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Der Sage nach hat ein zorniger Riese den Schaumburg-Standort geschaffen

Ohne „Riesenwut“ kein Nesselberg

Landkreis (lsb). Geschichten, die von Märchenwesen wie Riesen oder Feen handeln, begeistern auch heute noch Kinder – und meistens auch Erwachsene. Eine Geschichte, die Kinderaugen zum Beispiel immer wieder zum Strahlen bringt, sei die der beiden Riesen im Wesergebirge, so Edith Wollweber-Held, Stadtführerin in Rinteln.

veröffentlicht am 11.02.2011 um 18:15 Uhr

Das Märchen erzählt von zwei Riesen. Einer lebte auf dem Borberg, der andere auf dem gegenüberliegenden Paschenberg, oberhalb der jetzigen Schaumburg. Sie waren groß und stark, sodass die Erde bebte, wenn einer von ihnen nieste, und Pfützen entstanden, wenn sie bei Regenwetter unterwegs waren. Außerdem teilten sie ein gemeinsames Hobby: Beide hatten große Freude am Backen. Deshalb hatten sie auch einen gemeinschaftlichen Backofen. Wollte einer von ihnen backen, oder Bescheid geben, dass der Ofen heiß war, kratzte er in einem Topf. Das machte solchen Lärm, dass der andere Riese es auf seinem Berg hören konnte, und sich auf den Weg machte.

Als wieder einmal Backtag war, hörte der Borbergriese schon am frühen Morgen ein lautes Kratzen. Er beeilte sich, seinen Teig herzustellen und trug ihn so schnell wie möglich zum Paschenberg hinüber. Doch als er ankam, sah er, dass der Paschenbergriese noch in seinem Bett lag.

Ungläubig fragte der Borbergriese den anderen, warum er noch schliefe, obwohl er doch im Topf gekratzt hatte. Der Paschenbergriese versicherte ihm, dass er nicht gekratzt habe. „Das Geräusch, welches du hörtest, muss das Kratzen gewesen sein, das ich ausübte, als mich vorhin ein Floh stach“, sagte der Paschenbergriese.

Durch diese Verwirrung wurde der Borbergriese sehr wütend, sodass er schimpfte und tobte und aus lauter Zorn seinen Teig und den seines Kameraden nahm und am Bergesrand auf die Erde warf.

„Der Legende nach soll der Nesselberg, auf dem die Schaumburg heute steht, daraus entstanden sein“, so Wollweber-Held. „Begeisterte Kinderaugen sind bei dieser Geschichte garantiert“, erklärt die Stadtführerin, die schon seit neun Jahren auch als Führerin auf der Schaumburg tätig ist.

Der Nesselberg ist rund 225 Meter hoch und gehört zum Wesergebirge, welches zu den bedeutendsten Kalksteingebieten und Buchenwaldgebieten Niedersachsens gehört. Einige Teile des Wesergebirges stehen unter Naturschutz. Zudem ist er der Vorberg des 326 Meter hohen Mönchebergs, auf dem sich das heutige Gasthaus „Paschenburg“ befindet.

Der Borberg dagegen ist mit seinen rund 670 Metern der höchste Berg der Briloner Höhen im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen. In 629 Metern Höhe befindet sich auf dem Borbergskirchhof eine frühmittelalterliche Wallanlage mit einem großen Kernwerk und einer rechteckigen Vorburg, die auch Wallring genannt wird.

Die beiden Berge sind etwa 180 bis 200 Kilometer voneinander entfernt, was noch einmal die Größe der Riesen demonstriert. Denn wenn die beiden zusammen buken, wanderten sie immerhin von einem Berg zum anderen – und das in kürzester Zeit!

Riesen, oder auch Hünen genannt, spielen bereits seit Jahrhunderten eine Rolle in Erzählungen und Märchen: In der germanischen Mythologie werden sie als unmäßig, übergroß, gewalttätig und Menschen wie Göttern gegenüber feindlich gesinnt dargestellt, in mittelalterlichen Sagen werden sie zu tumben, rohen Gestalten herabgewürdigt.

Die Gestalt der Riesen fasziniert die Menschen bis heute, weshalb sie immer wieder in Romanen wie „Der kleine Hobbit“ von J. R. R. Tolkien auftauchen. Und das meistens mit den Charakterzügen, die ihnen schon die alten Germanen zusprachen.

Eine Ausnahme scheinen Halbriesen zu sein. Als liebevoll und fürsorglich wird beispielsweise der Halbriese Rubeus Hagrid in den „Harry Potter“-Büchern dargestellt. Der, so scheint es, könnte keiner Fliege etwas zuleide tun.

Ob die Riesen, die auf dem Borberg und dem Paschenberg lebten auch solche düsteren Eigenschaften besaßen, wenn sie nicht gemeinsam buken, bleibt jedoch ein Geheimnis. Denn das Herunterwerfen des Teiges hätte auch jemand anderem passieren können – dazu muss man kein Riese sein.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.



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