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Die Geschichte des Hauses Mittlere Straße 48 in Lügde

Erstmals 1610 genannt

Das Haus Mittlere Straße ist im Juni für 8000 Euro versteigert worden. Die Straße ist die älteste der Stadt. Bei Straßenbauarbeiten 1974 wurde die ursprüngliche Straße in etwa drei Metern Tiefe gefunden, mit Schotter geebnet und darunter ein sogenannter Bohlweg. Später ist die Straße mit Bruchsteinen gepflastert worden und hieß 1488 der „Steinweg“, weil es die einzige in der Stadt gepflasterte Straße war.

veröffentlicht am 01.09.2014 um 06:00 Uhr

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Der heutige Name Mittlere Straße kommt erstmals 1610 vor. Zwischen dem Haus Mittlere Str. 46 und 48 gibt es heute eine Verbindungsgasse zur Hinteren Straße, „Apotheken-Stelle“ genannt, die erst nach dem Stadtbrand 1797 entstanden ist. Vorher standen anstelle der Verbindungsgasse und des Hauses Nr. 48 drei Häuser, die eine interessante Geschichte haben. Das erste Haus, dort, wo heute die Verbindungsgasse zwischen der Mittleren und Hinteren Straße ist, war 1599 im Besitz von Heinrich Wienek, dem 1627 Ludolf Rustmeister folgte. Dieser hatte so viele Schulden, dass ihm das Haus zeitweise von der Stadt entzogen wurde und schließlich in den Besitz der Stadt kam. 1669 war es das Diensthaus des Stadtmusikanten Johann Brockmann, der in der Kirche aufzuspielen, dreimal täglich den Segen vom Turm zu blasen und städtische Feiern zu begleiten hatte. Ihm folgte sein Sohn Paul Wilhelm Brockmann als Stadtmusikant nach, bevor das Haus 1787 in den Besitz von Conrad Freese kam, dem es beim Stadtbrand 1797 abbrannte und nicht wieder erbaut wurde.

Das zweite Haus, heute die nördliche Hälfte des Hauses Nr. 48, gehörte 1620 Hans Schregel, der es 1634 an Bürgermeister Heinrich Niemeyer vermietet hatte. 1637 gehörte es Trine Schregel, die es am 23. August 1637 für 18 Reichstaler an Bürgermeister Hermann Horstmann verkaufte. Dieser vermietete es an Heinrich Stapperfenne. Sein Sohn Johann Horstmann ließ 1689 das alte, baufällige Haus abreißen und ein Haus erbauen, das 1797 abgebrannt ist.

Die westliche Hälfte des Hauses Nr. 48 gehörte 1604 Johannes Bolemann und wird 1604 das Haus „Up der Oplenheide“ genannt, ohne dass wir heute noch etwas über die Bedeutung dieses Namens wissen.

Bolemann verkaufte das Haus vor 1634 an Johann Ottersmann. Danach scheint es verfallen oder abgebrannt zu sein, denn 1635 erwarb die „leere Hausstätte“ Bürgermeister Hermann Horstmann, dessen Sohn es, wie das Nachbarhaus, 1686 neu erbauen ließ. 1721 kam es in den Besitz des Stadtkämmerers Jobst Böhlefahr, gehörte 1750 Johann Heinrich Fasse, 1783 Conrad Freese und brannte dann 1797 ab. 1798 erbaute der Lohgerber Christian Müller, mit Gertrud Bödecker, Witwe des Conrad Freese verheiratet, anstelle der zwei abgebrannten Häuser das traufenständige, für Lügder Verhältnisse prachtvolle Fachwerkhaus. Der einzige Schmuck dieser 1798 errichteten Häuser ist bis heute die Hausinschrift, von der am Torbogen des Hauses noch eingeschnitzte Reste erkennbar sind. Dort heißt es: „…Feuers… das Neue auf Jahr steht. Wir wollen bitten und flehen so werden wir Glück und segen sehen / Christian Müller und Gertrud Bodecker / Den 9ten May Anno 1798.“ Daneben sind die in Lügde üblichen Heiligenzeichen MRA= Maria, JOSP= Joseph und JHS = Jesus Heiland Seligmacher beziehungsweise in ihm ist Heil und Sieg, zu sehen. Leider sind weder die Inschriftenreste noch die Heiligenzeichen farbig hervorgehoben.

Christian Müller und seine Frau hatten nicht viel Freude an ihrem neuen Haus, das bereits 1810 dem Wirt Friedrich Thorwald gehörte, der darin ein Gasthaus betrieb. Danach kam es in den Besitz von Christoph Schlüter, der aus Wörderfeld gebürtig, die Lügder Bürgerin Elisabeth Knedeisen geheiratet hatte und Stammvater aller Familie dieses Namens in Lügde ist.

Schlüter war Lohgerber, wie auch sein Sohn Heinrich und gleichnamiger Enkel, die das Haus nach ihm besaßen. 1920 betrieb sein Urenkel darin eine Landwirtschaft, die sein gleichnamiger Sohn bis in die 1970er Jahre weiterführte. Danach war das Haus viele Jahre unbewohnt und wartet nun auf eine neue Nutzung.

In der alten Gaststube vorne links im Haus, später das Wohnzimmer der Familie Schlüter, wurde jedes Jahr ein großer wundervoll geputzter Weihnachtsbaum in der Mitte aufgestellt, um den man herumgehen beziehungsweise sitzen konnte. Er wurde vielfach von den Lügdern bewundert und wer Glück hatte, konnte ihn sich ansehen.

Weitere historische Fotos unter zeitreise.dewezet.de

Das Haus Mittlere Straße 48 – links eine aktuelle Aufnahme – hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Foto rechts zeigt das Gebäude nach dem Hochwasser 1946.Willeke



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