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Drei Wochen nach dem Bericht: Denkmalschützer und Stadt wollen reden

Gespräche über Denkmalschutz: „Es ist schade um jedes Haus“

Rinteln (mld). Die Fragen kosten so manchem Denkmalschützer und so manchem Hauseigentümer gleichermaßen den ruhigen Schlaf: Wie können mehr Häuser mit alter Bausubstanz erhalten werden, gerade mitten in der Innenstadt, fragt sich die eine Seite. Und was kann ich als Eigentümer eines Hauses mit alter Bausubstanz denn eigentlich machen und was nicht, fragt sich die andere Seite.

veröffentlicht am 01.06.2011 um 00:00 Uhr

Konkret wurden diese Fragen in dem Fall eines gut 400 Jahre alten Hauses in Rintelns Krankenhäger Straße gestellt, das eine Rintelnerin gekauft hatte, um auf dem Grundstück ein neues Haus zu errichten (wir berichteten). Einen Frevel sahen darin Denkmalschützer vom Verein Heimatbund Grafschaft Schaumburg und dem Arbeitskreis Denkmalschutz: Das Haus müsse erhalten bleiben.

Jetzt ist geplant, alle Parteien an einen Tisch zu holen und konkret über diesen Fall zu sprechen. Dass es nicht gern gesehen sei, wenn einem bei den eigenen Plänen „in die Parade gefahren“ werde, das sei absolut verständlich, sagt Dr. Stefan Meyer vom Heimatbund. Doch das gemeinsame Gespräch wolle man suchen: „Es ist schließlich schade um jedes einzelne Haus“, sagt Meyer.

Der Heimatbund hat im Fall der Krankenhäger Straße schließlich nicht nur jemandem „in die Parade fahren“ wollen, sondern hat auch einen sogenannten „Maßnahmenkatalog“ vorgelegt, mit dessen Hilfe Häuser mit alter Bausubstanz geschützt werden sollen – beziehungsweise Eigentümer dazu ermuntert werden sollen, diese alte Substanz zu erhalten.

Diese Maßnahmen sieht Rintelns Erster Stadtrat Jörg Schröder allerdings mit einem etwas kritischen Blick. So schlägt der Heimatbund zum Beispiel vor, „denkmalwürdige“ Fachwerkhäuser von der Grundsteuer zu befreien.

„Aber was heißt denn ,denkmalwürdig‘?“, gibt Schröder zu bedenken. „Und wer soll das entscheiden? Etwa die Stadt?“ Entweder ein Haus sei ein Denkmal oder es sei keines. Zudem müsse man die Situation der Menschen in Betracht ziehen, die vielleicht in keinem denkmalgeschützten Haus wohnten, das dann plötzlich als „denkmalwürdig“ deklariert würde, merkt Schröder an.

Außerdem gebe es bereits jetzt zahlreiche steuerliche Erleichterungen für Eigentümer denkmalgeschützter Bauten, so Schröder. Ob Steuererleichterungen infrage kommen oder nicht, das entscheide die Stadt Rinteln – und entsprechende Anträge könne man dann beim Finanzamt einreichen.



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