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Besuch der Dunsthöhle in Bad Pyrmont ist seit Jahrhunderten ein ganz besonderes Erlebnis

„Gewölbe über die dünstende Grube“

Seit Jahrhunderten ist die Besichtigung der Dunsthöhle in Bad Pyrmont für Jung und Alt ein ganz besonderes Erlebnis und ein gern besuchtes Ausflugsziel der Kur- und Badestadt. Aufgrund der sonderbaren geologischen Eigenschaften des Pyrmonter Tales entströmt an dieser Stelle Kohlendioxyd (CO2), das durch Druckverhältnisse innerhalb des Erdinneren über Gesteinsspalten und Formationsrisse aus großer Tiefe an die Erdoberfläche gelangt. Anschaulich wird den Besuchern von Ernst Morsch, der die Dunsthöhle bereits seit über 20 Jahren mit seiner Familie betreut, innerhalb einer sachkundigen Führung und einer seit Jahrhunderten praktizierten Vorführung mit brennenden Kerzen und Seifenblasen das einmalige Naturphänomen verdeutlicht. Das eineinhalb Mal schwerer als Luft beschaffene und unsichtbare Kohlendioxyd reagiert überwiegend auf die Lufttemperatur und den Luftdruck, sodass die Höhe des CO2-Quellgasspiegels je nach Witterung unterschiedlich fällt oder steigt.

veröffentlicht am 08.04.2013 um 06:00 Uhr

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Die Dunsthöhle wurde im frühen 18. Jahrhundert nördlich des damals noch eigenständigen Dorfes Oesdorf auf dem Gelände eines Steinbruchs durch den weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannten Brunnenarzt Dr. Johann Philipp Seip (1686-1757) entdeckt. Im Jahre 1720/21 ließ Dr. Johann Philipp Seip, der als Sohn des gleichnamigen Pastors in Oesdorf geboren wurde, in der Regierungszeit des Fürsten Friedrich Anton Ulrich zu Waldeck-Pyrmont (1676-1728) „ein steinernes Gewölbe über die dünstende Grube“ für Heilzwecke ausbauen. Bereits seit 1712 erforschte der sehr geschätzte „Fürstl. Waldeckische Leib;-Land- und Brunnen-Medici“ Dr. Seip, der in seinen beiden Kurgasthäusern in der 1720 entstandenen „Neustadt Pyrmont“ (heute die Brunnenstraße) eine Vielzahl illustrer Badegäste wie 1716 Zar Peter der Große und 1744/46 König Friedrich II. von Preußen behandelte, die Naturmerkwürdigkeiten am Helvetiushügel. Nach einer Renovierung des Gewölbes im Jahre 1737 ließ er die noch heute vorhandene Steintafel – in Anspielung auf die Hundsgrotte bei Neapel – mit der Inschrift „Machst Du Italien mit Raritäten gros Sieh hier, die Schwefelgrub dampft auch aus Pirmonts Schos“ anbringen.

Neben vielen anderen prominenten Kur- und Badegästen ließ es sich natürlich der Dichter, Wissenschaftler und Staatsmann Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), der vom 13. Juni bis zum 17. Juli 1801 im Hause des damaligen „Brunnen-Cassierers“ Voigt in der Bassinstraße (heute: Am Hylligen Born) in unmittelbarer Nähe zum Brunnenplatz logierte, nicht nehmen, die geheimnisvolle und rätselhafte „Schwefelgrotte“ am Helvetiushügel zu untersuchen. Bereits am zweiten Tag nach seiner Ankunft im berühmten Kur- und Badeort Pyrmont begann der „Herr Geheimrath aus Weimar“ mit seinen Forschungen: „Nach ernsthafter Prüfung des Locals und des Niveaus jener Luftschicht konnte ich die auffallenden und erfreulichen Experimente mit sicherer Kühnheit anstellen.“ Weiter berichtet Goethe in seinen Reiseberichten aus Pyrmont: „Die auf dem unsichtbaren Elemente lustig tanzenden Seifenblasen, das plötzliche Verlöschen eines flackernden Strohwisches, das augenblickliche Wiederentzünden, und was dergleichen sonst noch war, bereitete staunendes Ergötzen solchen Personen, die das Phänomen noch gar nicht kannten, und Bewunderung, wenn sie es noch nicht im Großen und Freien ausgeführt hatten.“ Im Zuge der Weltausstellung Expo 2000 in Hannover wurde in Bad Pyrmont im Rahmen des Beitrages „Aqua Bad Pyrmont: Wasser – Gesundheit, Mythos und Visionen“ auch der Platz am Helvetiushügel mit der einzigartigen Dunsthöhle zeitgemäß umgestaltet und modernisiert. Selbst die „Sendung mit der Maus“ hat diesem geheimnisvollen Ort einen Besuch abgestattet. CO2-Quellgasbäder werden heute unter anderem bei rheumatischen Erkrankungen und Arthrosen, Asthma oder Ekzem-Erkrankungen erfolgreich im Rahmen des Therapie-Angebotes des Staatsbades Pyrmont im Gesundheitszentrum „Königin-Luise-Bad“ verabreicht.

Öffnungszeiten: April bis Oktober täglich von 15 bis 17 Uhr, März und November samstags und sonntags 13 bis 16.30 Uhr und Dezember bis Februar auf Anfrage.

Weitere historische Fotos unter www.zeitreise.dewezet.de

Die Dunsthöhle auf einer alten Postkarte, um 1910 und heute.

Sammlung Museum im Schloss Bad Pyrmont/uk



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