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Atemloser Supermann startet fünftes Mission-Impossible-Abenteuer

Hochglanz-Action mit Tom Cruise

Hameln. Die Eröffnungssequenz ist, wie gewohnt, ein veritabler Aufreger. Tom Cruise alias Ethan Hunt kraxelte im Vorgänger „Mission Impossible – Phantom Protocol“ am 828 Meter hohen „Burj Khalifa“-Wohnturm in Dubai hoch, nun will er noch höher hinaus. Er springt auf ein startendes Transportflugzeug, um von der Seite einzusteigen und die gefährliche Fracht, die es mit sich führt, über Bord zu schmeißen. Wie Hunt aus dieser Nummer herauskommt, zeigt der Film nicht mehr – eine selbstbewusste Frechheit, der man aber nicht böse sein kann. Ihr Zweck ist die Attraktion. Die Szene ist kurz, knackig, nervenaufreibend und durchaus real vorstellbar. Und sie setzt ein Ausrufezeichen für die nächsten 130 Minuten: Schauwert reiht sich an Schauwert, staunend sitzt man im Kinosessel.

veröffentlicht am 06.08.2015 um 06:00 Uhr

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Bereits im letzten Teil, bei dem sogar der Kreml mit einem gewaltigen Bums in die Luft flog, sah sich der US-Präsident gezwungen, die Existenz des IMF, der „Impossible Mission Force“, zu leugnen. Jetzt beantragt CIA-Director Alan Hunley vor einer siebenköpfigen Kommission sogar die Auflösung des Geheimdienstes – er sei nicht mehr zu kontrollieren. Hunt ist also erneut auf sich selbst gestellt, nur der Computerfreak Benji Dunn (Simon Pegg), der undurchsichtige William Brandt (Jeremy Renner) und der füllige Luther Stickell (Ving Rhames) stehen ihm wieder zur Seite. Und er hat ihre Hilfe bitter nötig: Eine internationale Terror-Organisation, kurz „Das Syndikat“ genannt, macht sich die Verwirrungen der Globalisierung zunutze. Bankenkrisen, verschwundene Passagierflugzeuge, Militärputsche – all das geht, Hunt zufolge, auf ihr Konto. Und er ist dem Mastermind des Syndikats auch schon unsanft begegnet: Solomon Lane.

Es beginnt ein Wettlauf rund um den Globus, mit beeindruckenden Actionsequenzen und exotischen Schauplätzen, es geht von Wien über Casablanca nach London. Als liebevolle Hommage an Hitchcocks „Der Mann, der zuviel wusste“ (1956) ist die Aufführung von Puccinis „Turandot“ in der Wiener Staatsoper gedacht. Beim hohen C der berühmten Arie „Nessun Dorma“ soll ausgerechnet der österreichische Bundeskanzler erschossen werden. Eine klug konzipierte Jagd erschließt die Topografie der hinteren Bühnentechnik mit auf- und absteigenden Galerien und schmalen Übergängen, verdeckenden Vorhängen und rettenden Seilen. Die Arie ist mit Bedacht gewählt, geht es in ihr zwar um Liebe und Hoffnung, vor allem aber um Geheimnisse und falsche Identität: „Il mio mistero é chiuso in me!“ Denn was führt die schöne Attentäterin Ilsa im Schilde? Eine Handlangerin Lanes? Oder bietet sie Hunt ihre Dienste an?

„Mission Impossible – Rogue Nation“ ist vor allem ein Film über Vertrauen und Allianzen, die sich stets neu beweisen müssen. Die ständige Überwachung über Satellit und Internet wird nicht problematisiert, sondern mit blinkenden Computergrafiken als zusätzliche Attraktion angeboten; dass ein Geheimdienst sich völlig der Kontrolle der politischen Führung entzieht, ist Regisseur Christopher McQuarrie, der mit Tom Cruise schon bei „Jack Reacher“ und als Autor bei „Edge of Tomorrow“ zusammenarbeitete, nur ein neckischer Kommentar wert: „Desperate times – desperate measures.“

Während die Handlung manchen doppelten Boden bereithält und immer komplizierter wird, konzentriert sich die Inszenierung auf die Actionsequenzen. Sie verweisen auch immer auf die Reihe selbst, weil sie in abgewandelter Form reizvoll zitiert werden. So entspinnt sich in Marokko eine angenehm altmodische Verfolgungsjagd mit zwei Autos und mehreren Motorrädern über Stock und Stein, Treppen und Geländer, die mit einer originellen Anti-Klimax zum Stillstand kommt. Dass die Verfolgungsjagd keinen dramaturgischen Zweck erfüllt, ändert nichts an ihrem hohen Unterhaltungswert. Selbstverständlich gibt es auch die obligatorische Einbruchs-Sequenz, diesmal unter Wasser, mit überraschendem Effekt: Wegen der Schwerelosigkeit erinnert sie ein wenig an die Reparatur-Arbeiten im Weltraum aus „Gravity“. Die Spannung entsteht dadurch, dass Hunt nur drei Minuten die Luft anhalten kann – Missgeschicke nicht eingeplant. Dass Tom Cruise mal die Puste ausgehen könnte, ist angesichts seiner immer noch bewundernswerten Körperbeherrschung eine originelle Pointe. So viel Selbstironie muss sein.

„Mission Impossible – Rogue Nation“ läuft täglich im Cinemaxx um 14.40, 17.20, 20, freitags und samstags auch um 22.30 Uhr.



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