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Sowjet-Oberst wird als Doppelagent enttarnt / Mata Hari – eine exotische Spionin

Russlands Rache an einem Maulwurf

Die Zahlen sind bestens dokumentiert: In der Zeit vom 9. August 1961, 8 Uhr, bis 10. August 1961, 8 Uhr, werden im Flüchtlingslager Berlin-Marienfelde fast 2000 Flüchtlinge registriert. In der DDR verstärken Volks- und Transportpolizei ihre Kontrollen in den S- und U-Bahn-Zügen nach West-Berlin und nehmen zahlreiche Fluchtverdächtige fest.

veröffentlicht am 22.10.2012 um 00:00 Uhr

In Moskau erhält Oberst Oleg Penkowskij, Offizier in der Hauptverwaltung für Aufklärung des sowjetischen militärischen Geheimdienstes (GRU) im Generalstab der Sowjetarmee, Kenntnis von der bevorstehenden „Errichtung der Grenzkontrolle“ in Berlin, wie Chruschtschow sich ausdrückt und was wenige Tage als Mauer ein ganzes Volk in Geiselhaft nehmen wird.

Der Westen hat einen Spion im Kreml: Es ist jener Oberst Oleg Penkowskij, der zugleich für amerikanische und britische Geheimdienste arbeitet. Doch seine Informationen kann er erst zehn Tage nach Beginn der Abriegelungsaktion weitergeben, da er über keine Möglichkeiten verfügt, seinen westlichen Führungsoffizieren aktuelle Informationen sofort zu übermitteln. Wenige Wochen später, im Oktober 1962, wird Penkowskij enttarnt und in Moskau nach einem der berüchtigten Schauprozesse hingerichtet. Seine Leiche wird nicht der Familie übergeben, sondern eingeäschert; die Asche wird in einem Massengrab verscharrt.

Und seitdem versucht die Fachwelt vergeblich einzuschätzen, welche Rolle der Maulwurf im Kreml rückblickend spielte. Am 8. April 1993 versuchte sich die Frankfurter Allgemeine Zeitung an einem Urteil über Penkowskij: „Und wenn der ‚Selbstanbieter‘ und Oberst des sowjetischen militärischen Geheimdienstes GRU (...) auch nicht die Welt vor einem Atomkrieg gerettet hat, er hat ohne Zweifel wesentlich dazu beigetragen, dass insbesondere die Vereinigten Staaten zu einer realistischeren Einschätzung sowjetischer Absichten und Möglichkeiten in der Lage waren, vor allem während der Berlin-Krise (1961) und der Kuba-Krise (1962). Dass heute der Name von Oleg Penkowskij fast vergessen ist, liegt auch in der Natur der Sache: Normalerweise arbeiten Spione im Geheimen und setzen eben alles daran, ihre Tarnung aufrechtzuerhalten. Nur in Ausnahmefällen werden sie zu Berühmtheiten.

Mata Hari etwa, eine exotische Nackttänzerin mit Geldproblemen, die für den deutschen und den französischen Geheimdienst arbeitete; oder der Brite Thomas E. Lawrence, der zu Beginn des Ersten Weltkriegs vom britischen Geheimdienst angeheuert wurde. Als Lawrence von Arabien wurde er zur unsterblichen Legende. Oder Klaus Fuchs, der Atomspion, der die Sowjetunion mit geheimen Informationen über die Atompläne der Amerikaner und Engländer versorgte. Und nicht zuletzt Günter Guillaume, der mit seiner Spionagetätigkeit in die Weltpolitik eingriff: Er wurde der Stolperstein für den deutschen Bundeskanzler Willy Brandt, der wegen Guillaume 1974 von seinem Amt zurücktrat.

Und heute? Im Verfassungsschutzbericht 2010 des Bundes heißt es: „Hauptträger der Spionageaktivitäten gegen Deutschland sind derzeit die Russische Föderation und die Volksrepublik China.“ rnk

Sie arbeitete als Nackttänzerin und war gleichzeitig Agentin des deutschen und französischen Geheimdienstes: Mata Hari. Sie wurde im Oktober 1917 hingerichtet.



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