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Heiliggeisthospital: Erstmals wurde das Haus 1300 urkundlich erwähnt

Für Jahrhunderte ein sozialer Mittelpunkt

Armeneinrichtungen gehörten im Mittelalter der Kirche. So stand die an der Weserbrücke gelegene Pilgerherberge in der Obhut des Hamelner Stifts. In der Zeit des Hochmittelalters trat die aufstrebende Bürgerschaft in Konkurrenz zum Klerus und gründete ein Heilig-Geist-Hospiz. Dieses dicht am Ostertor gelegene Hospital wurde zur bedeutendsten, viele Jahrhunderte überdauernden sozialen Einrichtung der Stadt.

veröffentlicht am 15.09.2014 um 06:00 Uhr

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Erstmals wurde das „Haus zum Heiligen Geist“ 1300 urkundlich erwähnt, als Hermann Mennerti ihm die Hälfte seiner Güter im Dorf Groningen mit allen „Wiesen, Weiden und Wäldern“ verkaufte (an das Dorf Groningen erinnert der Flurname Gröningerfeld zwischen Basberg und Holtensen). Einen Teil des Landes bewirtschaftete das Hospiz selbst; den anderen verpachtete es gegen Zinsen und erzielte daraus bedeutende Einnahmen.

Weitere Erträge kamen aus dem Handel mit dem Seelenheil. Mit dem Almosengeben für „dusse armen lude“ war ein Ablass verbunden. Wer das Hospital mit Almosen unterstützte, verdiente sich einen immerhin elftägigen Ablass. Zum Heilig-Geist-Hospital gehörte eine Kapelle, von der wir zuerst 1304 hören. In dem kleinen Gotteshaus wurde jeden Morgen vor sechs Uhr eine Frühmesse für die Durchreisenden gelesen.

Die beiden Vorsteher des Hospizes (Provisoren oder olderlude) ernannte der Rat. Wer wohnte im Stift? Das Hospital war nicht nur Stätte zur Pflege von Kranken und Gebrechlichen, sondern diente auch als Haus, in dem alte, hilfsbedürftige Bürger eine dauerhafte Bleibe fanden. Das waren zumeist Menschen, die in der Lage waren, das nicht geringe Eintrittsgeld zu bezahlen. 1586 betrug es 10 Reichstaler und 32 Mariengroschen. Die Bewohner (Prövener) erhielten dafür monatlich acht Mariengroschen in bar, sechs Pfennige für Holz und Licht, einen Anteil Korn sowie einen Teil aus der Armenbüchse.

Die einzelnen Pröven, die Stellen also, die freie Wohnung und Unterhalt bedeuteten, wurden vom Rat der Stadt zugewiesen. So heißt es 1443: „De rad gheven dem Swarten Corde und siner husfruwen de provende in dem hilligen gheiste.“ 1596 lebten 19 Menschen im Hospiz, 1689 waren es 35, davon acht Männer, 21 Frauen und 6 Kinder.

Nachdem die Garnison an der Stelle der kleinen Kapelle 1713 die Garnisonkirche gebaut hatte, errichtete die Stadt 1723, wie ein Gedenkstein an der Westseite des Hospitals ausweist, hinter der Garnisonkirche das Hospiz neu. Im Jahr 1813 gab es dort 16 Wohnungen, die gegen ein Eintrittsgeld von 12 Talern vergeben wurden. Mit dem Neubau war ein besonderer Wirtschaftsbetrieb nicht mehr verbunden.

Später scheint der Einkauf als Pröveninhaber nicht mehr so verbreitet gewesen zu sein. 1856 lebten neben nur noch drei Prövenern und dem Hofknecht 40 andere Personen im Haus, welche die Stadt eingewiesen hatte. 1869 hausten in nunmehr 27 verkleinerten Wohnungen 69 Menschen, darunter zwanzig Witwen und fünf unverheiratete Frauen. Das Haus war überfüllt und war zum Armenhaus geworden. Nur dem Wortlaut nach galt es noch als Ehre, dort einen Platz zu bekommen. 1911 ließ der Magistrat einen Invaliden wissen: „Das General-Armen-Kollegium hat Sie für würdig befunden, Ihnen die von dem Invaliden Rekate in St. Spiritus bisher benutzte Wohnung zu verleihen.“ Ein Zuschussbetrieb war das Haus für die Stadt aber auch im 19. Jahrhundert nicht. Dank der ihm in früheren Zeiten zugefallenen Stiftungen half das Hospiz, die Armenkasse der Stadt zu bereichern.

Im frühen 20. Jahrhundert waren die Raumverhältnisse unzumutbar geworden. Die winzigen Wohnungen bestanden aus Wohn- und Schlafkammer und einer Küche ohne Tageslicht. 1923 hatten nur die Wohnung des Hausvaters und die Flure elektrisches Licht. 1929, als es aufgelöst wurde, wohnten im Hospital St. Spiritus noch 23 Menschen. Die meisten Insassen wurden in das städtische Pflege- und Waisenhaus am Langen Wall verlegt.

Für die Auflösung des Stifts spielten seitens der Stadt aber auch andere Gründe eine Rolle.

„Der gesamte, an hervorragendster Lage der Stadt befindliche Gebäudekomplex bedarf einer einheitlichen Gestaltung, die bei geringstmöglichem Aufwand noch ein würdiges und vor allem auch den Belangen des Fremdenverkehrs Rechnung tragendes Gesamtbild gibt.“ Nach kurzer Umbauzeit konnten ab 16. November 1929 die nach Plänen von Stadtbaurat Schäfer und Architekt Vollmer neugestalteten Räumlichkeiten in der Garnisonkirche und dem Heiliggeiststift an die Stadtsparkasse übergeben werden, die dort bis heute residiert. Nur der Name „Heiliggeiststraße“ erinnert noch an das einstige Hospiz.

Eine bewegte Geschichte: Das Heiliggeisthospital (links um 1890, Foto: Stadtarchiv) beherbergt heute nach vielfältigen Umbauten die Stadtsparkasse (Foto Gelderblom).



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