weather-image
20°
×

Wer selbstständig sein will, braucht Durchhaltevermögen – und Know-how

Ihr eigener Chef

Jede Menge Know-how, eine gute Idee und vor allem Mut sind die Zutaten für den erfolgreichen Schritt in die Selbstständigkeit. Auf die Gründerpersönlichkeit kommt es dabei ebenso an wie auf eine intensive Vorbereitung und Planung. Schließlich ist der Weg zum eigenen Unternehmen kein Sonntagsspaziergang. Die richtige Beratung unterstützt angehende Existenzgründer dabei, Hürden zu überwinden und Klippen zu umschiffen.

veröffentlicht am 25.01.2014 um 00:00 Uhr

Der Anfang war schwer, aber all die Mühe, die schlaflosen Nächte haben sich ausgezahlt. Für Rosa Stehle steht fest, mit der Gründung ihres Ambulanten Pflegedienstes in Obernkirchen den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Stehles Idee: Mehr Zeit und Raum für einen menschlichen Umgang mit den Patienten.

Seit November 2011 steht die 51-Jährige auf eigenen Füßen, ist mittlerweile wirtschaftlich gut aufgestellt und trägt nicht nur die Verantwortung für ihre sechs Mitarbeiter, sondern auch für fast 40 Pflegebedürftige – mit und ohne ausländische Wurzeln –, ihre „Kunden“, wie Rosa Stehle sagt.

Stehle ist einer von 350 000 Menschen, die jedes Jahr in Deutschland den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. In Schaumburg sind im Jahr 2008 1163 neue Gewerbe angemeldet worden, 2012 waren es 917 Neugründungen.

Die Schwankungen in der Zahl der Existenzgründungen seien vor allem abhängig von der konjunkturellen Entwicklung, erklärt Martin Wrede, Leiter der Stadthäger Geschäftsstelle der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover. Wer einen langfristig sicheren Arbeitsplatz hat, gehe das Risiko der Unternehmensgründung nicht ein. Im Umkehrschluss heißt das: Sind die konjunkturelle Lage im Land und die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt negativ, sehen mehr Menschen eine Chance in der Selbstständigkeit. So sei die Gründung des eigenen Betriebs als Alternative zur drohenden Arbeitslosigkeit der Regelfall im Gegensatz zur klassischen Existenzgründung eines Unternehmers, „der eine gute Idee hat, an die er glaubt und von der er denkt, dass er langfristig von ihr leben kann“, sagt Wrede.

Eine konkrete Geschäftsidee haben, die schon lange im Kopf gereift ist – das ist auch für Anja Gewald vom Zentrum für Unternehmensgründung und -sicherung im Landkreis Schaumburg (ZUG) die Voraussetzung für eine erfolgreiche Gründung. Die Nachfrage nach den monatlich veranstalteten Orientierungsvorträgen, die das ZUG für Gründer anbietet, sei in den vergangenen Jahren etwas gesunken, dafür würden sich die angehenden Unternehmer, die aktuell zu den Vorträgen kommen, durch ihre gute fachliche Qualifikation und Vorbereitung auszeichnen. Vorbereitung, das heißt für Gewald und Wrede, dass sich die Gründer darüber bewusst werden, ob sie sich das Arbeiten und Leben als selbstständiger Unternehmer mit allen Risiken überhaupt vorstellen können. Außerdem spielen nicht nur die fachlichen Qualifikationen, sondern auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse eine große Rolle. Unternehmer sollten ihre Zahlen kennen und wissen, ob ihr Betrieb gut aufgestellt ist. Vor jeder Gründung sei daher zu überlegen: „Brauche ich weiteres Know-how und Zusatzqualifikationen?“, sagt Gewald und verweist auf entsprechende Kurse von Volkshochschule, IHK und Handwerkskammer.

Dass kaufmännisches Wissen für die Unternehmensführung zwingend notwendig ist, hat auch Rosa Stehle erfahren. So habe sie in den ersten Monaten als Unternehmerin schnell festgestellt, dass ihr wichtige betriebswirtschaftliche Kenntnisse fehlen. Um besser mit Buchhaltung und Büroarbeit klarzukommen, absolvierte die gelernte Altenpflegerin und Pflegedienstleiterin an den Wochenenden eine Weiterbildung als Heimleiterin. Und ließ sich langfristig von ihrer Steuerberaterin betreuen.

Die zweite Frage, die angehende Gründer unbedingt für sich beantworten müssen, ist nach Auskunft Gewalds und Wredes die nach der Konkurrenz. „Warum sollten die Kunden zu mir und nicht zu anderen kommen? Was unterscheidet mich von der Konkurrenz, was ist das Alleinstellungsmerkmal meiner Idee?“, fasst Wrede die Kernpunkte der Markt- und Konkurrenzanalyse zusammen.

Außerdem sollten Gründer zuvor unbegingt geklärt haben, ob sie tatsächlich von ihrer Geschäftsidee langfristig leben können, also, ob ihre Geschäftsidee eine tragfähige Existenzgrundlage auch für die Zukunft ist. „Dabei sollte auch an die private Altersvorsorge gedacht werden“, gibt Wrede zu bedenken.kcg



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige