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Symbol weist Pilgern den (Jakobs-)Weg und gilt unter Christen als Zeichen der Barmherzigkeit

Immer der Muschel nach

Immer noch sind in der Eingangshalle von Schloss Hämelschenburg die beiden Jakobsmuscheln zu besichtigen, die in die Sandsteinwand modelliert wurden. Zwischen ihnen befindet sich eine Durchreiche. „Die Jakobsmuscheln sind ein christliches Symbol der Barmherzigkeit und stammen aus der Zeit um das 16. bis 17. Jahrhundert. Eigentlich kennzeichnet die Muschel den Jakobsweg, hier ist sie allerdings allein als Symbol der Barmherzigkeit angebracht“, erzählt Schlossherr Lippold von Klencke. „Wir haben im Schloss zwar eine sogenannte Pilgerhalle, aber dort fand regelmäßig eine Armen- und keine Pilgerspeisung statt. Die Bedürftigen aus dem Dorf und der Umgebung konnten kommen und sich kostenlos versorgen.“

veröffentlicht am 24.10.2014 um 06:00 Uhr

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Als Jakobsweg wird eine Anzahl von Pilgerwegen durch ganz Europa bezeichnet, die alle das angebliche Grab des Apostels Jakobus im spanischen Santiago de Compostela zum Ziel haben. Eine der Routen, die Via Scandinavica, verläuft vom Norden, an Celle, Hannover und Hildesheim vorbei, hinab in den Süden.

Der Name Jakobsmuschel bezieht sich auf eben diesen heiligen Jakobus, der zum Schutzpatron der Pilger wurde. Er erhielt die Jakobsmuschel als Erkennungszeichen erst nach seinem Tod. Die christlichen Pilger des Mittelalters benutzten die Jakobsmuschel zum Wasserschöpfen, als Pilgerzeichen am Hutband oder Gürtel getragen. Die Muschel ist dabei mehr als nur ein Souvenir. Nach der Rückkehr in die Heimat sichert sie ihrem Träger, der den langen und beschwerlichen Weg geschafft hat, hohes Ansehen.

Die echte Jakobs- oder Pilgermuschel lebt im Mittelmeer. Eine Schwesterart ist von den Britischen Inseln entlang der gesamten atlantischen Küste bis nach Südportugal verbreitet. Die beiden Arten gehören zu den größten und schmackhaftesten essbaren Muscheln. Ihre Schale hat eine regelmäßige Zeichnung mit 12 bis 17 Rippen, welche auch als archetypische Form einer Muschel gesehen wird. Erwachsene Tiere haben für gewöhnlich eine Größe von 10 bis 15 Zentimetern, können aber auch bis zu 20 Zentimeter groß werden.

„Pilger besuchen das Schloss Hämelschenburg erst regelmäßig, seitdem es den Pilgerweg Loccum–Volkenroda gibt“, meint von Klencke. Dieser Pilgerweg verbindet die ehemaligen Zisterzienserklöster Loccum in Niedersachsen und Volkenroda in Thüringen. Der Pilgerpfad passiert dabei die Orte Hameln, Stadtoldendorf, Uslar und Heiligenstadt auf einer Gesamtstreckenlänge von 300 Kilometern. Er führt entlang der Weser, der Leine und der Unstrut. Im Verlaufe des Weges wird auch die ehemalige innerdeutsche Grenze überquert. Die evangelische Landeskirche eröffnete den Weg im Jahr 2005. Entlang des Weges finden sich zahlreiche Klosterruinen und Klöster, die heute unterschiedlichen Konfessionen repräsentieren. Der Weg ist mit Wegmarken beschildert und in 17 Tagesetappen unterteilt.

„Im Sommer kommen hier fast täglich Pilger durch. Große Wanderrucksäcke sind ein gutes Indiz, um Pilger zu erkennen. In ärmlicher Kleidung läuft keiner mehr rum. Im Fokus der Pilger stehen unterschiedliche Dinge. Manche sind besonders am Schloss interessiert, andere an der Kirche und einigen ist auch einfach nur am Wandern gelegen“, sagt der Schlossherr.

Im Schloss Hämelschenburg können Pilger, die sich auf den Weg machen, um durch das Weserbergland zu ziehen, nicht übernachten. Eine Unterkunftsmöglichkeit findet sich im 6,5 Kilometer entfernten Ort Lüntorf. Vor Ort können die Besucher – nach Anmeldung – an einer Andacht in der Kirche auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten teilnehmen, sich einen Pilgerstempel abholen oder bei einer speziellen Führung zur christlichen Geschichte des Rittergutes dabei sein.



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