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Von der Kreissparkasse zur Sparkasse Weserbergland

Mit vier Räumen fing es an

Die beiden Hausgrundstücke Pferdemarkt 1 und 2 gehörten seit langem der öffentlichen Hand. 1870 beherbergte die Nr. 1 das Königliche Amtsgericht und anschließend bis 2006 das Kreishaus, die Nr. 2 das Rentamt. Dort befand sich im Erdgeschoss der Kassenraum der Kreiskommunalkasse und im Obergeschoss eine Dienstwohnung. Seit ihrer Gründung im Jahre 1910 residierte dort die Kreissparkasse.

veröffentlicht am 07.07.2014 um 06:00 Uhr

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Die neue Kreissparkasse unter dem Vorstand Rendant Fasterling und Landrat Pilati warb mit aus heutiger Sicht beneidenswerten Konditionen um Kundschaft: „Der Betrieb der Sparkasse des Kreises Hameln ist heute eröffnet. Die Sparkasse befindet sich im Kreishause hierselbst, Pferdemarkt No. 2 und ist werktäglich vormittags von 9-1 Uhr und nachmittags von 3.30-4.30 Uhr für den Verkehr geöffnet. Einlagen werden von 1 Mark ab in jeder Höhe angenommen. An Zinsen für Einlagen werden 3,5 Prozent gewährt. Die Überschüsse der Sparkasse kommen den Bewohnern des Kreises zugute und werden zu gemeinnützigen Zwecken verwendet. Über sämtliche Einlagen wird unbedingt Verschwiegenheit nach allen Richtungen gewährt, insbesondere gegenüber der Steuerverwaltung. Die Einlagen bleiben vollkommen geheim und Auskünfte an Steuer- oder andere Behörden werden niemals erteilt.“ Die beiden letzten Sätze waren dick unterstrichen.

1910 bis 1914 nahm die Kasse eine stete Aufwärtsentwicklung, bis Krieg und Inflation dem vorläufig ein Ende machten. Der Einlagebestand von vier Millionen Mark vor Kriegsbeginn war Ende 1923 auf nicht ganz 4000 Mark zusammengeschmolzen; gut fünf Jahre später hatte er wieder 7,5 Millionen Mark erreicht.

Der Kreissparkasse standen im alten Fachwerkbau nur vier Räume zur Verfügung. Davon war der Raum, der dem Kundenverkehr diente, knapp zehn Quadratmeter groß. Am 12. April 1927 fasste der Vorstand der Sparkasse den überfälligen Beschluss für einen Neubau.

2 Bilder
Architekturmodell der Kreissparkasse zwischen Landratsamt und Geschäftshaus Keiser (heute Kolle). Abweichend vom Modell erhielten die Arkaden bei Keiser keine Rundbögen Das Eingangstor im Runderker wurde nach 1954 geschlossen und zu einem Fenster vermauert. (Quelle: Hameln, Monographien deutscher Städte, 1929)

Der Neubau erfolgte zugleich mit der Umgestaltung des Inneren des Kreishauses in den Jahren 1928/29. Er wurde durch den Hamelner Architekten Röpe von der Firma Röpe und Sassenhausen und die Hamelner Bauhütte mustergültig gestaltet.

Stadtbaurat Schäfer hatte gefordert, Kreissparkasse und Kreishaus als bauliche Einheit zu gestalten und die Außenfronten im Interesse einer Angleichung an die übrigen Baulichkeiten des Pferdemarktes aufeinander abzustimmen. Architekt Röpe ist das in wunderbarer Weise gelungen. Ohne historisierend zu arbeiten, stimmte er wesentliche Elemente (Dachform, Fensterbänder) aufeinander ab und vermittelte beide Gebäude durch einen reizvollen Runderker. In schönem Kontrast zum sandsteinfarbenen Anstrich des Kreishauses bekam die Kreissparkasse eine flaschengrüne Fassade.

Zur Verbreiterung der schmalen Einfahrt in die Ritterstraße verlangte Schäfer zusätzlich, einen Teil des Grundstücks an die Stadt Hameln abzutreten und für den fehlenden Bürgersteig Arkaden einzubauen.

Durch den Rücksprung öffnete der Neubau den Blick in die Ritterstraße. Die Rückverlegung des Bürgersteigs unter Arkaden war eine Lieblingsidee des Stadtbaurats, die er ebenso beim Haus Keiser (heute Kolle), beim Eckhaus Pferdemarkt/Emmernstraße und bei der Feuerwache verwirklichte.

Um dem Neubau trotzdem eine vergrößerte Grundfläche zu geben, wich der Architekt auf das hintere Gelände aus und baute die Kreissparkasse bis zum Keiserschen Hause durch. Ursprünglich waren beide Gebäude durch eine breite Toreinfahrt getrennt.

Die Kreissparkasse nutzte nur das Erdgeschoss und die Kellerräume. Die in den Obergeschossen liegenden Räumlichkeiten hatte der Landkreis angemietet; sie waren unmittelbar vom Kreishaus aus zugänglich.

Der stattliche Neubau wurde am 25. Juni 1930 mit Reden von Regierungspräsident Velsen aus Hannover, Bürgermeister Dr. Scharnow und Landrat Dr. Loeb-Caldenhof eingeweiht. Die Dewezet stellte nach einer Führung durch den Architekten fest: „Aufs Schönste sind in allen Räumen, vor allem aber in der zur Abwicklung des Verkehrs bestimmten großen Halle, Zweckdienliches und dem Komfort Dienendes vereinigt, unter Vermeidung alles Überflüssigen sind überall in der Anordnung der Gebrauchsgegenstände, in der Beleuchtung usw. die neuesten technischen Errungenschaften berücksichtigt worden.“

Seit 1954 – nach dem Umzug der Kreissparkasse in das Gebäude Am Markt 4 – nutzte die Kreisverwaltung das Haus Pferdemarkt 2 ganz. 2008 – mit der Eröffnung der „Stadtgalerie“ – blieb vom Haus nur noch die durch Reklamebänder verunstaltete Fassade.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Links: Das Haus Pferdemarkt 2 als Kreissparkasse vor dem Neubau im Jahre 1928/29, rechts heute als Teil der „Stadtgalerie“. Links: Heimatbuch des Kreises, 1934; rechts Foto 2014 Gelderblom



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