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Nazi-Verdacht: Dichter Sohnrey nicht mehr Pate / Was ist mit Straße in Rinteln?

Schule trägt bereits neuen Namen

Rinteln/Göttingen (ll). Die Debatte um den Dichter und Sozialreformer Heinrich Sohnrey zieht seine Kreise. Wie unsere Zeitung am 12. November berichtete, sei Sohnrey ein Wegbereiter des Nationalsozialismus gewesen. Zahlreiche Straßen sind nach dem Dichter benannt worden, unter anderem in der Rintelner Nordstadt, sogar eine Schule im südniedersächsischen Hannoversch Münden.

veröffentlicht am 07.12.2011 um 00:00 Uhr

Im Zuge der Diskussionen hat der Landkreis Göttingen, zu dem die Stadt Hannoversch Münden gehört, nun die Reißleine gezogen. Der Schulausschuss des Göttinger Kreistags hat beschlossen, den Namen Sohnrey-Realschule aufzuheben. Das Gremium war der Auffassung, die Verstrickungen des Dichters mit dem Nationalsozialismus könne kein Vorbild für junge Leute in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft sein. Der Schulausschuss folgte mit dem Beschluss Anträgen eines Hannoversch Mündener Einwohners sowie der Schule selbst.

Der Göttinger Literaturwissenschaftler Prof. Frank Möbus hatte zudem eine Quellenanalyse Sohnreys Werke angestellt. Darin kommt der Professor zu dem Ergebnis: „Sohnrey war schon deutlich vor 1933 überzeugter Nationalsozialist.“ Dem Einwand der Unterstützer – etwa der Heinrich-Sohnrey-Gesellschaft in Jühnde bei Göttingen – widerspricht der Literaturwissenschaftler damit. In einer Erklärung der Sohnrey-Gesellschaft heißt es, „ ein Christ, national denkender Kaisertreuer und seine Landbevölkerung liebender Heinrich Sohnrey ist nicht automatisch ein Nazi“. Wie berichtet, hat die Universität Göttingen die Aberkennung Sohnreys Ehrenbürgertitel an der Universität geprüft. Dem Verdacht, im Jahr 1934 einem Vordenker Hitlers diese Würde anerkannt zu haben, ginge man auch weiter nach, bestätigte ein Universitätssprecher auf Anfrage. Am Seminar für Neuere und Mittlere Geschichte finden derzeit umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen zum Thema statt. Unter anderem werden alte Senatsprotokolle geprüft, um festzustellen, ob die Vergangenheit Heinrich Sohnreys bereits in dem obersten Universitätsgremium thematisiert wurde. Eine endgültige Entscheidung zur Aberkennung des Titels steht noch aus. Indes hat die Stadt Springe bereits die mögliche Umbenennung des dortigen Sohnreywegs auf die politische Tagesordnung gesetzt. Der Springer Ortsrat wird sich demnächst mit dieser Frage befassen. Für Rintelns Ortsbürgermeister Friedrich-Wilhelm Rauch ist diese Frage ebenfalls noch nicht vom Tisch. „Wir werden das noch einmal aufgreifen“, sagte er. In jedem Fall wird dies nicht mehr in diesem Jahr geschehen, die nächste Sitzung des Ortsrates ist Anfang des nächsten Jahres geplant. Problematisch sieht Rauch aber die Folgen einer Straßenumbenennung, insbesondere für Anwohner. „Den Willen der Anwohner müssen wir dabei berücksichtigen“, so der Ortsbürgermeister. Die Realschule in Hannoversch Münden, die bis Ende November noch den Namen „Sohnrey-Realschule“ getragen hat, heißt jetzt ganz offiziell, schmuck- und namenlos „Realschule II“. Ob und wann die Realschule einen neuen Namen erhält, steht noch nicht fest.

Am 12. November berichtete unsere Zeitung über die Studie zu Heinrich Sohnreys NS-Vergangenheit.



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