebevoll gepflegten Archivs analoger Platten übertreffen? Wir glauben: eher nicht.



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