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Der „Hyllige Born“ symbolisiert die Heilkraft und Bedeutung aller Pyrmonter Quellen

Mit dem Glas in der Hand die Allee hinab

Ein Blick auf die kolorierte Fotografie aus der Zeit um 1900 zeigt schnell, welche Bedeutung die Anlage von Brunnenplatz, Brunnentempel und Wandelhalle für den Kurort Pyrmont besaß. Das auf Karton aufgeklebte Foto ist auf der Vorderseite rechts unten mit winzigen goldenen Lettern wie folgt bezeichnet: Ziffer 1996, den Kürzeln P.Z sowie der Ortsbezeichnung „Pyrmont, Trinkhalle-Hauptbrunnen“. Im Mittelpunkt befindet sich, das Bild bestimmend, der gusseiserne achteckige Brunnentempel, der aufgrund seiner transparenten Architektur die Hauptquelle Pyrmonts, später Hylliger Born genannt, wie ein Juwel einfasst. Von allen vier Seiten führen gepflasterte Wege zu dieser eisenhaltigen Quelle, die als Trinkquelle schon viele Jahrhunderte früher, so auch 1556 bei dem Wundergeläuf, der wichtigste Anziehungspunkt war für heilsuchende Menschen aus ganz Europa. Auch auf der Fotografie sieht man deutlich, dass alle Kurgäste, weit mehr Frauen als Männer, dieser zentralen Quelle, damals noch Hauptquelle genannt, zueilen.

veröffentlicht am 13.05.2013 um 06:00 Uhr

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In jener Zeit, noch bis zum Jahr 1966, wurde das Glas mit dem Heilwasser noch direkt an der Quelle gefüllt. Bei gutem Wetter flanierte man dann mit dem Glas in der Hand die Hauptallee hinab bis zur Fontäne; regnete es während der Saison, machte man seine Runden in der zurückliegenden Wandelhalle, ebenfalls aus gusseisernen Eisenelementen zusammengefügt. Gut erkennbar auf der Fotografie ist auch, dass zwei Rasenflächen, die mit Bäumen bepflanzt sind, dem Platz den Charakter einer Gartenlandschaft vermitteln, der sich ja mit der Hauptallee und dem Parkgelände zwischen Allee und Schloss fortsetzt. Im Vordergrund wird aber auf jede Gestaltung mit Korbbeeten oder Rasenflächen verzichtet. Hier ist der von Gittern gut geschützte Brodelbrunnen allein hervorgehoben. Das hat seinen Grund, ist doch diese Quelle, ebenfalls ein Eisensäuerling, der älteste Brunnen von Bad Pyrmont. Der berühmte Pyrmonter Brunnenfund, der an dieser Stelle 1863 gemacht wurde, dokumentiert, dass diese Quelle schon um Christi Geburt bis ins 4. Jahrhundert nach Christus von Germanen wie ein Heiligtum verehrt wurde. Historische Daten mögen die Bildbetrachtung ergänzen: Nach dem ersten Brunnentempel aus dem Jahr 1668 wurde nun genau 200 Jahre später, im Jahr 1868 der gusseiserne Tempel zum Schutz der Trinkquelle errichtet. In wenigen Monaten errichtete man diese „eiserne Pyramide“ exakt in der Achse von Hauptallee, Brunnenstraße und Hylligen-Born-Allee. Die transparente Eisenskelettbauweise leitet sich her von der Baukunst des Maschinenzeitalters des 19. Jahrhunderts, ist geprägt von den imposanten Hallen der Londoner Weltausstellung und trägt in jener Zeit gerade die Bäderarchitektur von Karlsbad bis Baden-Baden. All dies mag symbolisieren, wie zeitgemäß und wie sinnfällig die bedeutendste Quelle auf dem Brunnenplatz für ein anspruchsvolles Kurgastpublikum inszeniert worden ist. Die Hauptquelle ist der Mittelpunkt Pyrmonts, alles ist auf sie ausgerichtet.

Das hat sich vom Grundsatz her auch bis heute nicht geändert. 1921 entscheiden sich die Bürger des früheren Fürstentums Waldeck-Pyrmont für einen Anschluss an Preußen. Bereits 1922 entscheidet sich die Bad-Pyrmont AG für den Neubau von Brunnentempel und Wandelhalle. Die Grundsteinlegung erfolgt am 29. November 1923 nach den Plänen von Alfred Sasse, einem angesehenen hannoverschen Architekten. Welche Wirkung hat der Brunnenplatz heute vor dem Hintergrund dieser neuen Kulisse? Brunnenplatz und Brunnentempel sind immer noch der Mittelpunkt des Badeortes. Sie prägen das Erscheinungsbild von Bad Pyrmont, sind mehr als eine Visitenkarte. Der „Hyllige Born“ unter dem Brunnentempel symbolisiert die Heilkraft und Bedeutung aller Pyrmonter Quellen, beschreibt ihre einzigartige Bedeutung. Der Hyllige Born ist die Grundlage der Geschichte Bad Pyrmonts. Diese Wirkung spürt man auf dem Brunnenplatz auch heute noch. Elegante Bänke, Wasserwände und mächtige Palmen schirmen den Platz ein wenig vom Alltag ab. Die einzigartigen und unverwechselbaren Fassaden vom Fürstenhof, von Haus Hemmerich, Haus Uslar und Haus Ockel rahmen gemeinsam mit der Wandelhalle den Brunnentempel und den Brunnenplatz nach wie vor wie einen kostbaren Schatz. Das Mobliar vom Wandelhallen-Café und von der Eisdiele am Rand des Platzes beleben heute den Brunnenplatz, sind aber auch ein Fingerzeig für die Wandlung einer „Trinkkur“.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Brunnenplatz und Brunnentempel sind auch heute noch der Mittelpunkt des Badeortes.

Museum/jl



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