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Rasenmähen, Strandurlaub und Grillen: Was ich alles kann, aber nicht darf

Frühling nach Baukasten-Prinzip

Ist doch nicht so schlimm, wenn’s mal nen bisschen länger wächst – für meine ganz persönliche Deckhaargestaltung mag dieser Satz durchaus trefflich sein. Wo nix ist, da wächst halt nichts. Und ehrlich gesagt, bin ich schon ein wenig stolz darauf, wenn mir mal wieder jemand in der Videokonferenz sagt, dass ich ruhig mal wieder zum Friseur gehen könnte…

veröffentlicht am 17.04.2021 um 10:00 Uhr

Lars Lindhorst

Autor

Ressortleiter zur Autorenseite

Also – „Nicht schlimm, wenn’s mal nen bisschen länger wächst“: Aber diesmal geht es ja gar nicht um meine Haare, sondern um eine Sache, der ich gewöhnlich nur am Rande beiwohnen darf. Ja, darf. „Den Rasen mähe nur ich“, betet meine liebe Gattin mir schon seit Jahren vor. Rasenmähen für mich persönlich: Tabu! Ich weiß bis heute nicht, was ich dabei alles nicht richtig machen kann, aber es ist nun mal einfach nicht meine Angelegenheit. Mähverbot per Ansage. Ich darf halt nicht – und darüber bin ich auch nicht wirklich traurig. Im Gegenteil: Wie oft habe ich es im letzten Corona-Frühling genossen – hier im Homeoffice mit exzellentem Blick auf sattes Grün –, wenn es wieder summte und brummte, die Rasenmähende hinter knatterndem Gefährt ihre Bahnen zog – schweißgebadet, puterrot. Herrlich dieser Blick vom Schreibtisch aus! Grinsen, Schulterzucken: „Tja, du darfst ja nicht!“, sagte ich mir dann. Nicht nur einmal.

Und so gehe ich wieder mit Vorfreude an diesen Frühling. Zeit wär’s ja nun wieder für diese Aussichten, für die ich selbst nicht viel kann. Doch ich wundere mich: Der April ist bald schon vorüber – und der Rasen ist noch immer nicht gemäht. Noch nicht einmal in diesem Jahr! Ungeduld macht sich breit, dann höre ich diesen Satz: „Ist doch nicht so schlimm, wenn’s mal nen bisschen länger wächst.“ Was läuft hier schief?

Meine Vermutung ist: Es könnte an der Technik liegen. Sicher nicht an der Technik des Mähens selbst – die funktioniert ja perfekt Bahn für Bahn. Kein Grashalm bleibt da ungeschreddert. Nein, ich vermute, es könnte an der Maschine liegen. Die habe ich selbst zusammengebaut. War ein Internet-Schnapper. 3-PS-Turbine mit Antrieb und Elektrostarter. Kam in drei einzelnen Paketen nach Hause. Brauchte ich bloß zusammenschrauben. Hat ganz gut geklappt mit dem Bausatz, jedenfalls hätte ich auch gut Maschinenschlosser werden können, dachte ich so. Doch mit Blick auf den zögerlichen Drang zum Rasenmähen in unserem Hause wachsen mir daran nun ganz aktuell leise Zweifel. Ist da wohl was schiefgelaufen?

Eigentlich nicht. Denn – so behaupte ich – die Dinge mit dem Selbstbau beherrsche ich schließlich aus dem Effeff.

Gut, die kombinierte Sonnenliege/Transportkarre aus dem Discounter, die ich letzten Sommer für den Weg zum Strand kaufte und zusammenbaute, war da gewiss eine Ausnahme. Die hatte ja unglücklicherweise einen Materialfehler. Warum hat uns sonst auf halber Wegstrecke zum Strand das linke Rad der Karre überholt? War gewiss nicht mein Fehler! Materialermüdung eben. Das ganze Zeug weiterschleppen, das durfte diesmal dann ich. Ja, das darf ich dann!

Letztes Wochenende war ich wieder ungeduldig: Im strömenden Regen habe ich den neuen Grill zusammengebaut. Zum ersten Mal haben wir jetzt so ein Riesending mit Haube, war in Einzelteilen verpackt. Nach drei Stunden stand er – ein bisschen wacklig zwar und die fehlenden Teile habe ich auch kompetent ersetzt –, aber dieses Wochenende gibt’s es ja wenigstens Aussicht auf Nutzung der neuen Errungenschaft. Wollen wir angrillen? Ich habe nicht einmal eine noch so zögerliche Antwort erhalten…

…ich schätze, da will jemand noch ein bisschen Gras über die Sache wachsen lassen.



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