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Arbeitnehmer aus EU-Krisenländern suchen meist in Ballungszentren Jobs

Schaumburg nicht das Ziel

Landkreis. Arbeitslosenquoten von weit mehr als 20 Prozent, eine Welle von Firmenpleiten, mangelnde Perspektiven – viele Spanier, Portugiesen, Griechen und andere Betroffene aus den Krisenländern der EU sehen in einer Auswanderung die einzige Chance, wieder in Lohn und Brot zu kommen. Auf deutscher Seite werben darüber hinaus Landkreise, Städte und Handelskammern um die meist jungen Menschen, um dem viel zitierten Fachkräftemangel zu begegnen. In Schaumburg und dem Weserbergland ist von einem verstärkten Zuzug von jungen Erwachsenen aus den EU-Krisenländern aber nichts zu merken.

veröffentlicht am 20.04.2013 um 00:00 Uhr

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„Es gibt keine signifikanten Veränderungen gegenüber den üblichen Zahlen der Initiativbewerbungen“, sagt Dieter Mefus, Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Unternehmen im Weserbergland, obwohl dieses Thema bereits bei einigen Diskussionen zur Sprache gekommen sei. Mefus sieht in der Anwerbung südeuropäischer Arbeitskräfte indes nicht nur Vorteile für Unternehmen. So müsse sichergestellt werden, dass die potenziellen Arbeitnehmer über entsprechende Qualifikationen verfügen, zudem können unter Umständen auch die Sprachbarriere und das Heimweh zum Problem werden. Darüber hinaus gebe es selbst für ungelernte Arbeitnehmer einen ausreichend großen Pool beim Jobcenter.

Fritz Pape, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Schaumburg, hat ebenfalls keine verstärkte Zuwanderung von Arbeitssuchenden aus den Krisenländern feststellen können. „Bisher hat es im Bauhauptgewerbe noch keine Dynamik gegeben“, führt Pape unter Verweis auf den lang anhaltenden Winter aus. „Vor zwei Jahren war die Diskussion um die Arbeitnehmerfreizügigkeit ein großes Thema“, ergänzt Pape. Die damaligen Befürchtungen seien allerdings nicht eingetreten. Auch im Bereich der Industrie- und Handelskammer hat es nach Angaben von Martin Wrede, dem Leiter der Geschäftsstelle in Stadthagen, keine bemerkbaren Veränderungen gegeben. Ebenso wenig haben die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit in Schaumburg nach Angaben von Cornelia Kurth „auffällige Tendenzen“ wahrgenommen. Die Leiterin der Geschäftsstelle in Stadthagen geht allerdings auch davon aus, dass sich die Arbeitnehmer aus den Krisenländern auf die Ballungsräume konzentrieren. Als Gründe führt sie die bessere Infrastruktur und die größeren Jobchancen aufgrund der Unternehmensvielfalt an.

„Der Zustrom wird zunehmen, insbesondere bei jüngeren Menschen“, ist sich hingegen Steffen Holz vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) sicher. Dies werde in den kommenden Jahren auch auf das Thema Ausbildung Einfluss nehmen. So gebe es Institutionen, die Informationsveranstaltungen organisieren, um zahlreiche potenzielle Arbeitnehmer aus den Krisenländern anzuwerben. Laut Holz werden dabei der demografische Wandel und ein Mangel an Qualifikation bei deutschen Lehrstellenbewerbern angeführt. Für den Gewerkschafter sind diese Argumente jedoch äußerst fadenscheinig. „Wir als DGB sind aber grundsätzlich für die Freizügigkeit von Arbeitnehmern.“

Zudem sieht er die Gefahr, dass heimische Unternehmen auf Facharbeiter aus den Krisenländern zurückgreifen, statt den Nachwuchs selber auszubilden und dabei auch noch Löhne und Gehälter der Zuwanderer drücken. „Es muss aufmerksam beobachtet werden, ob tatsächliche Lücken gefüllt werden, oder die Arbeitnehmer als preiswerte Möglichkeit genutzt werden, die eigenen Ausbildungsplatzzahlen herunterzudrücken.“

Darüber hinaus sieht Holz auch Anzeichen dafür, dass in Deutschland „die Krise fühlbar wird“. Komme es zum offenen Ausbruch, besteht laut Holz die Gefahr, dass sich alle bisherigen Rettungsmaßnahmen als unwirksam erweisen, sich die Situation in Deutschland weiter verschärft und es gar zu gesellschaftlichen Verwerfungen kommt.



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