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Zum 130. Geburtstag: Karl Valentin war Meister der ungewöhnlichen Wortwahl

Idol vieler Komiker-Generationen

Karl Valentin, Münchner Komiker, Sohn eines Ehepaares – so beschrieb sich einer der erfolgreichsten, vor allem aber einflussreichsten deutschen Komiker des 20. Jahrhunderts einmal kurz und knapp selber.

veröffentlicht am 04.06.2012 um 00:00 Uhr

Valentin Ludwig Frey, so sein richtiger Name, wuchs als Einzelkind in einem Münchner Vorort auf. Die Schulzeit war für ihn pure Verschwendung – er empfand es als „siebenjährige Zuchthausstrafe“. Danach begann er eine Schreinerlehre, sie sollte ihm später die Möglichkeit geben, seine Bühnenbilder allesamt selber zu bauen.

Schon im Alter von 16 Jahren begannen seine ersten Bühnenauftritte. Zunächst auf Vereinsversammlungen, später tourte er durch ganz Deutschland – ohne Erfolg. Kurz vor dem finanziellen Ruin gelang ihm 1908 dann der Durchbruch. Im „Frankfurter Hof“ in München füllte er regelmäßig den Saal, und dort sollte er auch auf eine Person treffen, ohne die sein künstlerisches Schaffen wohl undenkbar wäre: Liesl Karstadt. Mit ihr bildete er fast 30 Jahre bis zu seinem Tod 1948 eines der berühmtesten Komikerduos des 20. Jahrhunderts.

Mit dem Beginn der Stummfilmzeit war auch Valentin ganz vorne mit dabei. Er war davon fasziniert und begann auch bald, eigene Filme zu drehen – mit großem Erfolg. In den 1920er Jahren erlebte er seine erfolgreichste Zeit, er war finanziell abgesichert, und aufgrund seiner hageren, dürren Gestalt und seines ungewöhnlichen Wortwitzes bekam er sogar Angebote aus Hollywood, die er allerdings ablehnte.

Karl Valentin war Vorbild für Bertold Brecht, Loriot oder Helge Schneider. Für Brecht, mit dem ihn eine enge Freundschaft verband, war es unverständlich, dass Valentin nicht den Ruhm eines Charlie Chaplin erlangte. Und Kurt Tucholsky war begeistert von ihm: „Er ist ein seltener, trauriger, unirdischer, maßlos lustiger Komiker.“ Vieles, was er auf der Bühne aufführte, drehte sich um die alltäglichen Probleme, sei es mit Behörden oder Mitmenschen. So hatte er auch selber des Öfteren damit zu kämpfen. 1931 eröffnete er sein eigenes Theater, das er nach acht Wochen wieder schloss. Er beharrte darauf, einen Sketch mit einem brennenden Zigarettenstummel zu spielen, doch die strengen Brandschutzauflagen verboten es ihm. Da er den Sketch trotz aller Beschwerden nicht zeigen durfte, schloss er das Theater wieder.

Mit seinem besonderen Humor, der ihn auszeichnete, war Valentin auch wegen seiner großen Sprachgewandtheit so erfolgreich. Der Valentinsche „Sprachanarchismus“ war das Besondere an seinen Sketchen und Stücken.

Während die dreißiger Jahre auch noch recht erfolgreich für den Komiker verliefen, war seine Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg so langsam abgelaufen. Nicht nur er, der durch den Krieg umso pessimistischer auf die Welt blickte, auch das Publikum hatte sich verändert. Der düstere, melancholische Humor Karl Valentins war nicht mehr angesagt, die Deutschen brauchten Ablenkung vom erlebten Trauma des Kriegs.

Bis er 1948 starb, wechselten sich zeit seines Lebens die Erfolge immer wieder mit Niederlagen ab. Nach seinem Tod dauerte es auch bis in die 1960er Jahre hinein, bis das Interesse an seinem Leben und seinen Werken wieder wuchs. Heute wird sein Wortwitz sogar in der Schule behandelt – genau der Ort, den er eigentlich immer am meisten gehasst hatte. az



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