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Nach Jungfernfahrt auf Doktorsee planen U-Boot-Kapitäne Tauchgang in Lettland

Jetzt geht’s auf Schatzsuche

Weserbergland. Den Schatz des Urgroßvaters mit einem eigens gebauten U-Boot bergen? Das klingt nach Märchenstoff. Und auch ein bisschen verrückt. Doch während Jules Verne mit seinem fiktiven U-Boot „Nautilus“ nur vor sich hin träumte, macht Stephan Torster seinen persönlichen Märchenstoff wahr. Der 43-Jährige will gemeinsam mit seinem Kumpel Lars Wienckowski einen alten Familienschatz bergen.

veröffentlicht am 18.06.2014 um 00:00 Uhr

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Derzeit liegt die kleine Schatulle am Boden eines Sees in der lettischen Stadt Madona. Torsters Urgroßvater hatte den Schatz dort versenkt, um ihn zu sichern. „Meine Familie lebte seit dem 17. Jahrhundert in Lettland“, sagt der Unternehmensberater. Im Jahr 1939 habe die Familie das Land verlassen und nach Deutschland übersiedeln müssen. „Sie gingen aber davon aus, dass sie wiederkommen würden“, beschreibt Torster seine Familiengeschichte, wie sie ihm Großeltern und Eltern überliefert haben. Doch der Schatz blieb am Boden des Sees liegen.

„Darin ist Schmuck“, sagt Torster, „Broschen zum Beispiel.“ Der ideelle Wert liege aber vermutlich weit über dem materiellen.

Am 1. Juli soll es für die beiden Jugendfreunde, die im Sünteltal aufwuchsen, losgehen: Begleitet von einem NDR-Team, wird das U-Boot auf einen Anhänger geladen und – voraussichtlich – nach Lübeck gefahren. Von dort soll es dann per Fähre ins lettische Ventspils gehen und auf der Straße weiter nach Madona. In einem angrenzenden See soll der Schatz noch immer liegen.

Auch wenn das Boot theoretisch bis zu einer Tiefe von 400 Metern tauchen kann, wird es diesmal nur auf 15 Meter runtergehen. „Wir werden sicher mehrere Tage brauchen, um die Schatulle zu finden“, prophezeit Torster. Denn jeder Tauchgang sei auf eine halbe Stunde begrenzt. Für die Schatzsuche haben sich die beiden maximal einen Zeitraum von 14 Tagen genommen. Zunächst wollen sie mit einem Metalldetektor von der Oberfläche aus nach dem Kästchen suchen. Zum eigentlichen Bergen des Schatzes müssen die beiden dann allerdings in Tauchermontur steigen – denn einen Greifarm zum Erfassen der Schatulle hat das U-Boot nicht.

Als Training für den großen Einsatz haben die beiden in den letzten Wochen mehrere Testläufe gemacht – in verschiedenen Seen in den Räumen Springe und Nordhausen.

Wo genau, verraten sie nicht. Und auch das U-Boot wurde speziell präpariert. „Wir haben eine zusätzliche Luke nach oben hin eingebaut“, erklärt Torster, „damit wir beim Auftauchen nicht ein Boot treffen“.

Hat Torster das U-Boot nur gebaut, um den Schatz bergen zu können? „Nein, das war nicht der Grund“, sagt er. Den beiden geht es vor allem um den Spaß.

Das U-Boot steht derzeit in einer Garage in Eldagsen – wo Wienckowski mittlerweile lebt. Der 42-Jährige ist quasi der „technische Part“ des U-Boot-Teams: Er hat früher Schiffbau beim Hamelner Unternehmen Reintjes gelernt. Gemeinsam hatten die Männer im April 2013 das erste Modell namens „Keto“ fertiggestellt, im Sommer entstand das zweite Modell namens „Comet“.

Nach einem Schwimmversuch im Mittellandkanal ging es vergangenen November auf einen ersten Tauchgang auf zweieinhalb Meter im Rintelner Doktorsee. Um auf Nummer sicher zu gehen, haben die beiden Hobby-Taucher ihr Boot in einer Druckkammer in der Nähe von Dresden testen lassen – auf einen Druck, der einer Tiefe von 100 Metern entspricht.

Längerfristig würden die beiden ihr U-Boot auch gerne gewerblich nutzen. Dafür wären allerdings noch weitere Auflagen zu erfüllen und eine TÜV-Abnahme erforderlich.



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