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Arbeitsagentur beschäftigt ein Team von Psychologen / Kunden reagieren teilweise ablehnend auf Angebot

Mit Fragebogen und Rollenspiel zum Job

Hameln. Wenn man Leuten die Frage stellt, welche Berufsgruppen bei der Agentur für Arbeit tätig sind, wird ein Großteil der Befragten sicherlich den Berufsberater nennen. Dass dort aber auch Psychologen arbeiten, dürfte für die meisten unbekannt sein. Auch die Hamelner Arbeitsagentur beschäftigt zwei studierte Fachkräfte plus vier Assistenten. Ihre zentrale Aufgabe: Die Arbeitsvermittler bei der Beratung von Kunden mit ihrem psychologischen Wissen unterstützen. Und das ist ein großes Aufgabengebiet, das über das Auswerten von Fragebögen bis hin zur Gesprächsdiagnostik und Verhaltensbeobachtung reicht. Bereits im März 1971 hat das damalige Hamelner Arbeitsamt einen eigenen psychologischen Dienst eingerichtet – bundesweit wurde er 1952 eingeführt. Heute nennt sich der psychologische Fachdienst der Arbeitsagenturen „Berufspsychologischer Service“, kurz BPS.

veröffentlicht am 24.04.2013 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 25.04.2013 um 19:29 Uhr

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Genauso breitgefächert wie die Arbeitsfelder des BPS sind auch die Kunden, die den Service in Anspruch nehmen: „Von 15 bis Ende 50 sind alle Altersgruppen vertreten“, sagt Kerstin Schlaugat, eine der zwei Diplom-Psychologen, die bei der Hamelner Arbeitsagentur beschäftigt sind. Und auch das Bildungsniveau reiche vom geistig behinderten Menschen bis zum Akademiker. „Die größte Gruppe, die zu uns kommt, sind aber Haupt- und Realschüler“, sagt sie. Und die klopfen nicht einfach an die Tür der Psychologin, sondern werden über das Team der Berufsberater, der Arbeitsvermittler und der beruflichen Rehabilitation an sie weitervermittelt. Neben der Hilfestellung zur beruflichen Planung von Jugendlichen bewertet die Diplom-Psychologin auch, ob ein Arbeitssuchender etwa für eine Umschulung geeignet ist, die entsprechende intellektuelle Leistungsfähigkeit mitbringt, genügend Motivation hat und wie hoch seine psychische Belastbarkeit ist. „Natürlich steht bei all dem auch im Vordergrund, die Interessen des Kunden abzuklären, damit er auch für sich selbst die richtige Wahl treffen kann“, sagt sie.

Den meisten Einschätzungen gehen verschiedene Tests voraus, die den Psychologen später als Gesprächsgrundlage dienen sollen. Seit dem letzten Jahr bietet die Hamelner Arbeitsagentur etwa die sogenannte Kompetenz-Diagnostik an. Sie besteht aus vier Angeboten: Zwei Fragebögen, die die Selbsteinschätzung sowie die Auffassungsgabe des Kunden abfragen, einem Beratungsgespräch mit einem Psychologen sowie einem Assessment-Center-Test, in dem Rollenspiele und Präsentationen enthalten sind und Kompetenzen wie Teamfähigkeit und Einfühlungsvermögen abgefragt werden. Je nachdem, was überprüft werden soll, werden einer oder mehrere zu absolvierende Tests ausgewählt. Die Psychologen werten die Ergebnisse zeitnah aus und geben sie an den persönlichen Ansprechpartner des jeweiligen Kunden weiter. Mit ihm werden sie dann ausführlich besprochen. Generell gelte jedoch: „Ich als Psychologin treffe keine Entscheidungen, sondern gebe dem jeweiligen Mitarbeiter immer nur Empfehlungen für seinen Kunden weiter“, betont Kerstin Schlaugat.

Alle psychologischen Tests und Gespräche, die bei der Arbeitsagentur durchgeführt werden, sind freiwillig. „Gezwungen wird niemand“, betont Schlaugat. Dennoch können einem Verweigerer Konsequenzen drohen: „Wer nicht mitmacht, riskiert damit unter Umständen die Bewilligung einer Umschulung oder ähnliches“, sagt sie. Schließlich solle abgeklärt werden, ob das der richtige Weg für den Arbeitssuchenden ist – und das sei schließlich auch in seinem Interesse. „Nicht selten haben die Leute, die zu uns kommen, schon mehrere Ausbildungen abgebrochen.“ Damit das nicht noch einmal passiere, seien die Tests da, um Fähigkeiten, Neigungen oder Motivation abzuklären. Und die Tests, da ist sie sich sicher, sind ein Gewinn für alle Seiten: den Berater, den Kunden und den, der dem Kunden eine neue Chance in der Berufswelt gibt. Dennoch reagieren die Kunden nicht immer mit Freude auf den Vorschlag, sich einem der psychologischen Tests zu unterziehen. „Das ist so, weil viele Psychologie mit Psychiatrie verwechseln“, meint Thorsten

Tünnermann, Chef der Berufsberater bei der Arbeitsagentur Hameln, den Grund für die teils ablehnenden Reaktionen seiner Kunden zu kennen. „Daher versuchen wir, den Begriff psychologischer Test zunächst zu vermeiden, und beschreiben ihn wie einen Einstellungstest, den Unternehmen für Führungskräfte durchführen“, sagt er.

Übrigens: Für junge Menschen bietet die Hamelner Arbeitsagentur regelmäßig sogenannte „Study-Tests“ an. Die studienfeldbezogenen Beratungstests sollen Entscheidungshilfen für die jungen Leute sein und versuchen Fragen zu klären, etwa ob man das angestrebte Studium intellektuell schafft und ob einem die inhaltlichen Anforderungen liegen. Dazu besuchen Kerstin Schlaugat und ihr Team regelmäßig Schulen.



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