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Kulinarischer Kleinkrieg

Nicht ganz bissfestes Kinomärchen: „Madame Mallory und der Duft von Curry“

veröffentlicht am 21.08.2014 um 00:00 Uhr

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Madame Mallory und der Duft von Curry“ ist eine jener Kino-Delikatessen, bei denen man sich fragt: Und wer, bitte, räumt hinterher die Küche auf? Hier wird in blitzendem Edelmetall-Ambiente geschnippelt, gebrutzelt und gerührt, um sodann kulinarische Köstlichkeiten an festlich gedeckte Tische zu tragen. Um die dreckigen Schüsseln, Teller, Tischdecken kümmert sich hinterher niemand.

Genauso ließe sich in Lasse Hallströms Culture-Clash-Komödie auch fragen: Warum haben die Köche nie auch nur einen einzigen Soßenfleck auf ihren strahlend weißen Kitteln? Oder: Warum sieht hier alles zum Anbeißen aus? Und damit sind nicht nur die Speisen gemeint, egal ob aus dem indischen Tandoori-Ofen oder der Michelin-Sterne-Küche, sondern auch die französische Dorfidylle und erst recht die Charaktere des Films. Die Händler auf dem südfranzösischen Wochenmarkt scheinen direkt der TV-Werbung für Camembert entsprungen zu sein.

Zu lange sollte man auf solchen Fragen nicht herumreiten, sie könnten den Appetit auf die Verfilmung von Richard C. Morais‘ Bestseller „Madame Mallory und der kleine indische Küchenchef“ verderben. Es gilt, einfach zu akzeptieren: Je älter der 68-jährige Schwede Hallström („Gilbert Grape – Irgendwo in Iowa“, „Gottes Werk & Teufels Beitrag“, „Schiffsmeldungen“, „Lachsfischen im Jemen“) wird, desto exquisiter geht er zu Werke.

Letztlich zielt Regisseur Hallström auch nicht nur auf Gaumenfreuden ab: Eine indische Familie entscheidet sich nach einem mörderischen (und geradezu malerisch gefilmten) Brandanschlag von Fundamentalisten, ihr Glück im fernen Europa zu suchen, und landet schließlich im Süden Frankreichs. Das genauso störrische wie geschäftstüchtige Oberhaupt, von allen nur „Papa“ (Om Puri) genannt, eröffnet sein Lokal ausgerechnet gegenüber jenem Edelrestaurant, in dem Madame Mallory (Helen Mirren) ein strenges Kochlöffel-Regiment führt.

Bollywood-Musik und Curryschärfe konkurrieren von nun an mit Mozart-Klängen und Täubchen an Trüffel. Madame Mallory muss lernen, dass indische Küche nichts mit Fast Food zu tun hat, und „Papa“ erkennt, dass ihm auch B½uf bourguignon schmeckt. Die kulturellen Auseinandersetzungen zwischen Einwanderern und Einheimischen werden über die Speisekarte ausgetragen.

Gelegentlich tröpfelt sogar die brenzlige Wirklichkeit in diesen Konflikt: Rassisten versuchen, das farbenfrohe „Maison Mumbai“ abzufackeln. Dieser hinterhältige Angriff auf die indische Familie empört auch Madame Mallory so sehr, dass sie sich prompt auf die Seite ihrer neuen Nachbarn schlägt. Doch für wie oberflächlich auch immer man diese Geschichte halten mag: Solche unschönen Einsprengsel blieben kürzlich in der viel gelobten französischen Culture-Clash-Konkurrenz „Monsieur Claude und seine Töchter“ ausgespart, in der sich drei gut betuchte Schwiegersöhne (Chinese, Jude, Araber) mit dem konservativen Vater ihrer Ehefrauen herumärgerten.

Hallströms Film lässt sich am besten als schmackhaftes Märchen genießen. Selbstverständlich dürfen zarte amouröse Zutaten darin nicht fehlen: Noch bevor sich Madame und „Papa“ endlich ein wenig näherkommen, entflammen schon die Gefühle zwischen der aparten Köchin Marguerite (Charlotte Le Bon) und Sohn Hassan (Manish Dayal). Die beiden verweigern konsequent den kulinarischen Kleinkrieg, stehen dafür aber bald schon im Wettbewerb am Küchenherd.

Echte Chancen hat Marguerite allerdings nicht: Hassan ist ein Genie, das die Schranken zur französischen Gesellschaft gewissermaßen mit dem Kochlöffel beseitigt. Traditionelle französische Gerichte verfeinert er geschmackssicher mit indischer Schärfe. Bald schon steigt er zum Star der Haute Cuisine auf und muss darum ringen, den beruflichen Erfolg in Paris und das private Glück in dem südfranzösischen Dorf unter eine Kochmütze zu bringen.

Eine schöne Botschaft verbirgt sich also allemal in dieser nicht ganz bissfesten Komödie: Nicht nur die Liebe, sondern auch die Integration von Zuwanderern geht durch den Magen.

In dieser Küche dirigiert sie allein – und sei es mit einem Spargel: Madame Mallory (Helen Mirren).

Constantin



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