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Fünf Monate nach dem Bericht: Paderborner Modell in Porta Westfalica?

„Keine negativen Aspekte gefunden“

Bückeburg (bus). Als der Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung im November des vergangenen Jahres im Le-Theule-Saal des Bückeburger Rathauses eine Informationsveranstaltung zur Einführung des sogenannten Paderborner Modells veranstaltete, äußerten die Organisatoren heftige Enttäuschung über die geringe Resonanz auf ihre Einladung. „Von 47 angeschriebenen Personen hat sich eine angemeldet und 46 haben nicht abgesagt“, monierte die Vereinsvorsitzende Monika Hachmeister das Verhalten der Adressaten. Vier Vereinsvertretern saßen gerade einmal fünf Lokalpolitiker gegenüber.

veröffentlicht am 13.04.2011 um 00:00 Uhr

Das mehrheitliche Ignorieren der Einladung komme einem „Ding der Unmöglichkeit“ gleich, führe aber gleichzeitig deutlich den geringen Stellenwert des Tierschutzes hierzulande vor Augen, klagte die Vorsitzende seinerzeit.

Während der aktuellen Hauptversammlung der Tierschützer zeichnete sich indes so etwas wie ein Silberstreif am Horizont ab. Hachmeister berichtete, dass das Paderborner Modell mittlerweile in 36 Kommunen zur Anwendung komme. Und Marc Weber, der für Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Porta Westfalica sitzt, teilte mit, dass in der westfälischen Nachbargemeinde die Einführung als sehr wahrscheinlich betrachtet wird. Ein entsprechender Antrag sei in einer gemeinsam mit der SPD organisierten Arbeitsgemeinschaft vorbereitet worden.

„Wir haben keine negativen Aspekte gefunden“, sagte der Lokalpolitiker, nichts Vernünftiges spreche gegen das Modell. „Ich bin optimistisch, dass die Einführung in der nächsten Ratssitzung beschlossen wird.“ Damit wäre Porta Westfalica die erste Kommune ringsum, die dem Paderborner Vorbild folge. „Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machen würde“, merkte Hachmeister an.

„Vor zwei Jahren hatte ich das erste Mal 19 andere Tierschutzvereine bei uns zu Gast und wir haben damals beschlossen, für diese Verordnung zu kämpfen, weil wir alle davon betroffen sind“, rief die Vorsitzende während der aktuellen Versammlung in Erinnerung. Die Zahl der sich unkontrolliert vermehrenden Katzen sei in der zurückliegenden Zeit „regelrecht explodiert“. Experten zeichneten für die Zukunft eine Horrorvision. „Wenn wir jetzt nichts unternehmen, werden wir in fünf Jahren eine Situation haben wie in Spanien oder der Türkei. Die Katzen werden hier die Straßen bevölkern wie dort die Hunde.“

Nach Hachmeisters Darstellung hat der Tierschutzverein Bückeburg-Rinteln und Umgebung in der Zeit von November 2010 bis März 2011 in den angeschlossenen Kommunen 154 Katzen eingefangen und kastrieren lassen. Die Vorsitzende: „Wir haben Anträge bei allen Kommunen gestellt, haben mit diesen an einem Runden Tisch gesessen, Gespräche mit dem Landkreis geführt, Aktionen mit Ständen organisiert, aufklärende Flyer verteilt und in der Presse Aufklärungsarbeit geleistet – leider alles mit mäßigem Erfolg.“

Die Kommunen hätten die Angelegenheit an die Zuständigkeit des Landkreises verschoben und dieser wiederum an das Landwirtschaftsministerium. Als einziges Gemeinwesen habe die Stadt Bückeburg einen Zuschuss von 2500 Euro zur Begleichung der Kastrationskosten gewährt. „Vielleicht ist Porta Westfalica die erste Kommune, die verstanden hat, wie wichtig es ist, jetzt zu handeln“, drückte Hachmeister ihre Zuversicht aus. „Denn ansonsten dümpelt die ganze Geschichte einfach so vor sich hin.“

Das Paderborner Modell sieht vor, dass Halter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, das Tier zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochip kennzeichnen lassen. In der Paderstadt und mehreren anderen Städten ist das offiziell als „Maßnahme zur Eindämmung der unkontrollierten Vermehrung herrenloser Katzen“ bezeichnete Modell per ordnungsbehördlicher Verordnung umgesetzt worden.



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