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21-Jähriger geriet ins Visier der Fahnder / Werkstatt-Inhaber berichtet über „eine schwere Zeit“

Nach Großfeuer – Staatsanwalt schließt Akten

Klein Berkel. Die Riesenflamme war bis zu zehn Meter hoch, die Rauchsäule pechschwarz und kilometerweit zu sehen: Am frühen Morgen des 15. Mai verwüstete ein Großfeuer Teile der Autowerkstatt „Gotec“ an der Werkstraße in Klein Berkel. Kurz nachdem die Feuerwehr eingetroffen war, stürzte der hintere Bereich des Gebäudes ein. Ein computergestützter Achsenmessstand, eine Hebebühne, ein Kundenfahrzeug, Motoren, Fahrzeugteile, Reifen und Felgen verbrannten. Die Hitze war extrem – sogar Metall brannte lichterloh. Vier Monate nach Ausbruch des Brandes hat das für Brandstiftung zuständige Spezialkommissariat die Ermittlungsakten geschlossen und zur Staatsanwaltschaft nach Hannover geschickt.

veröffentlicht am 17.10.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.01.2019 um 09:03 Uhr

Ulrich Behmann

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Die Brandursachenermittler haben den Verdacht, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Ein 21 Jahre alter Hamelner geriet ins Visier der Ermittler. Er wurde auch als Beschuldigter in einem anderen Verfahren geführt: Es geht um einen Überfall, der am selben Tag, nur 43 Minuten vor Entdeckung des Feuers, in der benachbarten Spielhalle „Merkur“ verübt wurde. Der mit einem Messer bewaffnete und maskierte Täter musste sein Vorhaben allerdings aufgeben, weil der Kassenraum verschlossen war und sich das Aufsichtspersonal zufällig in einem anderen Automatensaal aufhielt.

„In beiden Fällen ließ sich der Anfangsverdacht gegen den Mann nicht erhärten“, sagte gestern Staatsanwältin Katrin Söfker auf Anfrage der Dewezet. Deshalb seien die Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung und versuchten schweren Raubes eingestellt worden.

Oliver Gohritz, Inhaber der Firma „Gotec Autoservice“, hat sehr unter dem Brandanschlag gelitten. Er hielt sich mit seiner Tochter in der Türkei auf, als er die Mitteilung erhielt, dass seine Werkstatt brennt. Sofort brach er seinen Urlaub ab und kehrte nach Hameln zurück. Es sei eine schwere Zeit gewesen, erzählt Gohritz. Stammkunden seien ausgeblieben, weil sie dachten, die ganze Firma sei abgebrannt. „Sechs bis acht Wochen lang lief hier fast gar nichts mehr.“ Einige Leute hätten ihm sogar unterstellt, er hätte etwas mit dem Feuer zu tun, erzählt der Geschäftsmann.

Gohritz ist jemand, der sich so leicht nicht unterkriegen lässt. Der 34-Jährige ließ sofort Dach und Tore der durch das Feuer im Lager in Mitleidenschaft gezogenen Autowerkstatt instand setzen und reparierte bereits eine Woche nach dem Brand wieder Autos. Gohritz schaffte es, seine Kunden zurückzugewinnen. „Heute läuft der Laden wieder genauso gut wie vor dem Feuer“, erzählt der Unternehmer. Nur das Lager, in dem auch der Achsenmessstand ein Raub der Flammen wurde, hat der Gotec-Chef noch nicht wieder aufbauen können. „Das ist aber auch nicht so schlimm. Wir kommen derzeit auch ohne Abstellraum klar.“

Den Schaden, den das Großfeuer angerichtet hat, beziffert Oliver Gohritz auf etwa 80 000 Euro. Die Feuerversicherung hat das Geld inzwischen ausbezahlt.

Am 16. Mai berichtete die Dewezet über das Großfeuer in Klein Berkel. Die Hitze war seinerzeit so groß, dass sogar Metall brannte.



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