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Kleine Rätsel Schaumburgs: Wie ein Bückeburger Komponist berühmt wurde

„Er hat viele Herzen erfreut“

Bückeburg (lsb). Er war ein Mann, der sein Leben der Musik widmete, der ganz in seiner Leidenschaft aufging – und das sogar erfolgreich: Komponist und Chorleiter Wilhelm Meyer-Stolzenau.

veröffentlicht am 16.07.2011 um 00:00 Uhr

Geboren am 2. September 1868 in Bückeburg, zog er im Jahre 1873 mit seinen Eltern nach Stolzenau, das ihm laut Klaus Dera, Vorsitzender des Bürger- und Heimatvereins „Wir Stolzenauer“, schnell zur eigentlichen Heimat wurde. Über Meyer-Stolzenaus Privatleben ist jedoch nicht sehr viel bekannt: „Dass sein Vater Bierverleger war, sprich, ein Getränke-Großhandelsunternehmen führte, ist die einzige private Information, die uns vorliegt.“ Im Gegensatz zum Privatleben sind Fakten zu seiner Musikkarriere geläufiger.

Mit 17 Jahren begann Meyer-Stolzenau sein Studium an der großherzoglichen Musik- und Opernschule in Weimar. Zehn Jahre später nahm er an einem Preisausschreiben für Liedkompositionen teil: „Ein kleines Lied, wie geht’s nur an / dass man es so lieb es haben kann. / Was liegt daran? / Erzähle! / Es liegt darin ein wenig Klang / ein wenig Wohllaut und Gesang / uns eine ganze Seele!“

Von den rund 725 eingereichten Liedern wurden eben diese Verse vertont und Meyer-Stolzenau erhielt den ersten Preis. „Dies war ein besonders großes Lob, denn im Preisrichterkollegium saß unter anderem Johann Strauß Sohn“, erzählt Dera.

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Doch dies sollte nur der Beginn seiner Karriere sein. Danach trat er seine erste Stellung im Konzertorchester des jüngsten Bruders von Johann Strauß Sohn in Riga als Solocellist an und blieb dort zwei Jahre. Danach führten ihn seine Wege zum Militär, um beim 1. Infanterie-Regiment Nr. 74 der preußischen Armee in Hannover als Soldat seiner Pflicht gerecht zu werden. Anschließend übernahm er 1892 die Leitung eines hannoverschen A-cappella-Chores; später wurde er beim Philharmonischen Orchesters Kapellmeister und Dirigent beim Instrumentalverein in Hannover.

Nach sechs Jahren in Hannover ging es für Meyer-Stolzenau im Jahr 1898 nach Gumbinnen im damaligen Ostpreußen. Dort nahm er die Stellung als Dirigent der neuen Sing-Akademie und der Gumbinner Liedertafel an. „Und auch der Frauenchor im ostpreußischen Stallupönen wählte ihn als Dirigenten aus“, sagt Dera. Nebenher unterrichtete er außerdem als Gesangslehrer am dortigen Gymnasium. Höhepunkt seiner Zeit in Ostpreußen war das dritte litauische Musikfest im Jahr 1902 in Gumbinnen, auf dem er als Festdirigent agieren durfte.

Nach fünf Jahren in Gumbinnen zog es Wilhelm Meyer-Stolzenau zurück nach Hannover. Zum zweiten Mal übernahm er dort 1906 die Leitung des Instrumentalvereins – und das bis zu dessen Auflösung. Außerdem war er bei der neuen Liedertafel in Hannover und der Nienburger Liedertafel als Dirigent tätig. Die Leitung des Mindener Gesangvereins und des Nienburger Oratorienvereins übernahm er gleichzeitig von 1909 bis 1927.

Neben seiner Tätigkeit als Chorleiter war Meyer-Stolzenau auch in seiner Rolle als Komponist recht geschäftig. Circa 200 Werke stammen aus seiner Feder; darunter Opern und Operetten sowie symphonische Dichtungen, Chor- und Liedkompositionen. Eines seiner bekanntesten Werke ist „Die indische Prinzessin“, eine Operette aus dem Jahr 1921. „Eine Abschrift dieser Operette befindet sich im Heimatmuseum Stolzenau“, berichtet Dera.

Ein hannoverscher Kritiker schrieb 1911 über die Aufführung des „Nachtwächters“ im königlichen Hoftheater und was Meyer-Stolzenaus künstlerisches Schaffen ausmachte: „Er ist ein Musiker, der immer ehrlich blieb, bescheiden und herzlich. (...) Er hat seine Mission als Künstler erfüllt. Er hat viele Herzen erfreut.“

Am 9. März 1950 starb Wilhelm Meyer-Stolzenau in Hannover. Beerdigt wurde er in seiner Heimat, auf dem Friedhof in Stolzenau.

Sie kennen auch kleine Rätsel Schaumburgs oder haben sich schon immer über eine Begebenheit in der Schaumburger Region gewundert? Schreiben Sie uns: sz-redaktion@schaumburger-zeitung.de oder rufen Sie an unter (0 57 51) 4000-526.



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