weather-image
15°
×

Zwei Monate nach schwerem Unfall ist gepanzertes Fundtier weiter in Wildtierstation

Schildkröte verschläft lange Wartezeit

Coppenbrügge/Sachsenhagen (ch). Operation gelungen, Patient schläft die nächsten Monate – was sich nach einem Euphemismus für das baldige Ende anhört, ist äußerst lebendige tierische Realität: Die Cumberland-Schildkröte, die vor zwei Monaten in Coppenbrügge gefunden wurde, hat sich nach ihrer Krallenamputation erst einmal in den Winterschlaf verabschiedet.

veröffentlicht am 07.11.2012 um 06:00 Uhr

Anfang September war die Wasserschildkröte in der Ortsmitte von Coppenbrügge gefunden worden, nachdem sie ganz offensichtlich eine aufregende und schwere Zeit hinter sich hatte. Was zunächst wie ein schmuckes rotes Band um den Hals des kleinen Reptils aussah, entpuppte sich als Blutspur. Ein Stück des Panzers war herausgebrochen, die Weichteile freigelegt. Gut einen halben Eierbecher voll Blut verlor das verletzte Tier auf der Fahrt im Plastikbeutel mit ihren Rettern in die nächste Tierarztpraxis und, nachdem ihnen dort nicht geholfen werden konnte, bis in die Tierärztliche Hochschule nach Hannover. Doch sie überlebte. In der Klinik wurde ihr eine Kralle amputiert, der Panzer mittels Knochenwachs und Zweikomponentenkleber wiederhergestellt. Und danach ging es erst einmal zur Erholung in die Reha in die Wildtier- und Artenschutzstation Sachsenhagen.

Dort hat sie sich sehr gut erholt, selbst die Kralle mache ihr keine Probleme mehr, sagt Petra Windheim von der Wildtierstation. Doch ihr Besitzer hat sich trotz langen Wartens noch nicht gefunden. Um sich die lange Wartezeit zu verkürzen, ist die Cumberland-Schildkröte mit der Nummer 1738/12 erst einmal in den Winterschlaf gefallen. Gemeinsam mit rund 40 weiteren Wasserschildkröten, die in diesem oder in den vergangenen Jahren hier abgegeben wurden, genießt sie so die Zeit bis Februar, März und hofft, danach vielleicht wieder nach Hause geholt zu werden. „Wir beobachten ganz genau, ob es ihr auch gut geht“, verspricht Windheim. Der Besitzer könne sich jederzeit gerne bei der Wildtierstation melden. Wenn sich niemand meldet, können die Fundtiere auch privat abgegeben werden. Dann würden sie sich jedoch ganz genau versichern, dass der Zaun um den Teich bei den neuen Besitzern auch hoch genug sei. „Es nützt uns schließlich nichts, wenn die Tiere nach vier Wochen wieder da sind.“ Die handtellergroßen Schildkröten sind so sportlich, dass sie sogar einen Maschendrahtzaun von einem halben Meter überwinden können.

Wer sich nach der Coppenbrügger Cumberland-Schildkröte oder einem anderen Fundtier erkundigen möchte, kann sich unter 05725/708730 oder per Mail unter info@wildtierstation.de melden.

Der Artikel über die Cumberland-Schildkröte erschien am 19. Oktober. Damals war die Schildkröte noch guter Dinge, ihren Besitzer bald wiederzufinden.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige