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Tierköpfe am Brunnen des Redenhofs kein Hinweis auf Stadtmusikanten / Wasserzufuhr gekappt

Märchenhafte Konkurrenz für Rattenfänger?

Hameln (ch). Ist Hameln dem Rattenfänger untreu geworden? Wer am Ostertorwall auf dem Bürgersteig die Mauer des Redenhof entlangläuft, trifft dort nicht auf Ratten oder den Rattenfänger, sondern einen kleinen Brunnen mit übereinander angeordneten Tierköpfen. Ein Versuch der Bremer Stadtmusikanten, ihr märchenhaftes Herrschaftsgebiet auf Hameln auszuweiten?

veröffentlicht am 27.07.2012 um 06:00 Uhr

Ein Pferde-, Bullen- und ein Gänsekopf gucken die Vorübergehenden an der Ecke des Ostertorwalls zur Alten Marktstraße freundlich an. Bänke links und rechts der Tiere bieten die Möglichkeit, sich von den Strapazen der Stadtbesichtigung oder des Einkaufens in der wenige Quadratmeter großen Einbuchtung an der Mauer des Redenhofes zu erholen. Arnd von Reden, einer der Nachfahren Ernst von Redens, der den Adelshof 1568 in der Hamelner Altstadt errichten ließ, erinnert sich: „Als der Ostertorwall ausgebaut und dort alles verbreitert wurde, musste auch die Mauer des Redenhofs ein Stück nach hinten versetzt werden. Damals hat mein Vater beschlossen, die Ecke an der Mauer der Stadt zur Verfügung zu stellen.“ Er habe damit alten Leuten am Rand der Stadt eine Ruhemöglichkeit schaffen wollen. „Ältere Leute, Besucher und Hamelner sollten eine kleine geschützte Ecke mit einem Brunnen bekommen, in der sie sich hinsetzen und ausruhen können.“ Der Ostertorwall war im Jahr 1955 verbreitert worden. Der vierspurige Ausbau der Straße hatte zu heftigen Protesten einiger Bürger geführt, da die Verbreiterung – wie auch beim Gelände des Redenhofs – Eingriffe in die Vorgärten zur Folge hatten und insgesamt 113 Linden an der Straße gefällt werden mussten. Die alte Mauer war acht Fuß hoch und zwei Fuß breit. Sie war 1819 gesetzt worden, um den Hofraum des Redenhofes gegen die Promenade auf dem Ostertorwall abzugrenzen, erklärt Gerhard Piper im Informationsheft „Blickpunkte“ über Sehenswürdigkeiten in Hameln, das in den CW Niemeyer Buchverlagen erschienen ist.

Eine Rattenfänger-Konkurrenz ist der Brunnen jedoch nicht. Die Tiere sind nicht als Hommage an die Stadtmusikanten gedacht. „Die Köpfe des Pferdes und des Bullen sowie der wasserspeienden Gans weisen darauf hin, daß der Redenhof einst ein Bauernhof war“, heißt es in einem alten Artikel der Dewezet. Ernst von Reden hatte von dem Hamelner Bürger Thönnies Voget und seiner Frau Mette das Haus- und Hofgrundstück gekauft und darauf ein neues Wohnhaus errichten lassen.

Der Brunnen steht heute unverändert in der Klönecke mit Blick auf die alte Feuerwache. Der Stein hat an einigen Stellen Moos angesetzt, ein Stückchen des Gänseschnabels ist abgebrochen und im Brunnenbecken liegen Blätter im Trockenen. Denn die Gans speit schon seit Jahren kein Wasser mehr. „Für den Brunnen wurde die Wasserleitung der alten Feuerwache genutzt“, erklärt Anja Sprich von der Stadt Hameln. Mit dem Verkauf der Wache sei auch die Leitung gekappt worden. Eine neue Wasserzufuhr allein für den Brunnen zu legen, wäre nach Aussage der Stadt zu teuer. Arnd von Reden würde sich freuen, wenn das Wasser im Brunnen am Redenhof wieder sprudeln würde, damit die Ecke weiterhin möglichst viele Hamelner und Stadtbesucher zum Verweilen einlädt.

Heute zieren die Tierköpfe unverändert den Brunnen, doch speit die Gans kein Wasser mehr. Foto: ch


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