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Über Gedanken zum Alter, zu Problemen, Chancen und warum die 40 doch ganz toll werden könnte

Ich werde 40! Was nun?

Mit dem Jahreswechsel ist sie da, auf einmal wird sie real, realer und dann wird sie endgültige Realität sein: die Vier. Und es ist nicht irgendeine vier, sondern die Zahl in meinem Alter, und sie steht vorne. Ja, ich werde in diesem Jahr 40.

veröffentlicht am 11.01.2020 um 07:00 Uhr
aktualisiert am 04.08.2021 um 15:39 Uhr

Jens-Thilo Nietsch

Autor

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Mit dieser Realität muss ich mich abfinden. Gestern noch 18 gewesen, darf ich (schon länger) Altherren spielen, im Bedarfsfall sogar Altliga, also noch eine Generation weiter versuchen den Ball ins Tor zu hämmern. Was mache ich mit dieser Zahl? Zwischenbilanz ziehen von meinem bisherigen Leben? Was habe ich erreicht, was habe ich verpasst? Könnte ich viel weiter sein? Eine Standortbestimmung vornehmen? Mich neu ausrichten? Oder einfach weiter leben als wäre nichts passiert, als hätte ich diese magische Marke an Lebensjahren zwar zur Kenntnis genommen, ihr aber ihre Wichtigkeit abgesprochen?

Um ehrlich zu sein, ich weiß es nicht, stehe noch ratlos vor dem Oktober, in dem diese 40 dann vollzogen wird. Das Knacken im Körper an verschiedenen Stellen ist seit dem 30. Geburtstag schon nichts neues mehr, ist altbekannt. Auch das man nicht mehr so feiern kann wie mit 20, geschenkt, längst akzeptiert. Die Frage ist: was kommt als nächstes? Welche Wehwehchen kommen nach dieser Zeitenwende?

Beim Schreiben dieses Textes fällt auf, es werden mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben werden können. Aber ist das nicht normal? Nennt man das vielleicht Leben? Schon wieder Fragen. Lust und Gier auf Antworten wachsen. Nur geben wird sie mir keiner können, die Erfahrungen muss man selbst machen, auch das nennt man wohl Leben. Vielleicht ist es besser, nicht immer fragend durch die Welt zu gehen und Antworten einfach auf sich zu kommen zu lassen.

Jedes Alter hat seine Zeit, wie man so schön sagt. Auch mittlerweile abgedroschene Phrasen wie „40 ist das neue 30“ könnte man anbringen. Im Kern haben diese Aussagen auch ein Stück Wahrheit, ohne Grund werden sie nicht ausgesprochen worden sein. Vielleicht könnte die 40 auch Anlass sein, ein neues Lebensmotto zu proklamieren, also doch eine Neuausrichtung zu starten.

Wenn man schon wenige Antworten bezogen auf den weiteren Lebensweg bekommt, könnte man ja versuchen, diesen Weg spannend zu gestalten. Zwar ohne vorige Erkenntnisse über mögliche Ereignisse, aber im Sinne von: „Hey, mal gucken, was so kommt“. Ein völlig neuer Ansatz offenbart sich, der immer interessanter wird, je länger man darüber nachdenkt.

Der Satz „warum nicht vorher so“ dreht sich in ein „dafür aber jetzt und mehr davon“. Die Zahl 40 fängt plötzlich an Sinn zu machen, transformiert sich quasi von einem Problem in eine Chance, statt einer Mauer, deren Steine sinnbildlich für Probleme standen, offenbaren sich Wege zu neuen Zielen und Möglichkeiten, die es auszuschöpfen gilt.

Plötzlich sprengt sich ein Satz eines alten Lehrers in meine Gedanken, den ich vorher stur und beständig ablehnte: „Man muss es halt nur machen“. Verspäteter Dank und Anerkennung werden zum alten Lehrer gesendet, empfangen wird er sie leider nicht mehr.

Also könnte man nach den bisher geschriebenen Zeilen zu folgender Feststellung kommen: Jede Altersgrenze bietet Chancen, man muss halt versuchen herauszufinden welche. Und offenbar scheint es sich zu lohnen, sich Mühen zu machen, sich auf den Weg zu machen, sich vielleicht neu zu erfinden. Beispiele aus dem Bekanntenkreis zeigen das in genug Fällen. Berufliche Veränderungen, räumliche Veränderungen, hier und da mal was in der Lebensführung überdenken und vor allem auch umzusetzen. Den meisten hat es gut getan.

Und wieder paart sich ein Satz mit diesen Gedankenspielen, besser gesagt eine Liedzeile: „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Oft genug mitgesungen in unterschiedlichen geistigen Zuständen, aber beachtet dann doch nur wenig, um ehrlich zu sein. Könnte man ja mal ändern. „Man muss es halt nur machen“.

Danke lieber Lehrer, der Blick geht gen Himmel. Nun bin ich also gespannt. Positiv gespannt auf diesen Oktober 2020 und die Jahre, die nach dem 40. Geburtstag dann noch so kommen mögen. Das Leben scheint tatsächlich nicht aufzuhören.

Eine Erkenntnis sollte grundlegend sein für alles was war und was noch passieren wird. Ich sollte in erster Linie eins sein: dankbar! Dankbar, dass ich noch da bin. Dankbar, dass es mir insgesamt doch ganz gut geht. Und ich werde mich freuen, auf das, was noch so kommt. Denn das kommt sowieso.



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