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Kleine Rätsel Schaumburgs: Dietrich von Rintelns Grabplatte in der Kreuzkirche

Rintelner 1321 in Hannover begraben

Hannover/Rinteln (lsb/jaj). Lockiges, kinnlanges Haar, ein langes Gewand und ein Wappen vor der Brust – so ist Dietrich von Rinteln auf seiner Grabplatte in der hannoverschen Kreuzkirche abgebildet. Dietrich von Rinteln? Da stellt sich die Frage, ob der werte Herr etwas mit der Weserstadt zu tun hatte; ob er nicht sogar von hier stammt.

veröffentlicht am 04.06.2011 um 00:00 Uhr

„Ich gehe davon aus, dass Dietrich von Rinteln ursprünglich aus Rinteln stammt und irgendwann nach Hannover gezogen ist“, sagt die Kirchenpädagogin Marion Wrede, die Führungen für den Stadtkirchenverband Hannover anbietet. Im 14. Jahrhundert hätten die Menschen noch keine Nachnamen gehabt, wie wir sie heute kennen. Da es jedoch mehrere Menschen mit dem Namen Dietrich in Hannover gegeben haben dürfte, wurden sie mit Beinamen auseinandergehalten. „Der Dietrich von Rinteln war also der Dietrich, der aus Rinteln stammt.“

Im Jahr 1308 wird Dietrich von Rinteln zum ersten Mal in hannoverschen Urkunden erwähnt. Zu dieser Zeit saß er gemeinsam mit seinem Bruder Hermann im Stadtrat. 1309 beschloss der Rat, dass ein Vater und sein Sohn oder zwei Brüder nicht gleichzeitig als Ratsherren fungieren dürfen. Damit sollte verhindert werden, dass die Macht einzelner Geschlechter zu groß wird. Als Folge dieses Beschlusses zog sich Hermann von Rinteln aus der Stadtpolitik zurück; sein Bruder Dietrich gehörte dem Rat jedoch auch in der Folgezeit an.

Die Grabplatte des mutmaßlichen Rintelners ist die älteste erhaltene Grabplatte in ganz Hannover. „Ursprünglich stammt sie aus der Minoritenklosterkirche“, erklärt Wrede. „Dort muss von Rinteln 1321 beerdigt worden sein.“

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…ist die Grabplatte heute zu finden. Fotos: Tim Schredder/pr.

Viele Jahrhunderte hatte die Platte ihren Platz in der Klosterkirche, die an dem Platz stand, an dem heute das Leineschloss und damit der Sitz des Landtags zu finden ist. Als 1637 die Entscheidung fiel, das Kloster zum Leineschloss umzubauen, wurde die Klosterkirche als Schlosskirche mit einbezogen und mit ihr auch die Grabplatte. Sie war außerhalb des Eingangs eingemauert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Kirche stark beschädigt. Die Gemeinde entschloss sich, die Kirche nicht wieder aufzubauen, und die Gottesdienste in der Kreuzkirche abzuhalten. Die Grabplatte des Dietrich von Rinteln, die den Krieg unbeschadet überstanden hatte und im Schutt der alten Schlosskirche gefunden worden war, nahmen sie mit. So kam die Platte schließlich an ihren Platz in der Kreuzkirche, an dem sie heute zu sehen ist.

Im Mittelfeld der Grabplatte ist von Rinteln in Ritzzeichnung dargestellt. Die eingehauene lateinische Inschrift läuft zwischen zwei Linien um den Stein, die Buchstaben sind mit roter Farbe ausgemalt: „Im Jahr des Herrn 1321 starb Dietrich von Rinteln am Tag der Stuhlfeier des Apostels Petrus. Betet für ihn.“ Auffällig ist, dass es sich bei der Schrift um besonders sorgfältig ausgeführte gotische Majuskel, sprich Großbuchstaben, handelt. Eckige und runde Buchstabenformen treten im Wechsel auf. In der Hand hält Dietrich ein Wappen, das einen mit drei Rosen belegten Pfahl zeigt.

Nachfahren von Rintelns sind heute über Deutschland hinaus zu finden: Vor wenigen Wochen meldete sich eine Frau von Renteln aus Finnland bei Marion Wrede. Sie bat um Informationen über Dietrich von Rinteln, da ihr Sohn in der Schule Ahnenforschung betreibe.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie uns an unter (0 57 51) 40 00 - 5 26.



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