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Alte Mooreichen bei Baggerarbeiten gefunden / Verfall nicht mehr aufzuhalten

Graues Relikt aus der Bronzezeit

Engern/Exten (who). Im Schulgarten in Engern direkt neben der Berliner Straße liegt ein grauer verwitterter Baumstamm, der allmählich verfällt und sich in seine Bestandteile auflöst. Würde nicht eine Info-Tafel erklären, was da verrottet, müsste der unbefangene Betrachter annehmen, es handele sich um den Stamm eines ganz gewöhnlichen Baumes, der an dieser Stelle eines Tages umgefallen ist und einfach nur liegen gelassen und vergessen wurde.

veröffentlicht am 29.10.2011 um 00:00 Uhr

Die Tafel, die an ebenso hinfälligen Hölzern befestigt ist, klärt aber auf, dass wir es hier zu tun haben mit einer „gut erhaltenen Mooreiche“, die im Jahr 1989 bei Kiesförderarbeiten in Engern aus sechs Metern Tiefe geborgen worden ist. Sogenannte Mooreichen sind Bäume, die vor Tausenden von Jahren im nassen Untergrund, wie eben Moor oder Kiesschichten an Flüssen wie der Weser, versunken sind und durch Ausschluss von zersetzender UV-Strahlung oder Sauerstoff konserviert wurden.

Unter maßgeblicher Initiative des früheren Engerschen Ortsbürgermeisters Alfred Bressem wurde der urige Stamm als Blickfang und Geschichtszeuge im Schulgarten platziert. Der Fund aus der späten Bronzezeit (um 1200 vor Christus) gehörte seitdem zum Ortsbild, bis er jetzt infolge der Zersetzung mit langer Verspätung den Weg alles Vergänglichen zu Ende gehen wird.

Das gleiche Schicksal steht im Stadtbereich Rinteln noch zwei weiteren Mooreichen bevor, die etwa zur selben Zeit geborgen wurden und die jetzt noch in vergleichsweise gutem Zustand betrachtet werden können als Relikte aus der besagten Bronzezeit. Beide Eichen kamen zu Anfang der 1980-er Jahre ans Tageslicht bei Ausschachtungsarbeiten auf dem Fabrikgelände der Firma Wesergold in Exten. Eine davon liegt heute auf dem neuen Friedhof in Krankenhagen, die andere in Exten nahe der Einmündung der Straße „Im Obernfeld“ in die Mittelstraße. So erklärt Heinrich Harting, ehemaliger Ortsbürgermeister und Vorsitzender des Heimatvereins Exten: Gemeinsam mit anderen Helfern, wie dem Maurer Willi Edler, habe er sogar damals persönlich für den Stamm ein Fundament aus Obernkirchener Sandstein gelegt. Der Meißel zum Behauen der Steine war eine eigens in Auftrag gegebene Spezialanfertigung, erinnert er sich. Dazu weiß er sogar, dass bei den Schachtarbeiten auf dem Wesergold-Gelände noch weitere Mooreichen gefunden wurden.



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