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Probleme nicht nur bei Migranten

Immer mehr Kinder haben sprachliche Defizite

veröffentlicht am 15.05.2013 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:57 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Landkreis. Es gibt kaum einen Politiker, der dazu noch kein Statement abgegeben hat. Und kaum einen Stammtisch, der darüber nicht schon debattiert hat. Die Deutschkenntnisse von Migrantenkindern sind seit Jahren Thema. Gestern berichtete unsere Zeitung, dass sich nun eine neue Expertenkommission in Saarbrücken mit dem Thema beschäftigt. Doch wie sieht die Situation in Schaumburgs Kindergärten wirklich aus?

Michaela Rothert, Leiterin der Kindertagesstätte Klabauternest in Rinteln, betont, dass in etwa gleich viele Kinder mit wie auch ohne Migrationshintergrund Frühförderbedarf bei der Sprache haben. „Früher war es vielleicht so, dass das ein Problem der Migranten war“, sagt sie, „heute hat sich das Problem aber ausgebreitet“.

Denn die Eltern reden oft einfach zu wenig mit ihren Kindern, erklären die Pädagogen einhellig. Wenn die abendliche Gute-Nacht-Geschichte in vielen Familien nicht mehr zum Alltag gehört, dann läuft etwas schief, ist sich Katherina Augarth, Jugenddezernentin des Landkreises Schaumburg, sicher. Auch Michaela Rothert sieht hier ein Problem: „Viele Kinder kennen von zu Hause nicht einmal mehr die klassischen Kinderlieder, wie zum Beispiel Hoppe-Hoppe-Reiter.“

Dafür gibt es vielfältige Gründe, erklärt Monika Schaper, Leiterin der Kindertagesstätte Zum Gänseblümchen in Engern. Eltern hätten wegen doppelter Berufstätigkeit immer öfter keine Zeit. Viele wüssten auch nicht mehr wirklich, was sie mit ihren Kindern machen sollten. Und die Großeltern, die früher oft eine Betreuungsfunktion übernommen hatten, seien heute viel seltener involviert. Viel zu oft würden Kinder jetzt einfach vor dem Fernseher geparkt.

Doch nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht. Migranten, die mit ihren Kindern so früh wie möglich Deutsch sprechen, tun ihnen damit nicht immer einen Gefallen, erklärt Rothert. Denn wer selbst nur gebrochenes Deutsch spricht, gibt dieses auch falsch an seine Kinder weiter. „Da sollte zu Hause dann lieber die Muttersprache gesprochen werden“, betont sie, „dann tun wir uns leichter, ihnen später korrektes Deutsch beizubringen.“

Denn gute Deutschkenntnisse sind spätestens ab der Grundschule unerlässlich. Wer von Anfang an wegen Sprachschwierigkeiten dem Unterricht kaum folgen kann, der fällt jedes Jahr weiter zurück, sagt Rothert. Deswegen müsse jedes Kind in Niedersachsen vor seiner Einschulung einen Sprachtest absolvieren. Kinder, die dabei Defizite aufweisen, würden dann speziell gefördert, um sie fit für die Schule zu machen. Doch Rothert findet, dass dieser Sprachtest etwas früher ansetzen könnte. Denn Frühförderung braucht Zeit. Und je früher auf Probleme individuell eingegangen werden kann, desto erfolgversprechender sei sie auch. Denn im Kindergartenalltag sei für Einzelbetreuung meist einfach zu wenig Zeit.

Die Frühförderprogramme der Stadt und des Kreises sind sehr wichtig, betont Rothert. Doch eine zusätzliche Kollegin, die sich in Kleinstgruppen förderbedürftigen Kindern widmen könnte, wäre Gold wert. Denn, und da waren sich alle einig, Geld, das früh in die Kinder investiert wird, macht sich am Ende mehr als bezahlt.



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