weather-image
×

Vor 45 Jahren: Rintelner „Sorgenkind“ musste des Öfteren gerettet werden

Klippenturm: Zukunft einst unsicher

Rinteln (lau). „Wer wandert heute noch hinauf zum Klippenturm? Ja, wenn man mit dem Auto bis hinauf fahren könnte! Aber so?“ Mit dieser Passage machte unsere Zeitung vor 45 Jahren deutlich, dass sich die damals am Klippenturm dringend nötigen Restaurationsarbeiten möglicherweise gar nicht mehr lohnen würden und eine Schließung des heutigen Rintelner Wahrzeichens „unumgänglich“ wäre.

veröffentlicht am 04.07.2011 um 00:00 Uhr

Nicht nur aufgrund mangelnden Interesses seitens der Bevölkerung, sondern auch wegen mangelnder finanzieller Mittel schien eine Schließung des 1889 eingeweihten Gemeinschaftsprojekts der Rintelner Bürger bevorzustehen.

„Der Verschönerungs-Verein Rinteln hat sich in den fast 90 Jahren seines Bestehens um die Förderung der heimatlichen Belange [...] hochverdient gemeint“, so der Wortlaut im Artikel des Jahres 1966. Ein Beispiel dafür sei der zweimal verlängerte Pachtvertrag für den Klippenturm, nach dessen Ablauf „sich der Verein [im Jahre 1956] am Ende seiner Kräfte“ gesehen habe.

Dennoch nahm sich der Verschönerungs-Verein Rinteln (VVR) erneut des Projekts an und brachte in einer Sammelaktion „die beträchtlichen Kosten der unumgänglichen Renovierung“ auf, wurde in der Jubiläumsausgabe für die Jahre 1878 bis 2003 des VVR berichtet.

1968 waren die Vorarbeiten der Restauration geleistet – dank zahlreicher Spenden war eine Summe von 32 706 DM für die Baukosten zusammengekommen. Ein Jahr später, bei der Wiedereröffnung, ließ sich noch nicht erahnen, dass bereits 1976 eine erneute Schließung des Klippenturms angekündigt werden sollte.

Diesmal überstiegen die Kosten eines Neubaus von Sanitäranlagen, die Sicherung des Bodens durch Betonlager, die Verkleidung der Wände mit Rigipsplatten, die neue Isolierung des Dachs und einige andere Arbeiten deutlich die Mittel des VVR, so der Rückblick im VVR-Heft zum 125-jährigen Bestehen. Weiter hieß es, dass nach Abschluss der Renovierungsarbeiten, die durch Stadt und Kreis mit „hohen Summen“ unterstützt wurden, sich niemand bereit erklärt hatte, die Folgekosten zu tragen.

„Schließlich wurde die Finanzierung doch gesichert, als sich der damalige Landkreis Schaumburg-Lippe bereit erklärte, einen Zuschuss von 25 000 DM beizusteuern“, schließt der Artikel des VVR. Wenige Monate nach der Fertigstellung aller Arbeiten und der Wiedereröffnung des Turms wurden 1977 erstmals die neu installierten Scheinwerfer eingeschaltet, mit denen der Turm bis heute jeden Abend beleuchtet wird. Seither hatte das „Sorgenkind Klippenturm“, wie es vor einigen Jahrzehnten vom VVR betitelt wurde, keine erneute Schließung zu befürchten.

Erst vor wenigen Tagen zeigte der VVR abermals sein Engagement, als er auf der höchsten Aussichtsplattform des Klippenturms ein Aussichtsschild anbringen ließ. Dadurch ist es dem Besucher nun möglich, das, was er sieht, auch zu benennen.

Jörg Riechert, Inhaber der Klippenturm-Gastwirtschaft, freut sich über das Aussichtsschild und erklärte bei dessen Einweihung, dass die Besucherzahlen oft wetterabhängig sind. Während früher häufig Kurgäste aus Bad Eilsen den Weg zum Klippenturm zurücklegten, findet sich heute überwiegend eine „aktive Stammkundschaft“ in der Gastwirtschaft ein.

Um die Vielzahl der Stammkunden zu verdeutlichen, deutet der Wirt auf das Regal über der Theke. Auf dem überfüllten Regal befindet sich hinter kleinen Namensschildchen das persönliche Bierglas jedes Einzelnen. „Wir müssen unser Regal bald vergrößern“, scherzt der Wirt über die zunehmende Kundschaft. Auf die Frage, ob sich das Geschäft lohnt, antwortet der Inhaber: „Millionär wird man hier nicht, aber man kann davon leben – sonst würde ich es nicht schon 20 Jahre lang machen.“



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige