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Brückentor in Lügde / Wehrturm aus dem 13. Jahrhundert

Historischer Zugang zur Stadt

Das Brückentor war Jahrhunderte hindurch einer der historischen Zugänge der Stadt Lügde, wovon noch heute der alte Wehrturm zeugt. Er stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist früher auch als Gefängnis genutzt worden. Vor dem Turm, direkt an der alten Brücke, stand ein großes Torhaus, das allerdings schon 1873 abgerissen wurde. Südlich neben dem Turm ist in der Vergangenheit oft Viehmarkt abgehalten worden, wovon noch heute in der Stadtmauer eingelassene Eisenringe zeugen, an die das zu verkaufende Vieh angebunden worden ist.

veröffentlicht am 13.07.2015 um 06:00 Uhr

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Der Turm war auch Schauplatz vieler Wetten, zum Beispiel als um 1920 einige junge Männer ein Tauziehen gegen ein damals berühmtes Pferd namens „Nero“ austrugen. In der Emmer am Brückentor haben Generationen Wäsche gewaschen und sie anschließend auf der Wiesenfläche neben dem Stadtturm getrocknet. Durch das mehrfache Begießen wurde die Wäsche gebleicht, weshalb die Fläche „Bleiche“ hieß. Viele ältere Einwohner berichten noch heute davon, dass sie in ihrer Kindheit die Wäsche regelmäßig begießen und aufpassen mussten, dass keine Enten drüberliefen.

Nachdem die Ratsherren 1910 beschlossen hatten, im Rathaus die Sparkasse mit unterzubringen, ließen sie ein Spritzenhaus am Brückentor errichten, das die Hausnummer 402 erhielt. Nach jedem Einsatz der Feuerwehr mussten die Schläuche am alten Stadtturm zum Trocknen aufgehängt werden. 1925 wurde ein Schlauchturm angebaut. Im Spritzenhaus wurden zunächst auch die Gerätschaften und kleine Fahrzeuge der städtischen Arbeiter abgestellt und aufbewahrt, was auf Dauer allerdings zu eng war. Deshalb ließ die Stadt 1924 neben dem Spritzenhaus ein Wohnhaus mit Lagerschuppen erbauen – später der Neue Wall 1. Noch vor der Fertigstellung des Hauses ging das Bauunternehmen, das die Arbeiten übernommen hatte, in Konkurs und der Lügder Bauunternehmer Ferdinand Hartmann stellte das Haus fertig.

Unten im Haus befand sich ein großer Lagerraum für die Gerätschaften und Fahrzeuge. Das waren die ersten Anfänge des städtischen Bauhofes. Oben im Haus befanden sich zwei Wohnungen, von denen eine an Bürger – wie lange Jahre die Familie Spilker – vermietet war und die andere vom Vorarbeiter des Bauhofes bewohnt wurde. Bis in die 1980er Jahre wohnte der ehemalige Vorarbeiter Albert Wennemann in dem Haus, der an der Stadtmauer einen wundervollen Blumengarten hatte.

Mit der Zeit genügte das Spritzenhaus nicht mehr den modernen Ansprüchen und es herrschte Platznot. Deshalb wurde 1980 der Grundstein für ein neues Feuerwehrhaus an der Straße Unter den Klippen gelegt, das 1982 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Nachdem das alte Spritzenhaus nun leer stand, wurde im Rahmen der Stadtsanierung über den Abriss desselben sowie des benachbarten Hauses diskutiert. Viele Einwohner waren der Meinung, dass nach dem Abriss der alte Stadtturm besser wirken würde. Wie sich allerdings herausstellte, handelte es sich bei dem alten Spritzenhaus mit dem charakteristischen Schlauchturm um eines der wenigen erhaltenen in Nordrhein-Westfalen, weshalb es als „Erhaltenswert“ eingestuft wurde und an Ort und Stelle verblieb. So konnte am 13. Februar 1989 nur das benachbarte Haus abgerissen werden, nachdem der städtische Bauhof, der inzwischen auf mehrere Standorte verteilt war, in unmittelbarer Nähe in die von der Stadt erworbene alte Marmeladenfabrik Thüringia (ehemals Stadtmühle) untergebracht worden war.

Das alte Spritzenhaus wurde schließlich grundlegend renoviert und am 12. April 1992 als Dechenbegegnungsstätte eingeweiht. Seither dient es den Brauchtumspflegern des Osterräderlaufes als Vereinsheim und hat damit eine würdige Nutzungsänderung erfahren.

Weitere historische Fotos finden Sie unter zeitreise.dewezet.de



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