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Und wenn es dann wieder losgeht, dann zieht euch warm an …

Lasst uns dieses „Nicht“ umbringen

Die Luft ist raus. Alle sind genervt von diesem Corona. Dieser Winzling hat ganz was Mieses angestellt mit uns, mit unseren Familien, mit unseren Liebsten, mit unseren Freunden, mit unseren Bekannten und den Unbekannten übrigens auch.

veröffentlicht am 03.04.2021 um 16:00 Uhr

Thomas Thimm

Autor

Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Selbst die Szenerie auf der Straße hat sich verändert, schon lange kein Durcheinander mehr – außer vielleicht bei den Baptisten und bei Kindergeburtstagen an Hamelns Altstadtring –, kein großes Palaver mal hier an der Straßenecke, mal dort direkt vor der Supermarkttür, kein dicht bei dicht, irgendwie kaum noch was bis gar nix. Ziemlich traurig …

Ich frage mich manchmal, wie das werden wird, wenn wir Corona überstanden haben und uns das erste Mal beim Shoppen oder in der Kneipe jemand anrempelt. Auweia, dann muss man erst mal wieder lernen, so etwas hinzunehmen – je nach Rempler halt …

Die Situation nervt gewaltig, das Nicht-Skifahren im Winter, das Nicht-Urlauben zu Ostern, das Nicht-Wegfahren mit Freunden, das Nicht-Versacken an der Theke, das Nicht-Umarmen mit wem auch immer, das Nicht-Bundesliga-Rudelgucken, und auch nicht das Nicht-Wiegehtsdirgequassel. Alles eingefroren, irgendwie nicht existent.

Hoffentlich finden wir eines Tages den roten Faden zu unseren lebenden sozialen Netzwerken wieder. By the way: Es gab mal eine, die fragte mich vor langer Zeit mit diesem – Sie kennen das – bösen, schon von sich aus feststellenden Unterton und diesem gleichzeitigen breiten Gegrinse, dass Netzwerken wohl nichts für mich sei … Doch, das ist es.

Aber nicht so, wie der kleine Netzwerk-Bubi sich das gerne vorstellt, dass man jemanden kennt, der jemanden kennt, der mein Problemchen löst. Brauche ich nicht, kann ich nämlich selber.

Und auch nicht so, wie die durch zu viele Dumme zu unsäglicher Blödheit degenerierte Plattform Facebook es gerne vorgaukeln möchte: Nämlich, dass durch bloßes Nachgeplapper auch die dreistesten und dümmsten politischen und gesellschaftlichen Geisteshaltungen an Beweiskraft gewönnen. Nein, tun sie nämlich nicht.

Ich netzwerke lieber anders. Am liebsten persönlich, mit einem Glas in der Hand, unter Freunden, die dir mal dummes Zeug erzählen, mal Sequenzen ihres Lebens mit dir teilen, dich zum Lachen bringen, wenn du es brauchst, dich auf den Arm nehmen, wenn du es verdient hast, zur Not auch mal so richtig verhohnepiepeln oder auch mal den Kopf waschen, wenn du schief liegst, denn nur dann sind es ja bekanntlich echte Freunde.

Das gilt übrigens – jedenfalls fast genauso – auch für Menschen, die dir zufällig über den Weg laufen, die bis eben noch fremd waren und sich jetzt für dich interessieren. Neue Netzwerkzweige sind ja manchmal sooo interessant … Aber das fällt bekanntlich aktuell auch aus. Also gehört das Nicht-Kennenlernen ebenfalls auf die Nicht-Liste. Echt jetzt, manchmal frage ich mich, wie lernen Singles aktuell eigentlich gerade neue Kandidaten kennen? Also, so richtig, nicht auf Tinder …

Fassen wir zusammen: Wir können zu Ostern in Grüppchen und Gruppen nicht viel bis nichts unternehmen, wenn das Wetter schön werden sollte, dann sind die beliebten Ausflugsziele vermutlich überfüllt, Spazierengehen finde ich doof, die Kinder sind schon groß, die Family sieht sich mit Abstand auf der Terrasse. Schöne Ostern!

P.S.: Uwe lässt grüßen. Ich denke, er hat nichts dagegen, wenn ich seine Sprachnachricht hier teile: „Ey, hör‘ ma‘, komm‘ Sonntag vorbei, dass de Bescheid weeßt, wegen Bier, stellste kalt, klaro? Denne halten ma Palaver in so ‘ne Abstands-Tschällensch.“

Wie gesagt, er lässt grüßen.



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