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Was das Naturdenkmal mit dem „Damenfrieden von Coppenbrügge“ zu tun hat

Linde erinnert an russischen Zaren

Coppenbrügge. „Was für teufelsharte Knochen die deutschen Damen haben!“ Peter der Große wundert sich über die steifen Oberkörper seiner Tanzpartnerinnen. Die Frauen in seiner Heimat fühlen sich anders an. Was er nicht weiß – es sind nicht die Knochen der Damen, sondern ihre „Schnürbrüste“ – steinharte Korsetts, die wie ein Harnisch um deren Brust und deren Rücken liegen.

veröffentlicht am 05.07.2013 um 06:00 Uhr

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Der russische Zar fühlte sich trotzdem wohl in der Gesellschaft der beinharten Damen, die wie er in einer lauen Nacht im August 1697 auf der Burg Spiegelberg in Coppenbrügge weilten. Der damals 25-Jährige soll lustig und frei gewesen sein und mit den anderen Gästen auf der Burg Schnupftabaksdosen ausgetauscht haben. Dass er während seines Aufenthalts mal eben auf dem Burgwall eine Linde gepflanzt haben könnte, wie manche Besucher des Museums in der Burg vermuten, ist ausgeschlossen. Erstens, weil Peter in wichtigen Amtsgeschäften unterwegs war und somit keine Zeit für Landschaftspflege hatte; zweitens, weil die Sommerlinde zur Zeit seines Besuches schon ein Baum mit weitauslaufenden Zweigen war, unter denen die feine Gesellschaft die laue Sommernacht genossen haben soll.

Worüber mögen die Herrschaften wohl geplaudert haben? Die Antwort kennt nur die hochbetagte Linde, die in der Barockzeit als dreistöckige Baumlaube geschnitten war. Ihr Alter wird auf 500 bis 700 Jahre geschätzt. „Älter als 700 Jahre ist sie aber nicht, denn die Burg Spiegelberg wurde erst zwischen 1281 und 1303 erbaut“, betont Gernot Hüsam, Chronist des Museumsvereins Coppenbrügge. Eine genaue Altersbestimmung sei nach Auskunft von Sachverständigen nicht mehr möglich, da die Linde im Kern bereits sehr verrottet sei. Dass sie an der Last ihrer Jahre schwer zu tragen hat, ist in den Sommermonaten nicht zu sehen, denn ihre grünen Blätter mogeln der „knorrigen „alten Dame“ viele Jahre weg. Ihre weit auslaufenden Zweige grüßen majestätisch alle Besucher, die zu ihr auf den Burgwall heraufkommen.

Ob sie weiß, dass sie ein Naturdenkmal ist, das an den Aufenthalt des russischen Zaren erinnern soll? Das Ereignis ist in einen Stein am Fuß des Baumes gemeißelt mit den Worten „Peter-Linde 1697“.

2 Bilder

Der Besuch des Zaren soll sogar einen Krieg zwischen Österreich und Brandenburg-Preußen verhindert haben. Der Reihe nach: 1697/98 befand sich Zar Peter auf seiner berühmten Reise (genannt die „Große Gesandtschaft“) von Moskau nach Amsterdam. Am 10. August besuchte er die Burg Spiegelberg in Coppenbrügge, um sich mit der Kurfürstin Sophie von Hannover und ihrer Tochter Sophie Charlotte, der Kurfürstin von Brandenburg, zu treffen.

Auch Kronprinz Georg, der spätere König von England, war mit von der Partie. Die abendliche Feier mit dem russischen Gast verlief so freundschaft-lich, dass die Geschichtsschreiber von einem „Damenfrieden von Coppenbrügge“ ausgehen, der einen Krieg zwischen Österreich und Brandenburg-Preußen verhindert haben soll. Das Coppenbrügger Treffen könnte somit ein Wendepunkt in der Entwicklung Europas gewesen sein. „Auch daran soll die Zar-Peter-Linde erinnern“, betont Hüsam.

Im Museum und auf dem Burggelände wird an den Aufenthalt Zar Peters und den Damenfrieden erinnert: Auf dem Wall steht die Zar-Peter-Linde, der Stein liegt am Fuß der Linde.

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