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Gutachten zur Obduktion des toten Greifvogels / Entscheidung über Windräder im Herbst?

Naturschützer sehen sich bestätigt

Brünnighausen (ist). Ausgerechnet am Karfreitag hatten allem Anschein nach die Windradrotoren am Ruhbrink zugeschlagen. Jäger fanden auf dem Feld einen toten Rotmilan: „Regelrecht vom Rotorblatt geschreddert“, stellte Jagdpächter Feuerhake fest; „was nach endgültiger Bestätigung durch eine Obduktion unzweifelhaft die Gefährdung des europaweit geschützten Greifvogels durch Windenergieanlagen beweist“, sagte Heiko Brede, Förster und Sprecher der IG „Rettet den Ruhbrink“.

veröffentlicht am 11.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 11.07.2012 um 14:27 Uhr

Drei Monate später, seit Ende der vergangenen Woche, liegt jetzt der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises das Obduktionsgutachten aus Hannover vor. Es komme, so Brede, zusammenfassend zu folgendem Ergebnis: Die Verletzungen des Rotmilans legen vor dem Hintergrund der Auffindesituation den Schluss nahe, dass das Tier infolge eines massiven Schlagtraumas durch ein scharfkantiges Rotorblatt zerteilt wurde.

Brede geht nun davon aus, dass der tote Rotmilan als zusätzliches Beweismittel in das bevorstehende Gerichtsverfahren um die Genehmigung weiterer Windenergieanlagen (WEA) am Ruhbrink eingehen wird. „Denn letztendlich wird dadurch deutlich, dass die Vorgehensweise des Landkreises bei der Beurteilung der vorliegenden Bauanträge die aus Artenschutzgründen einzig richtige Entscheidung ist und war.“

Der Investor (Töns Nagel-Held, Firma WindmühlenKontor GmbH & Co aus Lemgo) hatte Klage gegen den Landkreis eingereicht: erstens gegen die Ablehnung einer beantragten WEA (aufgrund der Unterschreitung der Horstschutzzone) und zweitens gegen die erheblichen Auflagen zum Vogelschutz bei drei weiteren Anlagen am Ruhbrink. Ein Verhandlungstermin sei derzeit noch nicht bekannt, teilt die Pressesprecherin des Landkreises, Sandra Lummitsch, auf Nachfrage mit. Brede rechnet mit einer Entscheidung voraussichtlich im kommenden Herbst. Für ihn selbst sei der Todfund unter der Ruhbrink-WEA nicht überraschend, sondern vorhersehbar gewesen, weil die Anlage in einem über Jahre von der IG dokumentierten, bevorzugten Nahrungsraum der Rotmilane und anderer geschützter Arten stehe. „Der tote Rotmilan und das jetzt vorliegende Obduktionsergebnis bestätigen auf traurige Weise das extrem hohe Kollisionsrisiko für die ausgesprochene Seltenheit avifaunistischer Naturschätze in unserer Region.“ Mit Besorgnis weise die IG „Rettet den Ruhbrink“ immer wieder darauf hin, dass es extrem wichtig sei, beim weiteren Ausbau der Windenergie Artenschutzbelange ernsthaft zu berücksichtigen. Beobachtung und Dokumentation über Brutplätze und Nahrungsräume werde die Interessengemeinschaft jetzt noch intensiver fortführen: „Denn nur auf Basis einer guten Sachdatenlage lassen sich auch sachlich richtige Entscheidungen treffen – für die Windenergie, aber ohne gefiederte Todfunde!“

Am 18. April 2012 berichtete die Dewezet über den am Brünnighäuser Windrad gefundenen toten Rotmilan.



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