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Großteil ist untergebracht

Zwei Monate nach Bericht über Asylbewerber: Landkreis sucht weiter Wohnungen

veröffentlicht am 10.04.2013 um 09:34 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 12:59 Uhr

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Stv. Chefredakteur zur Autorenseite

Landkreis. Rund 250 Asylbewerber erwartet Schaumburg 2013. Sie sollen nach Möglichkeit in dezentralen Unterkünften untergebracht werden. Das heißt, sie sollen in privaten Wohnungen, statt in Flüchtlingsheimen wohnen. Über die damit verbundene Suche nach Wohnungen berichtete unsere Zeitung Anfang Februar. Dadurch soll den Flüchtlingen die Integration erleichtert und die Lebensbedingungen in den Heimen verbessert werden.

„Wir konnten schon einige Wohnungen finden und alle Flüchtlinge sind momentan untergebracht“, erklärt Klaus Heimann, Pressesprecher des Landkreises den Stand der Dinge, „doch wir suchen weiter dringend Wohnungen.“

Denn es werden noch viele Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, erwartet. Besonders die Krisenherde in Nordafrika und Asien, wie zum Beispiel Syrien, zwingen immer mehr Menschen zur Flucht. 68 000 Personen flüchteten 2012 nach Deutschland und stellten einen Antrag auf Asyl. Etwa 14 Prozent davon bekamen nach der Genfer Konvention den Status eines Flüchtlings bescheinigt.

Um diesen Menschen aus aller Welt möglichst schnell den Einstieg in die deutsche Gesellschaft zu ermöglichen, setzt man nun vermehrt auf dezentrales Wohnen. Das sei, laut Heimann, ein wichtiger Schritt in Richtung Integration und ausdrücklich so gewollt. Dieses sogenannte „Leverkusener Modell“ sieht vor, Flüchtlinge in Privatwohnungen unterzubringen, statt in großen Asylantenheimen. Dadurch soll das Erlernen der deutschen Sprache erleichtert und die Eigenständigkeit der Asylbewerber gefördert werden.

In Schaumburg, so erklärt Heimann, gibt es derzeit nur noch ein Flüchtlingsheim. „Das brauchen wir allerdings dringend“, betont er. Denn der Kreis müsse schnell reagieren können, um Flüchtlinge sofort zu versorgen. Danach werde möglichst schnell eine eigene Wohnung organisiert. Doch auch wenn weiterhin Wohnungen gesucht werden, Nachholbedarf hat Schaumburg in diesem Punkt nicht. Schon seit längerer Zeit seien über 80 Prozent der Flüchtlinge dezentral untergebracht. Davon können andere Kreise nur träumen, die jetzt erst auf dezentrales Wohnen umstellen.

Doch bei einem anderen landesweiten Trend ist Schaumburg hinterher. Leistungen, auf die Asylbewerber in Deutschland Anspruch haben, wurden hier bisher zum Teil als Gutscheine, zum Teil in Bargeld ausgezahlt.

Ein neuer Erlass ermöglicht nun seit einiger Zeit, dass Kommunen selbst entscheiden, ob sie Leistungen zur Gänze in Bargeld auszahlen möchten. Viele Kommunen sind bereits umgestiegen, nun wird auch in Schaumburg das Modell erneut überdacht. Momentan stehen die Weichen scheinbar auf reine Geldleistungen. Dadurch kann der Verwaltungsaufwand verringert werden und, so erklärt Heimann, eine landesweit einheitliche Regelung sei im Interesse aller.

Die Praxis der Gutscheinvergabe stand schon länger in der Kritik von NGOs und Kirchen. Dort sieht man eine handfeste Diskriminierung und Stigmatisierung der Asylwerber, welche eine Integration erschwert. Vielen Betroffenen sei es peinlich, durch diese Art der Bezahlung gebrandmarkt zu werden. Damit könnte nun auch in Schaumburg bald Schluss sein.



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