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Die Geschichte des Gasthauses Felsenkeller in Coppenbrügge

Mit Bier fing alles an

Als noch in Coppenbrügge Bier gebraut wurde und die Brauergilde 1839 mit August Holzapfel einen gelernten Braumeister aus dem Harz holte, bestand dieser darauf, einen Bierkeller für den gebrauten Gerstensaft anzulegen. Ilsemarie Nagel, eine Ur-Ur-Enkelin des August Holzapfel, hat über die Braugeschichte in Bild und Wort erzählt. Sie ist dort auf dem Felsenkeller aufgewachsen und hat sich für die interessante Familiengeschichte des Hauses begeistert. Bei der Gründung des Museums in der Burg hat sie mit ihren kreativen Ideen und genauen Ortskenntnissen dessen heutiges Erscheinungsbild maßgeblich geprägt.

veröffentlicht am 14.09.2015 um 06:00 Uhr

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Unter der Führung des ersten Braumeisters begann die Anlage von drei kleineren Kellern, hineingebaut in den Ithhang neben dem bereits existierenden Schießstand des Coppenbrügger Schützenvereins. 1868 kaufte August Holzapfel das Brauhaus im Ort und das Areal um den Felsenkeller und die Brauergilde löste sich auf. Das Coppenbrügger Bier war jetzt ausschließlich ein dunkleres sogenanntes „Braunbier“. Das helle Bier bezog man nun aus der städtischen Lagerbierbrauerei in Hannover. Damit das „kühle Nass“ auch wirklich gekühlt gelagert werden konnte, nutzte man damals die konstante Temperatur von 11 Grad im Berginneren. Um noch weiter kühlen zu können, wurde in den Kellern Eis gelagert, das man im Winter aus dem Burggraben im Ort und aus dem Mühlenteich ausgesägt hatte. Über den Kellern baute August Holzapfel eine Lagerhalle für leere Fässer und bepflanzte das Gelände mit schattenspendenden Bäumen. Der Bierkonsum und -verkauf schien sich auszuweiten, denn 1871 baute dann der Sohn, August Holzapfel, einen weiteren Eiskeller mit großem Gewölbe und darüber einen kleinen Ausschank mit Gaststube und Küche. Von dort kam man über eine lange Treppe hinab bis in den Eiskeller. Die Lage neben dem Schießstand machte es zur Gewohnheit, wenn sich am Sonntag die Schützen zum Übungsschießen versammelten, dass zum Abschluss gern die Gläser mit Bier gefüllt und geleert wurden. Auch stellten sich dann Sonntagsspaziergänger ein, die ebenfalls dort Rast machten. Allerdings beschränkte sich der Ausschank nur auf die Sommermonate. Der Braumeister hatte für diesen Ausschank am Felsenkeller nur die Konzession für sein eigens gebrautes Bier. Von den Gästen bedrängt, schreibt Ilsemarie Nagel, hätte er dann 1888 die Konzession auf den Verkauf von Schnaps und Branntwein erweitern können. In seinem Schreiben an die Behörde habe der verniedlichende Zusatz gestanden: „Wenn auch nur in kleinen Gläsern.“ Für die Gäste hatte man im Biergarten gemütliche Sitzplätze in Form von steinernen Grotten angelegt und bei schlechterem Wetter konnte man sich in die 1905 gebaute Veranda zurückziehen.

Auf dem alten Foto von 1906, das den Eingang zu den Bierkellern zeigt, haben sich die Maurer und Arbeiter bei einer Arbeitspause versammelt, die zu der Zeit am Bau des Trinkwasser-Hochbehälters nicht weit vom Felsenkeller entfernt im Ith eingesetzt waren. Die Arbeiter werden mit Bier von den ausschenkenden Enkeln des Erbauers gestärkt. August Holzapfel füllt die Gläser, neben ihm steht sein Bruder Adolf und in der Mitte die Schwester Helene Holzapfel. Der Enkel August Holzapfel beendete 1910 das Bierbrauen in Coppenbrügge. Er nannte sich nun „Bierverleger“ und stellte den Betrieb um auf Bier- und Getränkehandel.

Am Coppenbrügger Schützenfest war der Felsenkeller für die Festlichkeiten nach dem Königsschießen am Schützenmontag voll belegt. Im Saal fand das Schützenessen statt. Das traditionelle Festessen bestand immer aus drei Gängen: zuerst eine Suppe, dann wurde Zungenragout aufgetischt und zum Schluss gab es Schweinebraten, berichtet Ilsemarie Nagel. Ihre Mutter Ilse, geborene Holzapfel, und der Vater, Herbert Starke, führten den Felsenkeller als Ausflugslokal bis zum Jahr 1977. Eine beliebte Spezialität war die vorzüglich zubereitete Eistorte zum Kaffee. Die Gaststätte wurde danach mehrfach an verschiedene Wirte verpachtet, wobei die böhmische Küche eines Pächters zu neuer Beliebtheit führte. Als die Erben sich schließlich zum Verkauf des Felsenkellers entschlossen, geriet er in die Hand eines Investors, der am Haus offene Holztürme mit Verbindungsstegen anbauen ließ, der im Haus die Zimmer für den Hotelbetrieb mit viel Holzverzierung ausstattete – und schließlich alles aufgeben musste. Nach langem Leerstand konnte das Ehepaar Zeddies den Felsenkeller erwerben. Die Familie hat inzwischen ein gastronomisches Haus mit kulinarischen Extras daraus gemacht.

2 Bilder

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Die Aufnahme von 1906 zeigt den Eingang zu den Bierkellern. Der Felsenkeller am Ith präsentiert sich heute neu gestaltet und als feines Restaurant mit Hotelbetrieb (unten links). Unten rechts ist der große Gewölbekeller in der Zeit des langen Leerstands zu sehen.pr



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